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Umfrage zur Sozialen Marktwirtschaft Bürger finden Einkommensverteilung eher „nicht gerecht“

15.06.2008 ·  Die große Mehrheit aller Deutschen empfindet die Verteilung von Einkommen und Vermögen nicht als gerecht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Montag anlässlich des 60. Jahrestages der Sozialen Marktwirtschaft vorgestellt wird.

Von Kerstin Schwenn
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Die große Mehrheit aller Bürger in Deutschland empfindet die Verteilung von Einkommen und Vermögen im Lande nicht als gerecht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, die an diesem Montag anlässlich des 60. Jahrestages der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland vorgestellt wird. 73 Prozent der Befragten anworteten auf die Frage nach der Verteilung mit „nicht gerecht“. Nicht einmal 13 Prozent sehen sie als „im Großen und Ganzen gerecht“ an.

Die Bertelsmann-Forscher erkannten darin eine „Gerechtigkeitsschere“, die sich allein in den vergangenen drei Jahren dramatisch geöffnet habe. Das gefühlte Gerechtigkeitsdefizit habe sich seit 2005 trotz des Konjunkturaufschwungs von 25 auf 60 Prozentpunkte mehr als verdoppelt. Noch 1995 hätten die Werte für „nicht gerecht“ und „gerecht“ fast gleichauf gelegen.

Bürger fordern Investitionen in Bildung und Umweltschutz

Mehr Gerechtigkeit könnte sich nach Ansicht vieler Bürger durch mehr Investitionen in Bildung und Umweltschutz ergeben. Dies ist die Erkenntnis eines „Bürgerforums Soziale Marktwirtschaft“; darin geben die Bertelsmann Stiftung, die Heinz Nixdorf Stiftung und die Ludwig-Erhard-Stiftung 350 zufällig ausgewählten Bürgern seit Anfang 2008 die Möglichkeit, ihr eigenes Bild einer zukunftsfähigen Sozialen Marktwirtschaft zu entwerfen.

Zu den zentralen Forderungen des fast hundertseitigen Bürger-Programms mit mehr als 50 konkreten Politikvorschlägen gehört die Forderung nach mehr Geld für Investitionen in die Bildung. Bildung wird als Schlüssel zur Teilhabe aller an den Chancen der Marktwirtschaft und damit zu mehr Gerechtigkeit gesehen. Deshalb sollten Kinder aus sozial schwachen Familien und Begabte stärker gefördert werden und Lernmittelfreiheit gewährleistet werden. Die Forderung nach mehr Bildungsinvestitionen findet auch in der Gesamtbevölkerung herausragende Zustimmung; sie wird von 95 Prozent der in der Umfrage Befragten „voll und ganz“ geteilt. Das Bürger-Forum hält eine umfassendere wirtschaftliche Teilhabe von Ausländern für wünschenswert. Es stellt dabei die Forderung, Ausländer müssten die deutsche Sprache erlernen – eine Ansicht, der 79 Prozent der Befragten zustimmen.

Für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den finanziellen Ressourcen schlägt das Bürger-Programm ein grundsätzliches Verschuldungsverbot des Staates vor, das nur in Notsituationen gelockert werden darf. Dieser Forderung stimmten immerhin 50 Prozent aller Bürger „voll und ganz“, weitere 40 Prozent mit „eher ja“ zu. Ein wichtiges Anliegen ist den Bürgern die Vereinfachung des Steuersystems. 76 Prozent der Befragten wünschen sich dies. Fast 70 Prozent stimmen der Forderung des Bürger-Forums „voll und ganz“ zu, dass Unternehmen, die gegen Arbeitsrecht, Umweltschutz oder Menschenrechte verstoßen, keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen.

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