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Versorgungssicherheit Die Erdgasspeicher sind gut gefüllt

03.02.2012 ·  Deutschland muss keine Versorgungsengpässe befürchten. Zwar hat Russland Lieferschwierigkeiten und streitet mit der Ukraine über Gasleitungen in die EU. Doch die Energiekonzerne geben Entwarnung: Die Versorgung sei sichergestellt.

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© AP Erdgasspeicher in Kiel

Die Speicher für Erdgas sind gut gefüllt. Das berichten mehrere Sprecher der deutschen Erdgaswirtschaft am Freitag. Während Russland offenbar Schwierigkeiten hat, seinen Lieferverpflichtungen nachzukommen und sich mit der Ukraine abermals über Gasdurchleitung in die Länder der Europäischen Union (EU) streitet, verwies die deutsche Eon Ruhrgas darauf, dass die Speicher des Unternehmens noch zu 74 Prozent gefüllt seien. Das sei für Anfang Februar ein nach wie vor ausreichend hoher Vorrat.

Während klirrend kalte Winde aus Sibirien den Erdgasverbrauch in Russland und in Europa derzeit in die Höhe treiben, erhitzt sich nun die Diskussion, ob der russische, staatlich kontrollierte Erdgaskonzern Gasprom seinen Lieferverpflichtungen auch wirklich nachkommen kann. Seit der Wochenmitte hat der Gaszufluss am deutsch-tschechischen Grenzübergang Waidhaus deutlich abgenommen. Dort kommen die von Gasprom durch die Ukraine geschickten Exporte in Deutschland an. Zum Ausklang dieser Woche ist in Waidhaus nach Angaben der Eon Ruhrgas rund ein Drittel weniger Gas am Grenzübergang angekommen. Deutschlands größter Erdgashändler bezieht über diese Leitung den überwiegenden Teil seiner Gasprom-Abnahmen.

RWE: Versorgung ist sichergestellt

Die im RWE-Konzern für Energiehandel zuständige Gesellschaft bestätigte ebenfalls eine am Freitag um rund 30 Prozent reduzierte Lieferung russischen Erdgases. Eine Sprecherin versicherte, die Versorgung der RWE-Kunden sei sichergestellt. Ebenso räumte Wingas, eine Tochter von Gasprom und Wintershall, eine Lieferreduktion ein. Nach Angaben der Open Grid Europe, die das größte Ferngasnetz in Deutschland betreibt, hat sich die Liefermenge in Waidhaus vor zwei Tagen verringert.

Es sei denkbar, dass bei dem in der strengen Kälte gegenwärtig hohen Verbrauch auf sogenannte unterbrechbare Verträge mit Großkunden zurückgegriffen und deren Belieferung eingeschränkt wird. Wegen der Kältewelle im eigenen Land liefert Russland nach Angaben der EU weniger Gas in die Europäische Union. Betroffen seien bislang acht Länder, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel. Dazu zählten Italien, Griechenland, Österreich, Polen, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien.

Gasprom versucht, Bedenken zu zerstreuen

Der österreichische Erdöl- und Erdgaskonzern OMV bestätigte, die russischen Lieferungen seien um 30 Prozent geringer als gewöhnlich. Der italienische Betreiber des überregionalen Gasnetzes und der Gaspipelines für den Import, Snam Rete Gas, meldete um 20 Prozent gekürzte Lieferungen aus Russland. Am Freitag meldeten polnische Unternehmen, die Mengen entsprächen wieder dem angeforderten Volumen.

Gasprom deckt rund ein Viertel des Gasbedarfs der EU-Länder, rund 80 Prozent der Lieferungen laufen über das Territorium der Ukraine. Der Erdgasriese versucht, die Bedenken zu zerstreuen: Ein Vertreter der Tochtergesellschaft Gasprom Export sagte, der Konzern versuche dem Bedarf aller Abnehmer nachzukommen. Die Entnahmen aus den Gasspeichern hätten sich um das Vierfache erhöht, die Pipelines seien maximal gefüllt.

Zudem beschuldigt Russland die Ukraine, mehr Erdgas als vertraglich vereinbart zu verbrauchen. Gar eine Neuauflage eines „Erdgasstreits“ zwischen diesen Ländern wird befürchtet. Gasprom-Vizechef Alexander Medwedew sagte, die Ukraine entnehme mehr Gas als vertraglich vereinbart.

Der ukrainische Energie- und Kohleminister Jurij Bojko konterte, dass Russland die Gaslieferungen reduziert habe. Die über die Ukraine nach Europa täglich gelieferte Gasmenge betrage derzeit 415 Millionen Kubikmeter Erdgas, maximal könnten 490 Millionen Kubikmeter transportiert werden. Medwedew hingegen sprach von einer maximalen Füllung. Sowohl Russland als auch die Ukraine leiden derzeit unter extremen Minusgraden.

Quelle: F.A.Z./Werner Sturbeck, Gerald Hosp, Michaela Seiser, Tobias Piller
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