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Von Kanada lernen Wir brauchen die schlauen Zuwanderer

Deutschland müsse sich zur Zuwanderung bekennen, sonst gehen die Fachkräfte aus, sagt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Abgucken kann es bei Kanada, das Hochqualifizierte aus aller Welt anlockt.

© dpa Deutschland braucht mehr Zuwanderer.

Deutschland braucht ein Zuwanderungssystem nach kanadischem Vorbild, um den drohenden Mangel an Arbeitskräften in den kommenden Jahrzehnten zu verhindern. Vor allem die Einführung eines Punktesystems für Hochqualifizierte von außerhalb der Europäischen Union würde die Attraktivität für Fachkräfte aus aller Welt deutlich erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung.

Sven Astheimer Folgen:

Die Autoren fordern die deutschen Politiker auf, sich klar zur Zuwanderung zu bekennen und gegenüber der Bevölkerung deren Nutzen zu unterstreichen. „Denn gerade die Zuwanderung Hochqualifizierter kann zusätzliche Arbeitsplätze schaffen“, heißt es in der Studie.

Deutschland ist das drittgrößte Einwanderungsland der Welt

Deutschland und Kanada gehören zu den größten Einwanderungsländern der Welt. Deutschland liegt mit knapp 11 Millionen Zuwandern auf Platz drei hinter den Vereinigten Staaten (43) und Russland (12), Kanada folgt auf Rang sieben mit etwas mehr als 7 Millionen. Wegen der geringen Bevölkerung weist Kanada jedoch mit mehr als 21 Prozent einen deutlich höheren Zuwanderer-Anteil auf als Deutschland mit 13 Prozent.

Infografik / Vergleich Kanada - Deutschland Direkter Vergleich von Daten Kanadas und Deutschlands © F.A.Z. Bilderstrecke 

Während Deutschland aufgrund des demographischen Wandels bis zum Jahr 2050 ein Schrumpfen seiner Bevölkerung von heute knapp 82 Millionen auf weniger als 70 Millionen droht, wächst die Einwohnerzahl Kanadas im selben Zeitraum von 35 auf fast 49 Millionen. Wie die Autoren weiter schreiben, haben in Kanada die Zuwanderer im Durchschnitt höhere Bildungsabschlüsse als die einheimische Bevölkerung.

Kanadas Migranten schaffen häufiger Bildungsaufstieg

In Deutschland haben überproportional viele Migranten keinen Bildungsabschluss. In Kanada haben fast 45 Prozent der Einwanderer einen Hochschulabschluss, in Deutschland sind es 28 Prozent. Auch ist die Erwerbstätigenquote der Zuwanderer in dem nordamerikanischen Land deutlich höher und deren Kinder schaffen häufiger den Bildungsaufstieg als ihre Altersgenossen in Deutschland.

Aktuell stehen vor allem steigende Zuwanderungszahlen aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland im Mittelpunkt der Debatte. Diese werden nach Ansicht der Wissenschaftler das deutsche Demographie-Probleme jedoch nicht lösen, weil diese Arbeitsmigranten sehr häufig nach einiger Zeit wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Außerdem altern alle westlichen Industriestaaten, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Dagegen wächst die Bevölkerung in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

Schlechte Deutschkenntnisse durch Englisch ausgleichen

Deshalb plädieren die Studienautoren für die Einführung eines Zwei-Säulen-Modells für Nicht-Europäer nach kanadischem Vorbild. Die erste Säule besteht aus einem „intelligenten Punktesystem“ für Hochqualifizierte aus Drittstaaten, etwa Akademiker, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen wollen.

Als Auswahlkriterien böten sich der Bildungsstand, die Sprachkenntnisse, das Alter sowie Arbeitserfahrung in Deutschland an. Schlechte Deutschkenntnisse könnten durch gutes Englisch ausgeglichen werden. Wer eine bestimmte Mindestpunktzahl erreicht, bekommt eine Niederlassungserlaubnis ohne Auflagen. „Ein solche System zudem würde ein Signal der Offenheit nach außen senden und damit die Vermarktung des Landes vorantreiben“, schreiben die Autoren.

Zweite Säule: Befristete Erlaubnis für kurzfristigen Bedarf

Die zweite Säule bezöge sich auf den kurzfristigen Bedarf an Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt. Die Autoren empfehlen, Pflegekräften oder Handwerkern mit einem konkreten Stellenangebot die Einreise samt Arbeitserlaubnis für einen befristeten Zeitraum zu gewähren.

Nach einer bestimmten Zeit sollte die Möglichkeit bestehen, ein dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten. Um Lohndumping zu verhindern, sollte in einem Arbeitsmarkttest geprüft werden, ob die Zuwanderer zu den gleichen Bedingungen arbeiten wie Einheimische.

Den Arbeitgeber einbeziehen

Des Weiteren empfehlen die Autoren auch Integrationshilfen nach kanadischem Vorbild. Dazu gehören etwa Mentoringprogramme für Zuwanderung unter Einbeziehung der Arbeitgeber, weitere Verbesserungen und Erleichterungen bei der Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse, verstärktes Werben um ausländische Studenten sowie eine verstärkte Förderung der Kinder von Zuwanderern. Sprachkurse sollten schon vor Schulbeginn einsetzen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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