06.08.2011 · Die Vereinigten Staaten haben erstmals ihre Spitzenbonitätsnote bei einer führenden Ratingagentur verloren. Standard & Poor's setzte die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft um eine Stufe auf AA+ herab.
Drei Tage nach der Einigung im Schuldenstreit hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonität der Vereinigten Staaten von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“ herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ. Falls die Vereinigten Staaten ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, „könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf „AA“ herabstufen“, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag.
Als Konsequenz schließen Experten weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht aus. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den Vereinigten Staaten sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch Zinserhöhungen als Folge der Herabstufung. Mit der gesenkten Bonitätsnote dürften Kredite für die Regierung, aber auch für Unternehmen und Verbraucher in den Vereinigten Staaten teurer werden. Experten rechnen damit, dass sich die staatlichen Kreditkosten mit der Zeit um 100 Milliarden Dollar verteuern könnten. Die amerikanische Notenbank erklärte, Auswirkungen auf die Konjunkturstützen der Federal Reserve wie das Notkreditprogramm und das Programm zum Aufkauf von Anleihen gebe es nicht.
Die Ratingagentur begründete ihren Schritt so: Die nach wochenlangem Ringen vom Kongress am Dienstag beschlossenen Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Auch die „Berechenbarkeit des amerikanischen Politikprozesses“ (policymaking) müsse in Frage gestellt werden, heißt mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition.
Washington zweifelt an Glaubwürdigkeit von S&P
Die amerikanische Regierung kritisierte die S&P-Entscheidung. Ihr liege ein Rechenfehler zugrunde, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Eine Beurteilung, die mit einem Fehler von zwei Billionen Dollar behaftet sei, spreche für sich. In Regierungskreisen hieß es, die Agentur habe die Zahl zwar aus ihrer Analyse gestrichen, der Fehler lasse aber an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln. S&P hatte Mitte Juli angekündigt, die amerikanische Bonitätsnote zu überprüfen und eine Herabstufung vom Ausgang des Schuldenstreits abhängig gemacht. Die Agentur mahnte damals einen Defizit von vier Billionen Dollar an. Der nach wochenlangem Ringen im Kongress am Dienstag besiegelte Kompromiss sieht dagegen nur Einsparungen von etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor.
Bereits unmittelbar nach der Einigung am Dienstag hatte sich bereits die Ratingagentur Moody's skeptisch über die langfristigen Aussichten geäußert. Zwar gab sie der amerikanische Kreditwürdigkeit weiter die Bestnote „AAA“ - wertete den weiteren Ausblick aber als negativ. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in Washington im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.
Auch die amerikanische Ratingagentur Fitch hielt zunächst an der Topbonität „AAA“ fest, machte aber ebenfalls klar, dass sie die Schuldenentwicklung in den Vereinigten Staaten weiter scharf im Auge behalten werde.
Frankreich vertraut, Deutschland schweigt
Frankreich hat Kreisen zufolge volles Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten sei solide, verlautete am Samstag aus dem Umfeld des französischen Finanzministers Francois Baroin. Es war die erste
Reaktion eines europäischen Staates nach dem Verlust der Spitzenbonität der Vereinigten Staaten. Es gebe keine Zweifel an der Entschlossenheit der amerikanischen Regierung, den im Kongress erzielten Schuldenkompromiss umzusetzen, hieß es in den Kreisen weiter. Die größte Herausforderung für Amerika sei es, ein Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau und Wirtschaftswachstum herzustellen. Den Kreisen zufolge ist noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, ob ein außerordentliches G7- oder G20-Treffen einberufen wird. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte ein solches Zusammenkommen zuletzt auf den Plan gebracht.
Die Bundesregierung will sich dagegen nicht zu der amerikanischen Schuldenkrise äußern. „Einfach mal die Klappe halten“, wäre ein gutes Motto der Stunde, hieß es am Samstag aus deutschen Regierungskreisen lediglich.
Mit der Herabstufung werden amerikanische Staatsanleihen, die einst als die weltweit unbestritten sicherste Geldanlage galten, nun niedriger bewertet als Anleihen von Ländern wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Kanada.
Ratingagenturen: Die unheimliche Macht im Hintergrund
Standard & Poor's, Fitch und Moody's - vor wenigen Jahren waren die Namen der führenden Ratingagenturen nur eingefleischten Finanzexperten ein Begriff. Seit der Zuspitzung der Schuldenkrise sind die Namen fast täglich in den Schlagzeilen und werden als umheimliche Macht im Hintergrund wahrgenommen, vor deren Urteil ganze Staaten zittern müssen. Die Top-Ratingagenturen haben tatsächlich großen Einfluss. Geht der Daumen nach unten, kann das ein Beben an den internationalen Finanzmärkten auslösen.
Ratingagenturen bewerten im Auftrag von Staaten und Unternehmen das Risiko von Finanzprodukten. Anhand eines ausgeklügelten Codesystems wird die Kreditwürdigkeit von „AAA“ bis „DDD“ eingestuft. Für diese Urteile bezahlen die Unternehmen und Staaten selbst, wodurch die Agenturen in Interessenkonflikte geraten können, wie Kritiker monieren.
Ratingagenturen ist oft vorgeworfen worden, mit zweierlei Maß zu messen. So hätten die USA mit ihrer Rekordverschuldung bisher noch erstklassige Noten, während die Kreditwürdigkeit der Euro-Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland trotz der Rettungsmaßnahmen weiter drastisch herabgestuft wurde.
Experten fordern, dass die bestehende Marktmacht der Ratingagenturen durch die Zulassung von weiteren Konkurrenzunternehmen abgebaut werden sollte. Während die Europäer es bislang bei der Drohung einer eigenen großen Ratingagentur belassen haben, sind die Chinesen einen Schritt weiter. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt arbeitet seit 1994 die Agentur Dagong. (dpa)
Dagong hat seine Bewertung der USA schon längst nach unten angepasst!
Franz Muller (fmuller)
- 07.08.2011, 13:02 Uhr
@Paul Beil (Wetterstein) Ratingagenturen
Carlos Anton (carlosanton)
- 07.08.2011, 11:58 Uhr
Erschreckend...
Paul Beil (Wetterstein)
- 06.08.2011, 23:12 Uhr
Daher drängt Obama jetzt um so mehr auf deutsche Rettungsgelder
Gerhard Rohlfs (gerhardrohlfs)
- 06.08.2011, 23:02 Uhr
Die VS-Amerikaner ersticken wieder einmal an ihrer eigenen Dummheit…
Volker Spielmann (Schildwache)
- 06.08.2011, 20:38 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2367 | −0,97% |
| Rohöl Brent Crude | 103,09 $ | −3,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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