08.07.2007 · Am Montag treffen sich in Brüssel die Finanzminister der EU. Dann wollen sie sich auf den ehemaligen französischen Minister Strauss-Kahn als neuen IWF-Direktor festlegen. Die Bundesregierung unterstützt die Bewerbung.
Von Nico Fickinger, BerlinDer ehemalige französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn soll neuer geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden. Hierauf wollen sich die Finanzminister der Europäischen Union an diesem Montag in Brüssel verständigen. Der Kandidat für den IWF-Chefposten wird traditionell von den Europäern vorgeschlagen; im Gegenzug wird den Vereinigten Staaten das Vorschlagsrecht für den Weltbank-Präsidenten zugestanden. Strauss-Kahn wäre nach dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, der zweite Franzose an der Spitze einer internationalen Finanzorganisation. Das Bundeskabinett soll der Personalie am Mittwoch in Berlin formell zustimmen.
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte am Wochenende offen für den früheren Finanzminister geworben. „Ich will Dominique Strauss-Kahn als Frankreichs Kandidaten für die Führung des IWF, denn er scheint der Geeignetste für den Posten“, sagte Sarkozy der Pariser Zeitung „Le Journal du Dimanche“. Er habe die Kandidatur bereits dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush, dem britischen Regierungschef Gordon Brown und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero präsentiert.
„Wir können uns einen Franzosen gut vorstellen“
Strauss-Kahn habe „dieselbe Vision vom Funktionieren des IWF“ wie er, hob Sarkozy hervor. „Könnte ich Frankreich um seine Kandidatur bringen, nur weil er Sozialist ist?“ Strauss-Kahn gilt als eines der Schwergewichte der französischen Sozialisten. Er wirbt bisher vergeblich um eine sozialdemokratische Neugründung der Partei.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) unterstützte am Sonntag die Bewerbung Strauss-Kahns. „Wir können uns einen Franzosen gut vorstellen“, sagte Ministeriumssprecher Thorsten Albig dieser Zeitung auf Anfrage. Strauss-Kahn sei ein „exzellenter Kandidat“ mit außerordentlichen Fähigkeiten. Dass auch die EZB von einem Franzosen geführt werde, sei „kein Hindernis“, vielmehr sei das Denken in solchen nationalstaatlichen Kategorien antiquiert. Paris und Berlin hätten alle Personalvorschläge im Vorfeld besprochen und miteinander abgestimmt. Die Bundesregierung sei daher von Sarkozys Vorschlag nicht überrascht gewesen. Ziel aller Bemühungen sei gewesen, „einen guten und starken europäischen Kandidaten“ zu finden. Dies sei mit Strauss-Kahn geglückt.
Monti und Padoa-Schioppa weitere Kandidaten
Die Neubesetzung des Postens wird nötig, da der bisherige Amtsinhaber Rodrigo de Rato am 28. Juni überraschend aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt nach der IWF-Jahrestagung im Oktober angekündigt hatte. Aus italienischen Kreisen waren auch der ehemalige EU-Kommissar Mario Monti und Italiens Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa als Nachfolger ins Spiel gebracht worden.
Wie aus Regierungskreisen verlautete, gilt Padoa-Schioppa neben anderen Bewerbern als Kandidat für den Vorsitz des IMFC, des wichtigsten Beratungsgremiums des IWF-Gouverneursrats. Das 1999 gegründete International Monetary and Financial Committee (IMFC) hat 24 Mitglieder und trifft sich jeweils vor der Frühjahrs- und Herbsttagung des Währungsfonds. Es wurde bisher vom früheren britischen Schatzkanzler Gordon Brown geführt.
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