http://www.faz.net/-gqe-7dpy9

„Veggie Day“ : Grüne wollen fleischlosen Tag in Kantinen

  • Aktualisiert am

Nach Willen der Grünen soll es in Deutschland in Zukunft einen „Veggie Day“ geben Bild: dpa

Um den Fleischkonsum zu verringern, wollen die Grünen nach der Wahl einen „Veggie Day“ einführen. Einmal in der Woche soll in deutschen Kantinen ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden.

          Die Grünen machen sich für einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen stark. So sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt am Montag in Berlin. Dies werde bereits in mehreren Städten wie Bremen und in Unternehmen so gehandhabt. Bundesregierung und FDP warfen den Grünen Bevormundung der Bürger vor. Damit ist das Reizthema Ernährung im Bundestagswahlkampf angekommen.

          „Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen“, sagte Göring-Eckardt. Dies entspreche ungefähr dem durchschnittlichen Fleischkonsum der Bundesbürger - nämlich rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Weniger Fleisch zu essen sei gut für die Gesundheit, den Tier- und den Klimaschutz. Zwang hin zum Veggie Day solle es keineswegs geben, betonte Göring-Eckardt. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass die Politik es fördere, wenn der Speiseplan an diesen Tagen abwechslungsreich gestaltet werde.

          Früher habe es in vielen Familien mindestens freitags kein Fleisch gegeben; ein Veggie Day sei eine moderne Form dieser Tradition. Fraktionschefin Renate Künast sagte der Deutschen Presse-Agentur, als erstes solle es um die öffentlichen Kantinen gehen. So eine Initiative werde gut ankommen: 60 Prozent der Deutschen seien zu weniger Fleischkonsum bereit. „Es wird ja niemandem etwas verboten.“ Das Thema hatte zunächst die „Bild“-Zeitung (Montag) aufgebracht.

          Bereits im Ende April beschlossenen Programm für die Bundestagswahl betonten die Grünen, der hohe Fleischkonsum erzwinge Massentierhaltung. „Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden.“ FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sagte „Bild“ (Dienstag), die Menschen seien klug genug, selbst zu entscheiden, wann sie Fleisch und Gemüse essen. „Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität.“ Brüderle: „Was kommt als nächstes? Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?“

          „Es geht tatsächlich auch ohne“

          Auch Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) wandte sich gegen den Grünen-Vorstoß. „Wir halten generell wenig von Bevormundungen“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu.“ Die Bundesregierung habe eine ganze Menge unternommen, den Kantinen Empfehlungen zu geben. Ernährung sei auch eine Frage von Grundwerten. Der Bund unterstütze, dass in Deutschland immer weniger Fleisch konsumiert werde. Erst im Februar hatte die Techniker Krankenkasse eine Studie vorgestellt, nach der viele Bundesbürger nach wie vor viel mehr Fleisch und Wurst essen als empfohlen - vor allem Männer.

          Während nur vier von zehn Frauen täglich Wurst oder Fleisch zu sich nehmen, sind es demnach sechs von zehn Männern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit langem, sich vorwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren. Laut einer vom Umweltverband WWF herausgegebenen Studie bewirkt hoher Fleischkonsum zudem viel Landverbrauch und weit mehr Treibhausgase als pflanzliche Ernährung. „Es geht tatsächlich auch ohne“, sagte Göring-Eckardt. Ob der Donnerstag oder etwa der Freitag fleischlos bleibe, sei egal.

          Weitere Themen

          Die geheimen Gärten Amsterdams Video-Seite öffnen

          Botanische Vielfalt : Die geheimen Gärten Amsterdams

          Einheimische und Touristen bekommen in Amsterdam einmal im Jahr Einblick in sonst verborgene Welten: An den Tagen der offenen Gärten öffnen Privatleute und Institutionen ihre grünen Oasen für die Öffentlichkeit.

          Kanada legalisiert Kiffen Video-Seite öffnen

          Grünes Licht für Cannabis : Kanada legalisiert Kiffen

          Das neue Gesetz zur Legalisierung der Rauschdroge soll laut Ministerpräsident Trudeau am 17. Oktober in Kraft treten. Kanada betritt damit auch Neuland. Es ist das erste Land der G7-Industrienationen, das Cannabis dem freien Markt zur Verfügung stellt.

          Topmeldungen

          Opposition gegen Erdogan : Mit Empathie gegen die geballte Faust

          Die „#Tamam“-Bewegung hat den türkischen Widerstand beflügelt und zum Bündnis der wichtigsten Oppositionsparteien geführt. Für die Wahlen am Sonntag könnte das die Spaltung des Landes bedeuten.
          Merkel und Macron in Meseberg Anfang der vergangenen Woche. Macron gibt der Bundeskanzlerin in der Asyldebatte Rückendeckung.

          Minigipfel in Brüssel : Warum Angela Merkel zwischen den Fronten steht

          Beim Asyltreffen mit 16 EU-Staaten in Brüssel will Bundeskanzlerin Merkel eine Lösung im Asylstreit finden. Doch das könnte schwierig werden. Ein Überblick über die Forderungen der anwesenden Länder und warum zwölf Länder nicht am Gipfel teilnehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.