01.12.2009 · Der fahrlässige Umgang mit Kreditverbriefungen hat zur Finanzkrise beigetragen. Nun wollen die Banken ausgerechnet dieselben Instrumente zur Bewältigung der Krise nutzen - und hoffen auf staatliche Garantien.
Von Holger Appel und Stefan RuhkampDie staatseigene Förderbank KfW stützt den Vorstoß der deutschen Banken, den Markt für Kreditverbriefungen mit öffentlicher Hilfe zu flankieren. „Wir müssen den Verbriefungsmarkt wieder öffnen. Wir glauben, dass dazu eine staatliche Anschubfinanzierung nötig ist“, sagt der KfW-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder. „Aber letztlich hat da natürlich die Politik das Wort.“
Die soll sich nach Ansicht der Banken auf dem „Kreditgipfel“ mit der Bundeskanzlerin an diesem Mittwoch insbesondere mit dem Verbriefungsmarkt beschäftigen. Er gilt als wichtiges Instrument, mit dem kleinteilige Kredite gebündelt werden, durch deren Weiterverkauf am Kapitalmarkt die Bankbilanzen entlastet werden können. So soll das Risiko gestreut werden, damit die Banken neue Kredite auslegen können – vor allem an den Mittelstand. Die Verbriefung gilt als bewährtes Instrument auch zur Abwendung einer Kreditklemme. Doch ist das Vertrauen der Investoren in der Finanzmarktkrise abhanden gekommen, weil viele Konstruktionen undurchsichtig waren und böse Überraschungen enthielten. „Der Verbriefungsmarkt ist nach mehr als zwei Jahren immer noch nicht wieder funktionsfähig“, sagt dazu Frank Cerveny, Verbriefungsfachmann der DZ-Bank.
Der Verbriefungsmarkt liegt darnieder
Das Volumen der Neuemissionen ist in Europa von mehr als 700 Milliarden Euro im gesamten Jahr 2009 auf rund 260 Milliarden Euro in den ersten elf Monaten dieses Jahres zurückgegangen. Und auch von dieser Summe verbleibt der größte Teil bei den arrangierenden Banken oder wird von ihnen als Sicherheit bei der Europäischen Zentralbank eingereicht. Wirklich weiterverkauft wurden Verbriefungen nur im Wert von etwa 10 Milliarden Euro, schätzt Cerveny. Der Verbriefungsmarkt erfüllt also derzeit nahezu gar nicht die Rolle, Risiken zu streuen und das Kapital der Banken zu entlasten.
„Das Vertrauen in den Verbriefungsmarkt ist erheblich gestört“, sagt auch der KfW-Vorstandsvorsitzende Schröder. „Oftmals haben in der Vergangenheit die Preise nicht gestimmt, und es wurden schlechte Risiken versteckt. Deshalb brauchen wir ein neues Premiumsegment für gute Risiken.“ Die Vorschläge des Bundesverbandes deutscher Banken gingen (BdB) in die richtige Richtung. Der BdB-Vorschlag sieht die Etablierung eines Premiumsegments vor, das hohe Ansprüche an Qualität, Transparenz, Einfachheit und Standardisierung erfüllen müsse. Ein Selbstbehalt von 5 Prozent gemäß Artikel 122a Bankenrichtlinie solle ebenso gewährleistet werden wie die Anschlussfähigkeit an internationale Lösungen. Die Verbriefungen sollen aus der Bankbilanz erfolgen, also nicht aus Portfolien, die nur zum Zwecke einer späteren Verbriefung geschaffen worden sind. Wiederverbriefungen sollen untersagt sein.
Hernach müsse man sehen, ob die Investoren zurückkommen. Daran seien Zweifel angebracht, denn man habe etwa auch auf dem Pfandbriefmarkt gesehen, dass sich Investoren erst zögerlich wieder engagierten, sagt Schröder. Das bestätigt auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der die Interessen einer wichtigen Investorengruppe vertritt, die mehr als 1000 Milliarden Euro Vermögen bewirtschaftet. Der Umgang mit Verbriefungen sei in der Branche nach wie vor zurückhaltend, berichtet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Keinerlei Interesse gebe es, wenn die Produkte nicht nachhaltig transparent seien. Die verbrieften Risiken müssten glasklar zu erkennen und zu bewerten sein.
