11.08.2010 · Eon hat der Bundesregierung einen unklaren Kurs vorgeworfen und vor zu hohen Belastungen der Branche durch Atomabgaben gewarnt. Deutschlands größter Versorger fordert eine schnelle Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten.
Deutschlands größter Versorger Eon hat der Bundesregierung Unklarheit in der Energiepolitik vorgeworfen und vor zu hohen Belastungen der Branche durch Atomabgaben gewarnt. Dies gefährde die Wirtschaftlichkeit von Atomkraftwerken. Auch zehn Monate nach Abschluss des CDU/FDP-Koalitionsvertrags „besteht immer noch keine Klarheit über den künftigen energiepolitischen Kurs“, schrieb Eon-Chef Johannes Teyssen in dem am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht des Konzerns zum ersten Halbjahr 2010. „Hierzu gehört nicht nur, aber eben auch eine Entscheidung über die Zukunft der Kernenergie in Deutschland“, heißt es in dem Brief an die Aktionäre.
Eon sei zu einem „Vorteilsausgleich“ für längere Laufzeiten durchaus bereit, wenn er in einem angemessenen Verhältnis zu den zusätzlichen Erlösen stehe. „Wir warnen aber davor, zusätzliche Belastungen in einer Größenordnung zu schaffen, die den Betrieb von Kernkraftwerken wirtschaftlich unmöglich macht und sogar dazu führen könnte, dass dringend notwendige Investitionsmittel für den ökologischen Umbau der Energieversorgung nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich habe der Politik unmissverständlich gesagt, dass wir diesen Weg für falsch halten, ökonomisch wie ökologisch“, schrieb er. Es werde erwartet, dass die Bundesregierung Anfang September über die Steuer und die
Laufzeitverlängerungen entscheidet. Teyssen selbst will dann am 28. September seine Strategie und die Ziele für den Konzern präsentieren.
Eon profitiert vom langen Winter
Der Bund plant ab 2011 eine Brennelementesteuer von jährlich insgesamt 2,3 Milliarden Euro für die Branche. Eon schätzt die Belastungen für die Branche dagegen auf über 3 Milliarden Euro und den eigenen Anteil dabei auf 1,3 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro, die das operative Ergebnis schmälern würden. Daneben schwelt auch eine Debatte über die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke.
Eon profitierte indes vom Konjunkturaufschwung: Im ersten Halbjahr 2010 stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 44,3 Milliarden Euro, teilte die Eon AG am Mittwoch in Düsseldorf mit. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (EBIT) nahm um elf Prozent auf knapp 6,1 Milliarden Euro zu. Neben der Wirtschaftserholung spielte auch der lange Winter eine Rolle. Beide Effekte ließen den Strom- und Gasabsatz in den ersten sechs Monaten um jeweils mehr als ein Drittel steigen. Unter dem Strich ging der Konzernüberschuss jedoch aufgrund höherer Zins- und Steuerbelastungen um neun Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurück.
Der Vorstand hielt trotz der deutlichen operativen Verbesserung in der ersten Jahreshälfte an seiner zurückhaltenden Jahresprognose für 2010 fest. Demnach wird beim bereinigten operativen Gewinn ein Wachstum von maximal um drei Prozent erwartet. Beim Konzernüberschuss geht der Vorstand davon aus, dass 2010 das Vorjahresniveau erreicht wird. In den ersten sechs Monaten war der bereinigte Überschuss, der für die Dividendenberechnung wichtig ist, leicht um ein Prozent auf 3,3 Milliarden Euro gesunken.
Teyssen kommt unterdessen beim geplanten Konzernumbau voran. Im Vorstand schafft er einen neues Ressort, von dem aus ab sofort die einzelnen Landesgesellschaften gesteuert werden. Den Posten übernimmt der bisherige Chef der Tochter Ruhrgas, Bernhard Reutersberg. Er ist damit für das gesamte Verteilungs- und Vertriebsgeschäft mit mehr als 30 Millionen Kunden verantwortlich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.428,90 | −1,21% |
| EUR/USD | 1,2393 | −0,77% |
| Rohöl Brent Crude | 103,26 $ | −3,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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