01.06.2005 · Jeder vierte deutsche Student verbringt inzwischen einen Teil seines Studiums im Ausland. Die Abwanderung deutscher Nachwuchswissenschaftler sieht die Bundesbildungsministerin gestoppt.
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sieht die Abwanderung deutscher Nachwuchswissenschaftler ins Ausland gestoppt. "Deutschland gehört zu den Gewinnern des internationalen Wettbewerbs um die besten Köpfe", sagte die Ministerin am Mittwoch in Berlin, wo sie eine Studie des Deutschen Studentenwerks zur Internationalisierung des Studiums vorstellte. Während bis Ende der neunziger Jahre viele junge Wissenschaftler ins Ausland abgewandert seien, gebe es seit einigen Jahren eine deutliche Trendwende. "Es ist uns gelungen, das Ruder herumzureißen", sagte die Ministerin.
Deutschland locke inzwischen Nachwuchs-und Spitzenforscher aus der ganzen Welt an, sagte Bulmahn. So seien bei den neu geschaffenen Juniorprofessoren 15 Prozent der Stellen mit Jungforschern aus dem Ausland oder mit deutschen Rückkehrern besetzt worden.
Vor allem aus China
Der 17. Sozialergebung des Deutschen Studentenwerks zufolge, die Bulmahn vorstellte, waren im Wintersemester 2002/03 rund 227.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Mit inzwischen 56.000 Studenten bilden Asiaten mittlerweile nach den Europäern die zweitgrößte Gruppe ausländischer Studierender in der Bundesrepublik. Vor allem aus China kommen viele junge Menschen. Sie zieht es größtenteils zu den Ingenieurwissenschaften. 8,9 Prozent der ausländischen Studenten waren 2003 Chinesen. Seit Anfang der 90er Jahre hat sich ihr Anteil damit verdoppelt.
Mit mehr als 10 Prozent ausländischer Studierender übertreffe die Bundesrepublik die Vereinigten Staaten, wo 4 Prozent der Studenten aus dem Ausland kommen, sagte Bulmahn. Sie widersprach Vorwürfen, daß die Bundesrepublik nicht die Besten unter den Studierenden anziehe, sondern in erster Linien diejenigen, die hier studieren wollten, weil in Deutschland keine Studiengebühren erhoben werden. Stichproben hätten eindeutig gezeigt, "daß wir sehr gute Studenten haben", sagte die Ministerin.
Wie die Gebührenfreiheit wirkt
Der Sozialerhebung zufolge haben sich 79 Prozent der ausländischen Studenten für ein Studium in Deutschland entschieden, weil sie sich davon bessere Berufschancen erhoffen. Immerhin 54 Prozent räumten aber ein, daß ihre Entscheidung von der Studiengebührenfreiheit stark beeinflußt wurde. Bei Studierenden aus Entwicklungsländern waren es sogar 68 Prozent. Lediglich unter den Studierenden aus Industrieländern spielt die Studiengebührenfreiheit nur bei einer Minderheit von 29 Prozent eine Rolle.
Bulmahn wies darauf hin, daß auch noch nie so viele deutsche Studierende an ausländischen Universitäten und Forschungseinrichtungen studiert hätten. 15 Prozent aller deutschen Studenten gingen im Laufe ihres Studiums für einige Zeit ins Ausland. "Die Mobilität deutscher Studierender kann sich weltweit sehen lassen", sagte die Ministerin. Sie seien wesentlich mobiler als ihre englischen, amerikanischen oder australischen Kommilitonen. Die meisten der 56600 Studierenden, die es ins Ausland zog, sind in Großbritannien: 18,8 Prozent. Es folgen Amerika mit 16,6 Prozent, die Schweiz mit 11 Prozent und Frankreich mit 10,4 Prozent.
Bulmahn führte die wachsende Attraktivität der deutschen Hochschulen auch auf Maßnahmen zurück, die sie in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat. "Wichtige Reformen wie das moderne Dienstrecht und die Einführung der Juniorprofessur haben dazu geführt, daß Deutschland ein attraktiver Studien- und Forschungsstandort für ausländische Wissenschaftler geworden ist", sagte sie.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.423,60 | −1,25% |
| EUR/USD | 1,2393 | −0,76% |
| Rohöl Brent Crude | 103,24 $ | −3,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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