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Verzögerungen bei Großprojekten Et hätt noch immer jot jejange

Der Berliner Flughafen braucht ein paar Jahre länger als geplant. Aber das ist nichts Neues. Der Kölner Dom, Versailles, selbst ein simpler Leuchtturm - sie alle blieben weit hinter ihrem Zeitplan. Am Ende findet sich trotzdem irgendeine Verwendung. Und sei’s als Freizeitpark.

© dapd 2014 statt 2011: Die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg ist abermals verschoben

Langsam wundert sich niemand mehr. Mehrmals wurde die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens bereits verschoben. Aus dem ursprünglichen Termin 30. Oktober 2011 ist nun „irgendwann“ im Jahr 2014 geworden. Begonnen hatten die Bauarbeiten im September 2006.

Ursula Scheer Folgen:

Da kommt die Frage auf, ob der Flughafen Berlin-Brandenburg tatsächlich jemals in Betrieb genommen wird. Doch selbst Großprojekte wie der Kölner Dom haben nach jahrelangen Verzögerungen und Unterbrechungen ein gutes Ende genommen.

Kölner Dom

„Et hätt noch immer jot jejange“, sagen die Kölner und wissen, wovon sie reden. Immerhin haben sie 632 Jahre gebraucht, bis sie 1880 endlich ihren  Dom fertig gestellt hatten - Kosten: unbekannt. Dauerbaustelle ist das Wahrzeichen der Stadt trotzdem geblieben. Zum Glück, würde der Kölner sagen. Denn wie lautet die zweite Weisheit vom Rhein? „Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter.“

Chinesiche Reisegruppe in Europa - Touristen aus China touren per Bus in fünf Tagen durch fünf europäische Länder und besichtigen im Schnelldurchlauf Köln, Amsterdam, Brüssel, Paris mit Versailles und Luxemburg. © Dreisen, Linda Vergrößern Was lange währt - der Kölner Dom

Versailles

Groß, größer, Versailles, so ungefähr hatte Ludwig XIV. sich das gedacht mit seinem neuen Schloss vor den Toren von Paris. Doch auch beim Sonnenkönig lief nicht alles rund. Obwohl das Projekt Unsummen verschlang, lebte Ludwig bis zu seinem Tod auf einer Baustelle. Schuld waren das sumpfige Gelände und die vielen Kriege, die er führte. Erst Jahrzehnte später wurde alles fertig.

A general view of the newly renovated Hall of Mirrors is seen at the Versailles Palace near Paris © Reuters Vergrößern Der Spiegelsaal von Versailles

Kolosseum

Das Kolosseum zeigt: Die Römer hatten’s einfach drauf. Großprojekte in Rekordzeit durchziehen und damit auch noch die Massen begeistern - kein Problem für sie. Nur acht Jahre brauchten sie, um das berühmteste Amphitheater der Welt zu errichten. Die Finanzierung war auch ganz einfach: Krieg geführt, Beute gemacht, alles bezahlt. Dass die Arena sogar geflutet werden konnte, um Seeschlachten nachzuspielen, war nur eine ihrer Vorzüge. So schick, dass es 2000 Jahre Architekturgeschichte beeinflussen sollte, war die im Jahr 80 eröffnete Arena sowieso.

«Neue Sieben Weltwunder» gekürt - Kolosseum in Rom © dpa Vergrößern Fertig in Rekordzeit - das Kolosseum

Leuchtturm Alte Weser

In Deutschland konnte nicht einmal die Planung für einen Leuchtturm eingehalten werden. Mehr als drei Jahre dauerte der Bau des Leuchtturms Alte Weser in der Deutsche Bucht an der Wesermündung. Schon der erste Bauabschnitt verzögerte sich um ein ganzes Jahr. Doch schließlich übernahm Alte Weser am 1. September 1964 die Funktionen des Leuchtturms Roter Sand.

Leuchttürme "Alte Weser" und "Roter Sand" © dpa Vergrößern Der Leuchtturm Alte Weser und im Hintergrund Roter Sand

Schürmannbau

Das hätte man beim Schürmannbau schon gar nicht mehr für möglich gehalten. 1989 begannen die Arbeiten für das neue Gebäude der Abgeordneten des Deutschen Bundestages in Bonn. 640 Millionen Euro sollte das Projekt kosten. Dann kam die Wiedervereinigung, die Entscheidung für den Umzug nach Berlin und 1993 noch das Rhein-Hochwasser. Fertiggestellt wurde das Gebäude 2002, die Kosten lagen bei mehr als 700 Millionen Euro. Heute residiert dort die Deutsche Welle.

Kopie von Bundesstadt Bonn - Die ehemaligen Vertretungen der Bundesländer im früheren Regierungsviertel der alten Hauptstadt Bonn werden bei einem Rundgang besichtigt. © Schoepal, Edgar Vergrößern Der Schürmann-Bau beherbergt jetzt die Deutsche Welle.

Kernkraftwerk Kalkar

Wenn alle Stricke reißen, wird aus dem Projekt stattdessen ein Freizeitpark. Das 1973 begonnene und nach langen Verzögerungen 1986 fertiggestellte Kernkraftwerk Kalkar wurde nie in Betrieb genommen. Am 21. März 1991 verkündet Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber das endgültige Aus. 1995 wurde das Kraftwerk an einen niederländischen Unternehmer verkauft, der das Gelände in einen Freizeitpark umbaute. Heute veranstaltet das „Wunderland Kalkar auch Tagungen und Fachmessen und ist einer der größten Arbeitgeber in der Region am unteren Niederrhein.

Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerkes "Schneller Brüter" © dpa Vergrößern Der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerkes „Schneller Brüter“

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Quelle: FAZ.NET

 
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