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Verkehr Bahn will den Flughafen Tempelhof betreiben

19.12.2006 ·  Die Deutsche Bahn AG will den von Schließung bedrohten Stadtflughafen Berlin-Tempelhof übernehmen. Das Flughafengebäude könnte demnächst ein Gesundheitszentrum beherbergen.

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Die Deutsche Bahn AG will Flughafenbetreiber werden. Im kommenden Herbst will sie den von Schließung bedrohten Stadtflughafen Berlin-Tempelhof übernehmen. Dabei will sie mit dem deutsch-amerikanischen Investor Fred Langhammer zusammenarbeiten, der im Flughafengebäude ein Gesundheitszentrum einrichten und dazu den Geschäftsflugbetrieb aufrechterhalten möchte.

Langhammer hatte sein Konzept für die Flughafennutzung vor rund einem Monat in Berlin vorgestellt. Ein Antrag der Bahn zum Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof ist nun am Dienstag bei der Berliner Luftfahrtbehörde eingegangen. „Er wird jetzt intensiv geprüft“, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Senat hält an Schließungsplänen fest

Nach den bisherigen Vorstellungen des Berliner Senats soll der innerstädtische Flughafen zum 31. Oktober 2007 geschlossen werden. So hatte es die Luftfahrtbehörde auf Antrag der Flughafengesellschaft im August verfügt. Die Senatssprecherin sagte am Dienstag, der Senat halte an der Schließung des Flughafens Tempelhof fest. Sie sei notwendig, um die Rechtsgrundlage für den Ausbau des Flughafens Schönefeld zum neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) nicht zu gefährden.

Die Bahn will den Flugbetrieb in Tempelhof zunächst befristet übernehmen und bis sechs Monate nach Inbetriebnahme des BBI fortsetzen, die nach jetziger Planung für Ende 2011 vorgesehen ist. Gegen die Schließung von Tempelhof klagen mehrere Luftfahrtgesellschaften. Über die Klagen verhandelte am Dienstag auch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg; ein Urteil stand bis zum Abend noch aus.

Gesundheitszentrum geplant

Die Bahn sieht in einem Engagement in Tempelhof keinen Widerspruch zu den Plänen für das Flughafen-Projekt in Schönefeld. Ein Bahnsprecher sagte am Dienstag, die Bahn selbst sei in Schönefeld „mit im Boot“, schließlich sei man für die Schienenanbindung zuständig, die für 636 Millionen Euro entstehe. Daher sei die Bahn an der möglichst hohen Auslastung des Flughafens Schönefeld selbst interessiert. Die Bahn sei aber auch der Auffassung „Berlin braucht einen zentralen Business-Flugplatz.“ Außerdem wolle man als einziger in Berlin verbliebener Großkonzern ein Zeichen setzen. „Wir wollen hier an unserem Standort nicht nur den Fußballverein Hertha BSC sponsern.“

Der Unternehmer Langhammer, früherer Manager des Kosmetikkonzerns Estée Lauder, plant im historischen Flughafengebäude ein Gesundheitszentrum mit Hotel, Schulungszentrum und Gewerbe. Die Investition soll rund 350 Millionen Euro kosten. Für den Gesundheitsbereich will er mit dem Universitätsklinikum Charité sowie mit Siemens zusammenarbeiten. Als Logistikpartner soll nun die Bahn, die nach der Deutschen Post AG der zweitgrößte Logistikkonzern der Welt ist, tätig werden.

Teil einer neuen Strategie

Das Projekt ist dabei Teil einer neuen Strategie der Bahn. Wolf-Dieter Siebert, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service, sagte: „Ein Flughafen paßt zu uns: Wir sind Europas größter Anbieter von Verkehrsdienstleistungen, der schon jetzt den Großteil seiner Umsätze außerhalb des Schienenverkehrs erzielt. Wir wollen uns als internationaler Mobilitätsdienstleister weiterentwickeln. Dazu gehört, daß wir weitere Leistungen anbieten, um mehr Kundennutzen zu schaffen.“ Ein Bahnsprecher fügte hinzu, mit anderen Flughafenbetreibern könne sich der Konzern, der 5600 Bahnhöfe mit 4,9 Millionen Besuchern täglich betreibe, „auf Augenhöhe messen“. Das gelte auch für die Sicherheitsanforderungen.

Dem Vernehmen nach will die Bahn als Betreiber das Rollfeld und alle weiteren für den Flugbetrieb sowie die Abfertigung von Passagieren notwendigen Anlagen vom Bund pachten. Zunächst sollen in Tempelhof wie bisher außer Geschäftsflugzeugen und anderen Privatmaschinen auch Linienflugzeuge starten und landen. Strategisches Ziel sei es aber, das Engagement auf den Geschäftsflugverkehr einzugrenzen. Daß die derzeitige Flughafengesellschaft in Tempelhof Verluste einfährt, schreckt die Bahn offenbar nicht. Es sei nach dem ersten Blick auf die Zahlen Potential für Rationalisierung und zusätzliche Einnahmen zu erkennen, sagte der Bahnsprecher. Genaueres lasse sich noch nicht sagen. Die Bahn müsse nun selbst erst einmal in die detaillierte Prüfung einsteigen. Die Nähe des Schließungstermins habe aber Eile bei der Beteiligung an dem Langhammer-Konzept verlangt.

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Von Werner Mussler, Brüssel

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