KfW spricht sich für Anschubhilfe aus
Wegen der großen Zurückhaltung der Investoren und um Vertrauen zurückzugewinnen, spricht sich die KfW nun dafür aus, über eine „partielle und zeitlich begrenzte“ staatliche Anschubhilfe in Form von Garantien nachzudenken. Die Kredite im Verbriefungsmarkt sollen nach Vorstellung des KfW-Vorsitzenden Schröder künftig in drei Teile aufgeteilt werden: Ein Teil mit Erstverlustposition (first loss piece), für den die Banken haften sollten; zweitens ein gemischter Teil (Mezzanine-Tranche mit Ratings A, BBB und BB), für den die Banken haften und eine Staatsgarantie gelten soll; drittens ein vermeintlich sicherer Teil mit bestmöglichem AAA–Rating. „Durch jeden verbrieften Euro in der Mezzanine-Tranche kann man mittels Staatsbürgschaft 8 bis 13 Euro neuen Kredit anschieben“, skizziert Schröder den erwünschten Effekt.
Hartmut Bechtold, der Geschäftsführer der True Sale Initiative, die für den deutschen Verbriefungsmarkt Standards entwickelt, schlägt seinerseits vor, die Garantien auf jene Mezzanine-Tranchen von Verbriefungen zu beschränken, die zur Bündelung von Mittelstandskrediten dienen. So könne die staatliche Hilfe zielgerichtet eingesetzt werden.
Unternehmen, die Probleme mit der Kreditversorgung haben, können sich voraussichtlich vom März nächsten Jahres an an den Kreditmediator der Bundesregierung werden. Bis dahin soll Hans-Joachim Metternich, den das Bundeskabinett am Mittwoch in das neue Amt berufen will, Verfahrensabläufe geklärt und entsprechende Strukturen aufgebaut haben, hieß es am Montag in Berlin. Der 66 Jahre alte bisherige Sprecher der Geschäftsführung der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) wird allerdings nicht selbst Darlehen vermitteln. Er und sein Stab, die in Frankfurt Büroräume beziehen werden, sollen vielmehr helfen, Schwierigkeiten bei der Mittelvergabe zwischen Unternehmen und Banken aus dem Weg zu räumen. Der Kreditmediator ist eine neue Erfindung der Regierungskoalition. Er soll für eine bessere Geldversorgung des Mittelstands sorgen, der mehr und mehr über eine „Kreditklemme“ klagt. Der Mediator soll die Beschwerden von Unternehmen, die Fremdkapital suchen, bündeln und sich in der Kreditwirtschaft für eine Lösung der Probleme einsetzen.
Regierung und Wirtschaft fürchten, dass die Kreditvergabe durch die Kombination aus Wirtschaftskrise und verschärften Eigenkapitalanforderungen der Banken ins Stocken geraten oder zumindest deutlich erschwert werden könnte. Die Bundesregierung will gleichwohl aus dem neuen Amt keine Dauereinrichtung machen: Die für Mittwoch vom Bundeskabinett geplante Berufung Metternichs soll bis Ende 2011 befristet werden. Allerdings solle sie „bei Bedarf und abhängig von der wirtschaftlichen Situation“ verlängert werden können. Möglicherweise wird Metternich auch am Kreditgipfel der Kanzlerin am Mittwoch teilnehmen, zu dem Merkel Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft geladen hat.
(ami.)
Welch Märchen erzält werden
Juergen Kluth (kalkzone)
- 01.12.2009, 12:22 Uhr
Was für Schwachsinn tut die EZB da?!
Sophia Orti (rum)
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Die Verantwortung des Gläubigers
Sophia Orti (rum)
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Zampano et al.
Jürgen M. Backhaus (dijmb)
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Verbriefungen
Hans Schmich (desox)
- 01.12.2009, 17:02 Uhr
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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