30.10.2008 · Die amerikanische Notenbank Fed hat im Kampf gegen die Finanzkrise und eine drohende Rezession ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt. Der Schritt war erwartet worden - und so verpuffte die Zinssenkung an der Wall Street weitgehend.
Die amerikanische Notenbank hat im Kampf gegen die Finanzkrise und eine drohende Rezession ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf ein Prozent gesenkt. Das teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mit. So niedrig war der Zins in den Vereinigten Staaten zuletzt vor mehr als vier Jahren. Experten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. An der Wall Street sorgte der Beschluss nicht für ein Freudenfeuer: Der Dow Jones-Index fiel zunächst zurück. Die Fed hatte bereits Anfang Oktober gemeinsam mit anderen führenden Notenbanken die Zinsen außerplanmäßig um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Seitdem hat sich die Krise vor allem an den Aktien- und Devisenmärkten weiter zugespitzt.
Die Währungshüter um Ben Bernanke begründeten den Schritt mit der Aussicht auf eine merkliche Konjunkturabschwächung. So hätten sich Firmeninvestitionen, Industrieproduktion und der private Konsum deutlich abgeschwächt. Auch der Export werde wegen der sich abzeichnenden globalen Wirtschaftsabschwächung zurückgehen. Die Finanzkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden, so die Fed, die Konsumfreude der Amerikaner zusätzlich belasten.
Da trotz entsprechender Gegenmaßnahmen die Abwärtsrisiken für das Wachstum bestehen blieben, sei die Zinssenkung nötig, erklärte die Fed. Sie sei möglich, weil der Teuerungsdruck in den kommenden Quartalen nachlassen dürfte, hieß es in der schriftlichen Begründung der Notenbank. Volkswirte rechnen nach dem Beschluss der Federal Reserve nun mit weiteren Zinssenkungen in aller Welt. Den Anfang machten China und Norwegen: Die dortigen Zentralbanken kappten ihre Zinsen bereits am Mittwoch.
EZB dürfte in der kommenden Woche nachziehen
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach einhelliger Meinung der Experten in der kommenden Woche nachziehen. Sie gehen von einem Zinsschritt von 50 Basispunkten analog zu dem der Fed aus. Der Leitzins in der Euro-Zone würde in diesem Fall auf 3,25 Prozent fallen - das tiefste Niveau seit zwei Jahren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat eine Zinssenkung bereits mit ungewöhnlich deutlichen Worten signalisiert. Griechenlands Notenbankchef George Provopoulos legte am Mittwoch nach und sagte in einem Interview, die EZB habe ihre Munition noch keineswegs verschossen. Auch erneute gemeinsame Zinssenkungen mehrerer Notenbanken wollte er nicht ausschließen.
Die Bank von England dürfte in der kommenden Woche ebenfalls die Zinsen senken. Notenbanker David Blanchflower sprach sich am Mittwoch nötigenfalls für große Zinsschritte nach unten aus, um der Konjunktur unter die Arme zu greifen. Notenbank-Gouverneur Mervyn King hatte bereits klar gemacht, dass die Briten sich auf eine Rezession einstellen müssen. In Japan steht eine Entscheidung der Zentralbank über die Leitzinsen bereits am Freitag an. Auch die Währungshüter in Tokio erwägen dem Vernehmen nach eine Zinssenkung. Ihr Spielraum ist äußerst gering: Der Schlüsselzins beläuft sich in Japan bereits jetzt auf lediglich 0,5 Prozent.
Leitzinssenkung verpufft an der Wall Street
Ungeachtet der Leitzinssenkung haben die amerikanischen Börsen zur Wochenmitte uneinheitlich geschlossen. Der breite Markt beendete den Handel nach einer Berg- und Talfahrt im Minus, Technologiewerte knapp im Plus. Nach fast rekordverdächtigen Zuschlägen am Vortag legten die Indizes damit am Mittwoch trotz des Rückenwinds durch die amerikanische Notenbank eine Verschnaufpause ein.
