07.08.2008 · Peinliche Posse: Wie nun bekannt wurde, wollten einige Parlamentarier ein Verbot von Überraschungseiern durchsetzen - wegen Verschluckungsgefahr der Kleinteile. Inzwischen rudert man in Berlin aber wieder zurück. Denn die politische Sprengkraft im Überraschungsei war überraschend groß.
Von Konrad MrusekEs steckt ganz schön viel politische Sprengkraft in einem Ei aus 20 Gramm Schokolade. Das musste nun auch Miriam Gruß erfahren. Die 32 Jahren alte FDP-Politikerin hatte als Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages empfohlen, dass Nahrungsmittel und Spielzeug nicht mehr kombiniert werden sollten, weil Kinder daran ersticken könnten. Das Wort „Überraschungsei“ erwähnte die Kommission zwar nicht namentlich, doch für die Medien war sofort klar: Die Parlamentarier wollen das Überraschungsei verbieten, den Kindern die Freude vermiesen, in der Schokolade einen Schlumpf, die Happy Hippos oder andere farbige Plastikfiguren zu entdecken.
Zu gefährlich, sagte anfangs auch Frau Gruß, selbst Mutter eines Sohnes, denn Kleinkinder könnten nicht so gut unterscheiden zwischen essbaren und nicht essbaren Teilen. Doch am Donnerstag, nachdem das Überraschungsei eine überraschende politische Wirkung bewiesen hat, änderte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion ihre Meinung: „Die FDP fordert kein Verbot von Überraschungseiern“, versicherte Frau Gruß in Berlin. Sie kann das nun umso leichter sagen, weil sie seit Anfang August nicht mehr Vorsitzende der Kinderkommission ist.
„Man erweist dem Verbraucherschutz einen Bärendienst“
Der Süßwaren-Hersteller Ferrero, der seit 1974 Millionen von Überraschungseiern ohne politische Nebengeräusche produzierte, zeigte sich „sehr überrascht“ vom ursprünglich geplanten Verbot. „Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass durch die Kombination von Spielzeug und Lebensmittel eine höhere Gefahr ausgeht, als wenn das Lebensmittel vom Spielzeug getrennt ist.“ Außerdem entspreche der Warnhinweis, das es für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet sei, nationalen und europäischen Gesetzen. Die Verbraucherschützer, die sonst die Industrie gerne kritisieren, reagierten ähnlich. „Ich halte ein Verbot für übertrieben“, sagte Monika Büning vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Spielzeug und Nahrungsmittel unterschieden sich deutlich in Form, Farbe und Konsistenz, daher ist eine Verwechslung unwahrscheinlich.“ Das Einzige, was Büning bemängelt, ist der Warnhinweis. „Der könnte etwas deutlicher sein.“
„Man erweist dem Verbraucherschutz einen Bärendienst, wenn man immer weitere Verbote aufstellt“, sagte die Verbraucherpolitikerin der Unionsfraktion, Julia Klöckner. Unternehmen müssten die Unbedenklichkeit und Sicherheit ihrer Produkte gewährleisten. Da gebe es einiges zu optimieren, vor allem bei Angeboten für Kinder. Doch ständige Verbote entzögen dem Verbraucher immer mehr Verantwortung und machten berechtigte Anliegen des Verbraucherschutzes lächerlich.
Die aus fünf Frauen bestehende Kinderkommission kann nichts verbieten, sondern lediglich Empfehlungen aussprechen und hoffen, dass entweder die EU, eine Partei oder ein Ministerium diese aufgreifen. Jeder vierte der 1,6 Millionen Kinder-Unfälle im Jahr, schreibt die Kommission, ereigne sich im Hause oder in der Freizeit. Diese Gefahren, glauben die Politikerinnen, können Eltern allein nicht erkennen. Man verlangt daher etwa von Herstellern, dass das Gewicht eines Schulranzens nicht mehr als 10 Prozent des Körpergewichts haben dürfe, weil sonst die Wirbelsäule verkrümmt werde und die Beweglichkeit des Kindes leide. Ferner wird eine Fahrrad-Helmpflicht für Kinder und Jugendliche verlangt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |