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Umweltpolitik 500 Konzerne fordern ehrgeizige Klimaziele

22.09.2009 ·  Wegen der weltweiten Rezession erwartet die Internationale Energieagentur 2009 den stärksten Rückgang des globalen Kohlendioxid-Ausstoßes seit mindestens 40 Jahren. Eine UN-Klimakonferenz diskutiert heute über ein neues Treibhausgas-Abkommen.

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Wegen der weltweiten Rezession erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) 2009 den stärksten Rückgang des globalen CO2-Ausstoßes seit mindestens vier Jahrzehnten. Die Abnahme werde wohl rund 2,6 Prozent betragen, sagte der IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol am Montag in London der Nachrichtenagentur Reuters. Am Dienstag findet in New York zur UN-Generalversammlung ein Klimagipfel statt. Dabei soll versucht werden, die stockenden Verhandlungen über ein neues Treibhausgas-Abkommen wieder in Gang zu bringen.

Den bislang stärksten Einbruch bei den Emissionen des Treibhausgases habe es 1981 nach dem Ölpreisschock und den darauffolgenden wirtschaftlichen Turbulenzen gegeben, sagte Birol. „Wir schätzen, dass der Rückgang dieses Jahr etwa doppelt so stark sein wird.“ Grundlage der Prognose sei eine detaillierte Analyse des Strom-, Kohle-, Öl- und Gasverbrauchs der vergangenen Monate sowie eine Vorhersage für die kommenden Monate in zahlreichen Ländern.

Besonders stark dürften die Emissionen in diesem Jahr mit sechs Prozent in den Vereinigten Staaten sinken, wie die Regierung kürzlich prognostizierte. Für Europa schätzte der Analyst Mark Lewis von der Deutschen Bank den Rückgang auf vier bis fünf Prozent. Dem stehen Steigerungen der Industrieproduktion und des CO2-Ausstoßes in den Entwicklungsländern gegenüber, besonders in China.

Nach Einschätzung des UN-Klimaschutzbeauftragten Ivo de Boer wird China aber schon bald eine Führungsrolle im Kampf gegen die Treibhausgase einnehmen. Die Regierung in Peking habe inzwischen konkretere Pläne als Amerika entwickelt, um auf erneuerbare Energien umzusteigen, sagte der Leiter des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) der Nachrichtenagentur AP.

Barroso: Klimagespräche vor dem Stillstand

IEA-Chefvolkswirt Birol sagt weiter, die Finanzkrise habe nicht nur den Verbrauch fossiler Brennstoffe gebremst, sondern auch die Investitionen in herkömmliche Energieanlagen. Dies könne helfen, den weltweiten Übergang zu emissionsärmeren Energieträgern zu beschleunigen. Allerdings warnte er: „Der Rückgang der Emissionen und der Investitionen in fossile Brennstoffe wird nur etwas bedeuten, wenn in Kopenhagen eine Einigung erzielt wird, die den Investoren ein Signal für CO2-Einsparungen gibt.“

In der dänischen Hauptstadt soll im Dezember über ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen in der Folge des 2012 auslaufenden
Kyoto-Protokolls beraten werden. Die Vorbereitungsgespräche dazu ziehen sich seit Monaten hin. Hauptstreitpunkt ist die Frage, wie die Kosten für den notwendigen Umbau in den armen Ländern verteilt werden sollen. Die Gespräche seien „gefährlich nahe am Stillstand“, warnte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Montag laut Redetext. Sollte es in Kopenhagen zu keiner Einigung kommen, drohe ein völliger Zusammenbruch der Verhandlungen.

„Gutes Klima = gutes Investitionsklima“

Unterdessen hat ein Bündnis aus mehr als 500 internationalen Konzernen hat die Industrieländer zu ehrgeizigen Zielen im Kampf gegen den Klimawandel aufgefordert. Ein Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen würde zu einem Vertrauensverlust und zur Streichung von Investitionen in klimafreundliche Technologien führen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Firmen, zu denen auch der deutsche Versicherer Allianz und der Ölmulti Royal Dutch Shell gehören.

Weiter heißt es in dem Appell, eine wirtschaftliche Entwicklung sei ohne ein stabiles Klima unmöglich. Ein unbefriedigendes Ergebnis bei dem Gipfel in Kopenhagen würde die derzeit schwierige Lage in der internationalen Geschäftswelt nur noch weiter verschlimmern. Eine genügend ehrgeizige und global gerechte Einigung werde dagegen den Firmen das notwendige Signal liefern, das sie für klimafreundliche Investitionen in Milliardenhöhe benötigen. Die unterzeichnenden Firmen unterstützen eine Kampagne des britischen Thronfolgers Prinz Charles zum Kampf gegen den Klimawandel.

Merkel in New York nicht dabei

Bei dem eintägigen Gipfel am Hauptsitz der Vereinten Nationen kommen auf Einladung des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon mehr als 90 Staats- und Regierungschefs zusammen. Unter anderem sollen der amerikanische Präsident Barack Obama, der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen und die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Mathaai sprechen. Auch Chinas Staatschef Hu Jintao, der neu gewählte japanische Ministerpräsident Yukio Hatoyama und der französische Präsident Nicolas Sarkozy werden erwartet. Greenpeace kritisierte das Fernbleiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Sie schwäche damit die Bemühungen des UN-Generalssekretärs „um ein starkes Klimaschutzprotokoll in Kopenhagen“. Auf der Generaldebatte der UN-Vollversammlung von Mittwoch bis Samstag sowie vom 28. bis 30. September in New York sind die Schritte der Weltgemeinschaft gegen den Klimawandel ein Hauptthema.

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Von Werner Mussler, Brüssel

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