Der Dow-Jones-Index fiel nach vorläufigen Schlussangaben um 0,82 Prozent auf 8990,96 Punkte. Der S&P-500-Index verlor 1,11 Prozent auf 930,08 Punkte. Der Nasdaq-Index gewann dagegen um 0,47 Prozent auf 1657,21 Punkte. Die Rentenmärkte zeigten sich weitgehend unverändert. Der Euro notierte nach der Zinssenkung deutlich stärker bei 1,2938 Dollar nach 1,2699 Dollar am Vortag. Den deutschen Index stellten erneut die Kursturbulenzen um die Volkswagen-Aktie auf den Kopf.
„Der Markt schleppt psychologischen Ballast mit sich“
Schon vor der Fed-Entscheidung hielten sich auf dem Parkett hartnäckig Sorgen über das Ausmaß einer möglichen weltweiten Rezession. „Die Börse spiegelt derzeit total die wirtschaftlichen Realitäten wieder, die uns umschließen“, sagte Jack Ablin von Harris Private Bank. „Der Markt schleppt gerade sehr viel psychologischen Ballast mit sich herum. Einige Leute sehen ein kleinen Strudel und wollen nur noch raus.“
Die Stimmung auf dem Parkett wurde zudem durch die steigenden Ölpreise getrübt. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI stieg zeitweise um mehr als acht Prozent auf knapp 68 Dollar. Zu den Verlierern gehörten vor allem Konsumwerte. Procter & Gamble-Aktien verloren 2,7 Prozent. Johnson&Johnson-Titel verloren nach einer Herabstufung von J.P. Morgan Securities sogar rund fünf Prozent. Zu den größten Gewinnern gehörten die Papiere des Autobauers General Motors. Die Gespräche mit der Kapitalgesellschaft Cerberus über eine Fusion mit der früheren Daimler-Tochter Chrysler sollen weit gediehen sein. GM-Aktien legten daraufhin um 7,5 Prozent zu. Ebenfalls gefragt waren die Titel des Flugzeugbauers Boeing, nachdem Regierungsdaten eine steigende Nachfrage nach Luftfrachtkapazitäten zeigten. Die Aktie verteuerte sich um 2,5 Prozent.
Konsumentenvertrauen in Amerika so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Derweil befürchten nach der Veröffentlichung schlechter Konjunkturdaten viele Ökonomen, dass die amerikanische Wirtschaft durch die Zuspitzung der Finanzkrise endgültig in eine Rezession geglitten ist. Insbesondere das miserable Verbrauchervertrauen hat sie in ihrer Einschätzung bestärkt, dass die Wirtschaft in großen Schwierigkeiten steckt. Wie die Analysegesellschaft Conference Board mitgeteilt hat, ist das Vertrauen der amerikanischen Konsumenten in die wirtschaftliche Lage so gering wie seit mindestens vier Jahrzehnten nicht mehr.
Zur trüben Stimmung der amerikanischen Verbraucher dürfte neben den sinkenden Aktienkursen auch beigetragen haben, dass die Häuserkrise unvermindert andauert. Am von der Ratingagentur Standard & Poor's berechneten Case-Shiller-Hauspreisindex lässt sich ablesen, dass die Hauspreise in 20 Großstadtregionen der Vereinigten Staaten im August um durchschnittlich 16,6 Prozent unter Vorjahresniveau lagen. Das ist der schärfste jemals verzeichnete Rückgang. Am Donnerstag wird das Wirtschaftsministerium in Washington eine erste Schätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal veröffentlichen. Bankvolkswirte rechnen mehrheitlich damit, dass die Wirtschaft zwischen April und Juni mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent geschrumpft ist.
John Wayne
Fritz Vandermöhlen (FritzV)
- 29.10.2008, 21:26 Uhr
Das ist doch viel zu wenig
georg hellner (georg58)
- 29.10.2008, 21:52 Uhr
Herr
Erich Poinstingl (poinstingl)
- 29.10.2008, 22:27 Uhr
Ich verstehe die Welt nicht mehr
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 29.10.2008, 23:29 Uhr
Dechavue
b c (Ex-banker)
- 30.10.2008, 00:39 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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