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Versicherer Lebensversicherten drohen weitere Einbußen

02.02.2004 ·  Die Überschußbeteiligung der Kunden deutscher Lebensversicherer könnte weiter sinken. Befürworter erhoffen langfristige Vorteile für die Kunden.

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Die Überschußbeteiligung der Kunden deutscher Lebensversicherer könnte weiter sinken. Bislang müssen ihnen staatlich vorgeschrieben mindestens 90 Prozent der ohnehin in letzter Zeit stark zurückgegangenen Nettokapitalerträge gutgeschrieben werden. Dem Vernehmen nach streben einige Versicherungsunternehmen danach, daß dieser Prozentsatz gesenkt wird. Über konkrete Sätze zu spekulieren, sei jedoch verfrüht, heißt es dazu aus der Branche. Die Überlegungen stünden erst am Anfang, und Entscheidungen seien noch nicht gefallen. Ob es also bereits Ende 2004 bei der Festlegung der Überschüsse für 2005 zu zusätzlichen Einbußen für die Versicherten kommen werde, sei nicht sicher.

Die Höhe der Beteiligung der Versicherten an den Nettokapitalerträgen ist in einer Verordnung über die Mindestbeitragsrückerstattung in der Lebensversicherung (ZR-Quotenverordnung) festgelegt, die das Bundesfinanzministerium erläßt. Die Befürworter einer niedrigeren Quote argumentieren, Ziel einer möglichen Beschneidung der Kundenbeteiligung an den Kapitalerträgen sei es, langfristig die dauerhafte Erfüllbarkeit der Garantien gegenüber den Versicherten zu gewährleisten. Langfristig werde das den Kunden Vorteile bieten.

Kapitalkraft der Versicherer hat gelitten

Dahinter steht die Erwartung, daß auch eine herabgesetzte Quote im Wettbewerb überschritten wird, sobald sich die Lage auf den Kapitalmärkten bessert. Gegner verweisen hingegen darauf, daß die Lebensversicherer als Branche bislang die Mindestquote deutlich überschritten hätten. Zunächst müsse also ein sichtbares Abschmelzen in Richtung auf die aktuelle Mindestquote einsetzen, ehe eine amtliche Senkung der Quote erwartet werden könne.

Die Kapitalkraft der Lebensversicherer hat in den vergangenen Jahren durch Kursverluste bei der Geldanlage in Aktien sowie durch die seit Jahren währenden Zinsrückgänge am Kapitalmarkt stark gelitten. Das ist auch im Bericht des Internationalen Währungsfonds über die Stabilität des deutschen Finanzsystems deutlich ausgesprochen worden. In diesem vor zwei Monaten veröffentlichtem Bericht findet sich auch die Anregung, die Beteiligungsquote zu senken. Diese Bemerkung ist von den deutschen Lebensversicherern, die von Ertragssorgen geplagt werden, gerne aufgegriffen worden. Dadurch wurde die Diskussion über die Höhe der Überschußbeteiligung in Gang gesetzt.

Die Lebensversicherer haben in der Vergangenheit Leistungen garantiert, die sie nur erbringen können, wenn sie je nach Datum des Vertragsabschlusses jährlich drei bis vier Prozent Kapitalertrag gutschreiben können. Im Durchschnitt braucht die Branche rund 3,5 Prozent Kapitalertrag. Dieser Bedarf liegt derzeit ungewohnt nahe an den tatsächlich erzielbaren Erträgen auf dem Kapitalmarkt. Das war bereits ausschlaggebend dafür, den Höchstrechnungszins (Garantiezins), mit dem garantierte Leistungen kalkuliert werden dürfen, seit Jahresbeginn 2004 auf 2,75 (zuvor 3,25) Prozent festzusetzen.

Quelle: Erl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2004, Nr. 28 / Seite 11
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