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Unternehmensführung : Manfred Gentz übernimmt Vorsitz der Kodex-Kommission

  • -Aktualisiert am

Manfred Gentz Bild: Fricke, Helmut

Der ehemalige Daimler-Finanzvorstand soll künftig die Regierungskommission leiten, die regelmäßig den Deutschen Corporate Governance Kodex überarbeitet. Das Gremium bezahlen soll künftig die Wirtschaft.

          Ein Nachfolger für die Regierungskommission, die regelmäßig den Deutschen Corporate Governance Kodex überarbeitet, ist gefunden. Der ehemalige Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz soll Klaus-Peter Müller im Amt beerben, der schon vor Monaten seinen Rückzug angekündigt hat. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung müssen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Gentz nur noch die Details regeln. Fest stehen offenbar auch die Nachrücker für die beiden Sitze im Gremium, die durch die Rücktritte von BASF-Aufsichtsrat Max Dietrich Kley und des früheren SAP-Vorstandssprechers Henning Kagermann frei geworden sind.

          Noch geregelt werden muss die Finanzierung der Geschäftsstelle und der sonstigen Ausgaben des Gremiums. Diese werden bislang von der Commerzbank getragen, deren Aufsichtsratsvorsitzender Müller ist. Da die Bundesregierung die Übernahme ablehnt, Gentz aber auch nicht mehr Aufsichtsratschef der Deutschen Börse ist und somit keinen Geldgeber in der Hinterhand hat, müssen sie breiter auf die Wirtschaft umgelegt werden.

          Gentz hatte bereits zum Jahresbeginn eine wichtige Rolle in der Kommission übernommen, als er eine interne Arbeitsgruppe leitete, die die Neuregelungen zur Vorstandsvergütung ausarbeitete. Der 71Jahre alte Jurist schied im Jahr 2004 aus dem Daimler-Vorstand aus. Heute ist er Präsident der Internationalen Handelskammer (ICC) in Deutschland. Sieben Jahre lang stand er außerdem dem Verwaltungsrat des Versicherungskonzerns Zurich Financial Services vor; von 2008 bis zum Mai 2012 war er zudem Aufsichtsratschef der Deutschen Börse. Auch war er Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, die in die Gründung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mündete.

          Kleinkariert verschenkte Kugelschreiber

          Der designierte Vorsitzende hat sich wiederholt in öffentliche Diskussionen zur Managermoral und Corporate Governance eingeschaltet. So forderte er im vergangenen Jahr gemeinsam mit Müller in einem Brief an die Aufsichtsräte der Dax-30-Unternehmen Obergrenzen für Managergehälter. Als ICC-Präsident brachte er außerdem ein Schreiben auf den Weg, in dem die Vorstandsvorsitzenden von 35 Großkonzernen alle Fraktionen im Bundestag aufforderten, ein Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption aus dem Jahr 2003 umzusetzen.

          Auf einer Veranstaltung der Initiative „Frauen in den Aufsichtsrat“ (Fidar) scheute er sich vor zwei Jahren aber auch nicht, vor einer gesetzlichen Frauenquote zu warnen. Lediglich ein paar „Quotenmänner“ würden von den Personalberatern noch vorgeschlagen, sagte er. Schon jetzt sei der öffentliche Druck auf die Unternehmen so groß, dass Männer diskriminiert würden. In der „Bild“-Zeitung warnte Gentz überdies vor andauernder Korruption - nannte es aber zugleich „kleinkariert“, wenn über die Annahme von verschenkten Kugelschreibern im Wert von drei bis fünf Euro gestritten werde.

          Kommission ebnet der Politik den Weg

          Mit der Neubesetzung des Kommissionsvorsitzes ist auch der Weg frei für die neuen Mitglieder, die die beiden freigewordenen Mandate übernehmen sollen. Dem Vernehmen nach handelt es sich nicht um einen weiteren Wissenschaftler oder Berater, sondern um einen ehemaligen Vorstand sowie einen früheren Aufsichtsrat. Einer von beiden soll zudem wieder aus der Industrie und nicht aus einer Dienstleistungsbranche kommen. Der Kagermann-Nachfolger soll außerdem wie der frühere SAP-Chef internationale Erfahrung mitbringen.

          Der scheidende Vorsitzende Müller hatte der Bundesjustizministerin schon Ende vergangenen Jahres mitgeteilt, dass er aus dem Amt scheiden wolle. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich jedoch schwierig: Noch auf der jährlichen Tagung der Kommission im Juni konnte Leutheusser-Schnarrenberger keinen Kandidaten in Aussicht stellen. Mehrere Manager, die gefragt wurden, haben abgewunken. Dazu dürfte beigetragen haben, dass mittlerweile die Kritik an dem Regierungsgremium lauter geworden war.

          So war Kley unter Protest ausgeschieden, weil er nicht an einer „weiteren Bürokratisierung“ der Arbeit in den Unternehmensspitzen mitwirken wolle. Immer wieder habe die Kommission mit ihren Vorschlägen zur freiwilligen Selbstregulierung den Weg für die Politik gebahnt, mit Gesetzen die Wirtschaft noch strenger in die Mangel zu nehmen.

          Quelle: F.A.Z.

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