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Versorger RWE verkauft Thames Water für 11,9 Milliarden Euro

17.10.2006 ·  Der Verkauf seiner britischen Wassersparte befreit RWE von seinen Verbindlichkeiten und läßt Raum für neue Akquisitionen. Gleichzeitig rückt es die Essener in den Blickwinkel anderer Energiekonzerne.

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Der Essener Energiekonzern RWE hat seine britische Wassersparte Thames Water für umgerechnet 11,9 Milliarden Euro verkauft. Käufer ist das Konsortium Kemble Water Limited unter Führung der australischen Bank Macquarie, wie es in einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens am Montag hieß.

Der Vorstand der RWE AG habe dieser Transaktion am Montag zugestimmt. Die Transaktion bedürfe allerdings noch der Zustimmung des Aufsichtsrats der RWE AG sowie der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden.

Vier Interessenten

Auf Basis des Kaufpreises von 7,1 Milliarden Euro und der Übernahme von pro forma Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 4,8 Milliarden Euro betrage der Transaktionswert insgesamt 11,9 Milliarden Euro, teilte RWE mit. Das Unternehmen erwartet aus dieser Transaktion nach eigenen Angaben einen Buchgewinn in Höhe eines mindestens mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrags.

Zuletzt lagen RWE vier Gebote für Thames Water vor. Beste Chancen auf einen Zuschlag wurden zuvor noch der staatlichen Qatar Investment Authority eingeräumt, die gemeinsam mit der Schweizer Großbank UBS umgerechnet ebenfalls 11,9 Milliarden Euro für Thames Water geboten hat. Als wichtiger Pluspunkt für den Wüstenstaat im Nahen Osten galten dessen riesige Erdgasvorkommen.

Aber Finanzkreise in London hatten am Montag auch schon Kemble Water auf der Rechnung. Die übrigen Gebote, die zwischen sieben Milliarden und 7,5 Milliarden Pfund liegen sollen, kamen von der vom Londoner Ex-Banker Guy Hands geführten Terra Firma und dem Energiekonzern Alinta. Die ebenfalls aus Australien stammende, hierzulande kaum bekannte Alinta investiert in Infrastruktur-Projekte und hat die Finanzwelt in jüngerer Zeit wiederholt durch unkonventionelle Auftritte überrascht.

Verkauf lukrativer als Börsengang

Bei dem von RWE im November 2005 beschlossenen Rückzug aus dem Wassergeschäft außerhalb Kontinentaleuropas war lange Zeit unklar, ob Thames Water verkauft oder an die Börse gebracht werden soll. Nach den vorliegenden lukrativen Angeboten war der Börsengang dann aber vom Tisch. RWE-Chef Harry Roels soll im September bei einem Besuch in Qatar die Möglichkeiten für Erdgaslieferungen aus dem Golfstaat ausgelotet haben. Dabei sei ihm dargelegt worden, daß sich die staatliche Qatar Investment Authority in Deutschland bei mehreren Projekten engagieren wolle. Kapital scheint dafür reichlich vorhanden. Dank seiner schier unermeßlichen Gasvorräte will Qatar binnen fünf Jahren zum drittgrößten Energielieferanten der Welt aufsteigen.

RWE hatte im Jahr 2000 Thames Water einschließlich deren Nettofinanzverbindlichkeiten von 4,1 Milliarden Euro für 7,1 Milliarden Euro gekauft. Der Transaktionswert lag mithin bei 11,2 Milliarden Euro.

Verkauf befreit RWE von Verbindlichkeiten

Nach dem Wechsel des Vorstandsvorsitzes auf Roels ist der Aktionsradius des bei der Übernahme drittgrößten Wasserunternehmens der Welt erheblich beschnitten worden. Die Beteiligungen und Wasserversorgungskonzessionen in Asien, Australien und Südamerika sind alle verkauft worden. Die Transaktionspreise blieben weitgehend unbekannt. Andererseits sind seit der Übernahme auch eine Reihe von Wassergesellschaften erworben worden. Eine Bewertung von außen wird zudem dadurch erschwert, daß zwischen RWE und Thames Water Verbindlichkeiten verlagert wurden.

Mit dem Verkauf von Thames Water wird der RWE-Konzern seine Netto-Verbindlichkeiten, die Ende Juli etwa über zehn Milliarden Euro lagen, komplett abtragen. Der für das Jahr 2007 vorgesehene Abgang von American Water, die 2003 für 4,5 Milliarden Euro übernommen worden war, wird erstmals seit der 2000 begonnenen Einkaufstour eine deutlich positive Finanzposition schaffen.

Mit dieser verbesserten Finanzstruktur dürfte RWE auch stärker in den Blickwinkel von großen Energiekonzernen rücken, die nach Übernahmekandidaten Ausschau halten. Allerdings wäre das Unternehmen ein "schwerer Brocken". Die zu Wochenbeginn festere RWE-Aktie markierte mit einem vorübergehenden Anstieg auf 78,69 Euro einen neuen historischen Höchststand. Also auch ohne Übernahmeprämie kommt RWE bereits jetzt auf eine Marktkapitalisierung von 43,5 Milliarden Euro.

Größter britischer Versorger muß dringend modernisieren

Thames Water steht seit Monaten wegen seiner technisch sanierungsreifen Infrastruktur in den Schlagzeilen der britischen Medien. Allein im vergangenen Jahr gingen bei dem größtem Wasserversorger in Großbritannien durch Schäden oder Lecks durchschnittlich 894 Millionen Liter Wasser verloren. Um solche Verluste einzudämmen, wurde Thames Water kürzlich von den britischen Behörden verpflichtet, in den kommenden 5 Jahren zusätzlich 150 Millionen Pfund in die Modernisierung der teils mehr als 100 Jahre alten Leitungsnetze zu investieren.

Für die Verlierer der Auktion bieten sich aber weitere Kaufobjekte in der britischen Wasserwirtschaft. Vor dem Abschluß steht der Eigentümerwechsel bei der Anglian Water Group. Dort steigt voraussichtlich eine von der Beteiligungsgesellschaft 3i angeführte Investorengruppe für rund 3,3 Milliarden Euro ein. Als weitere Kandidaten stehen zudem die regionalen Versorger Severn Trent oder South West Water bereit.

Quelle: F.A.Z., 17.10.2006, Nr. 241 / Seite 19, ufe./St.
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