Home
http://www.faz.net/-gqe-777r9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.02.2013, 14:22 Uhr

Vorschlag von Wirtschaftsminister Rösler Schärfere Auflagen für Glücksspielautomaten

Immer mehr Jugendliche verzocken Geld am „Daddelautomaten“ in der Kneipe. Der Bundeswirtschaftsminister will dem einen Riegel vorschieben. Die Branche warnt vor einem Kahlschlag.

© dpa Gefahr für Jugendliche? - der Glücksspielautomat

Die Automatenindustrie sowie viele Gaststätten müssen sich auf noch strengere Auflagen für Spielautomaten einstellen als bisher geplant. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will den Jugend- und Spielerschutz energischer durchsetzen sowie Spielanreize und Verlustmöglichkeiten begrenzen. Das geht aus einem Entwurf für eine neue Spielverordnung hervor, der in Berlin bekanntwurde. Neben Spielpausen und Regelungen gegen Geldwäsche ist vorgesehen, dass in Gaststätten nur noch ein Geldspielgerät zulässig ist - bisher sind drei Automaten erlaubt. In einem früheren Entwurf hatte Rösler die Obergrenze bei zwei Geräten gezogen.

Die Automatenindustrie kritisierte, der Entwurf gehe weit über eine notwendige Verbesserung des Spielerschutzes hinaus. Er führe zusammen mit schärferen Spielhallen-Regeln der Länder zu einer Existenzbedrohung für die Branche und Teile der Gastronomie. Mit dem Kahlschlag würden Millionen Spieler in die „Arme von Tausenden Anbietern von unregulierten Spielangeboten im Internet“ getrieben.

Vor allem Jugendliche zocken häufiger

Eine Sprecherin Röslers nannte den Entwurf ausgewogen - er berücksichtige sowohl die Interessen der Wirtschaft als auch die Anliegen der Spieler und des Jugendschutzes. Studien zufolge habe das Automatenspiel deutlich zugenommen, insbesondere Jugendliche, die jünger als 20 Jahre sind, spielten häufiger: „Hier ist also Handlungsbedarf.“ Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) begrüßte die Vorschläge: „Die neue Spielverordnung ist ein vernünftiger Weg, um Spielsucht einzudämmen.“

Mehr zum Thema

An einer Novelle der seit dem Jahr 2006 geltenden Spielverordnung wird schon länger gearbeitet. Dem Entwurf zufolge hat sich die Lage der Automatenbranche seit 2006 positiv entwickelt. Die Zahl der Geldspielgeräte habe deutlich zugenommen - von 183.000 im Jahr 2005 auf derzeit etwa 240.000. Davon stünden etwa 70.000 Automaten in Gaststätten und 170.000 in Spielhallen. In Spielhallen gebe es kaum Verstöße gegen das Spielverbot für Jugendliche, heißt es: „Es gibt jedoch möglicherweise Defizite in Gaststätten.“

Soziale Kontrolle in Gaststätten

Nach Schätzungen des Ministeriums müssen in Gaststätten fünf Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung voraussichtlich insgesamt 30.000 Geldspielgeräte abgebaut werden. Aus Sicht der Branche muss „innerhalb kurzer Zeit mindestens die Hälfte“ der Automaten abgebaut werden. Manche Eckkneipe kann sich nur halten dank der Aufstellgebühren für „Daddel-“ und Flipperautomaten. Aus Sicht der Industrie gibt es in Gaststätten eine intensive soziale Kontrolle, der Spieltrieb im legalen Bereich werde also kanalisiert.

Der Chef des Verbandes der Automatenindustrie, Paul Gauselmann, begrüßte, dass Übertreibungen ein Riegel vorgeschoben werden solle. Der oft als „Spielhallen-König“ bezeichnete Familienunternehmer moniert aber: Leider schieße die Verordnung über das Ziel eines besseren Spielerschutzes weit hinaus.

Fünf Jahre Übergangsfrist

Nicht nur die Zahl der Geräte wird begrenzt, zusätzlich müssen alle in Gaststätten aufgestellten Automaten mit einer Sperre für Jugendliche oder Kinder ausgerüstet sein. „Gewinnanmutungen“ - das sogenannte Punktespiel - sollen begrenzt und das „Vorheizen“ der Geräte, also das Hochladen von Punkten durch Personal - verboten werden.

Den Herstellern wird eine Übergangsfrist von fünf Jahren eingeräumt. In Gaststätten müssen spätestens fünf Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung überzählige Automaten abgebaut werden. Dies gilt nicht, „wenn es sich um Gaststätten handelt, in denen eine Gefährdung Minderjähriger aufgrund der örtlichen Lage oder der für sie geltenden Zugangsbestimmungen ausgeschlossen ist“.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsch-Französisches Treffen Berlin und Paris wollen Bargeldgeschäfte zurückdrängen

Die Finanzminister Schäuble und Sapin fordern eine Obergrenze für Bargeld-Transaktionen in Europa. In Deutschland ist die Debatte völlig falsch verstanden worden. Mehr Von Christian Schubert, Paris

09.02.2016, 18:13 Uhr | Wirtschaft
Kampf gegen Geldwäsche Dänen haben kaum noch Bargeld

Ohne Bargeld gäbe es kein Schwarzgeld mehr, so das Hauptargument der Gegner des Bargelds. Trotzdem wollen viele Europäer auf Münzen und Scheine nicht verzichten. Sie haben Angst zu gläsernen Kunden zu werden. Mehr

05.02.2016, 14:40 Uhr | Wirtschaft
Plan der Bundesregierung Bar zahlen künftig nur noch bis 5000 Euro

Die Bundesregierung dringt auf ein gemeinsames Limit für Bargeldzahlungen in Europa. Andernfalls erwägt Berlin eine Bargeldgrenze in Deutschland. Ist das der Anfang vom Ende des Bargelds? Mehr Von Manfred Schäfers, Hendrik Kafsack und Christian Siedenbiedel

02.02.2016, 19:04 Uhr | Wirtschaft
Seehofer Begrenzung der Flüchtlingszahlen gefordert

CSU-Chef Horst Seehofer sieht die Regierungskoalition in Berlin wegen der Flüchtlingskrise in einer ernsten Lage. Mehr

21.01.2016, 18:36 Uhr | Politik
Weltneuheit Jetzt kommt die Plastik-Münze

In Karlsruhe wird seit heute eine Weltneuheit geprägt: eine Münze mit Polymer-Ring. Die Bundesbank ist von der Münze mit Kunststoffanteil begeistert, gilt sie doch als besonders sicher. Mehr Von Susanne Preuß, Stuttgart

11.02.2016, 14:48 Uhr | Finanzen

Der amerikanische Konsument und seine Laune

Von Winand von Petersdorff, Washington

An der Kauflaune der Amerikaner hängt die Weltwirtschaft. Aber derzeit gibt es viel Besorgnis um den amerikanischen Konsumenten. Zurecht? Nein. Die Lage scheint nur auf den ersten Blick bedrohlich. Mehr 10 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Keine Ahnung - aber Meinung

Wenn es um China geht, sind die meisten Deutschen einer Umfrage zufolge in Sorge. Ebenfalls die meisten sagen aber auch, eigentlich nichts darüber zu wissen. Mehr 1