08.09.2006 · Im Kampf um die Eon-Übernahme des Stromversorgers Endesa hat die spanische Regierung offenbar eingelenkt. So sollen wesentliche Auflagen fallen. Nun aber fordert Endesa ein höheres Angebot und hat ein Druckmittel.
Der Düsseldorfer Energieversorger Eon kommt der umstrittenenen Übernahme des führenden spanischen Stromversorgers Endesa immer näher. Nach einem Bericht der in Barcelona herausgegebenen, gewöhnlich gut informierten Tageszeitung „La Vanguardia“ hat sich die spanische Regierung bereiterklärt, einen Großteil der harten Auflagen zu kippen, unter denen die spanische Energiebehörde die Übernahme genehmigt hatte.
Der Zeitung zufolge soll Eon alle Atom- und Kohlekraftwerke von Endesa behalten dürfen. Auch die Forderung, das Stromgeschäft auf den Balearen und den Kanarischen Inseln abzugeben, werde nicht mehr erhoben. Damit könnte Eon den spanischen Stromversorger ohne größere Einschränkungen übernehmen. Bisher hatte die Energiebehörde verfügt, daß Eon nach der Übernahme ein Drittel der Kraftwerkskapazitäten abgeben und sich aus der spanischen Atomwirtschaft zurückziehen müsse. Dagegen hat die EU-Kommission bereits Schritte angekündigt. Aus ihrer Sicht verstoßen die Auflagen schon deshalb gegen europäisches Recht, weil sie selbst zuvor in einem Wettbewerbsverfahren die Übernahme ohne jegliche Auflagen genehmigt hatte.
Eon übertrumpft mit 27-Milliarden-Euro-Angebot
Spanien tat sich von Anfang an schwer mit dem Übernahmevorhaben von Eon. Zum einen wäre es das erste Mal, daß ein wichtiges spanisches Unternehmen in ausländische Hand geriete, abgesehen von dem damals praktisch insolventen Autohersteller Seat Anfang der achtziger Jahre. Zum anderen hätte es die spanische Regierung lieber gesehen, wenn Endesa zum Kern eines nationalen Champions geworden wäre, der sich seinerseits aktiv an der europäischen Branchenkonsolidierung beteiligt hätte.
Dazu wäre es gekommen, wenn sich der spanische Gasversorger Gas Natural durchgesetzt hätte, der vor einem Jahr rund 22 Milliarden Euro für Eon geboten hatte. Er wurde aber durch die Eon-Offerte im April von 27 Milliarden Euro übertrumpft. Daraufhin instrumentalisierte die spanische Regierung die nationale Energiebehörde, die gegen den Willen und die Regeln der EU eine Art zweites Wettbewerbsverfahren mit dem Ergebnis der harten Auflagen einleitete.
Spanien kann nicht alle Auflagen aufrecht erhalten
Offenbar hat sich die spanische Regierung davon überzeugen lassen, daß sie in einem Verfahren gegen die EU wenig Chancen haben würde. Offiziell wurden die Informationen von „La Vanguardia“ bisher zwar nicht bestätigt. Sie passen aber zu jüngsten Regierungsäußerungen. So sagte Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero im Hinblick auf das Treffen am 12. September mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Meersburg, daß es bei der Endesa-Übernahme durch Eon ein „Happy End“ für Spanien, Europa, den Energiesektor und die Stromwirtschaft geben werde.
Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes, ehemaliger Währungs- und Wirtschaftskommissar der EU, räumte in einem Radiogespräch am Donnerstag ein, daß die Kritik der Europäischen Kommission an den Auflagen zumindest in Teilen berechtigt sei. Einige Auflagen, die in die Kompetenz der EU fielen, könne Spanien deshalb nicht aufrechterhalten.
Endesa-Verwaltung besitzt Druckmittel
Damit dürfte Eon der Endesa-Übernahme entscheidend nähergerückt sein. Allerdings könnte der Zukauf teurer als gedacht werden. Endesa-Präsident Manuel Pizarro hat jetzt gefordert, daß Eon das Angebot auf mindestens 30 Euro je Aktie aufstockt. Eon hatte zunächst 27,50 Euro je Aktie geboten, diese Offerte aber auf 25,40 Euro verringert, nachdem Endesa eine entsprechende Dividende ausgeschüttet hatte. Pizarros Preisvorstellung entspräche einem Unternehmenswert von knapp 31,8 Milliarden Euro.
Letztlich müssen zwar die Aktionäre von Endesa über die Offerte entscheiden; das Aktienkapital ist breit gestreut, größter Einzelaktionär mit rund 10 Prozent ist die Madrider Großsparkasse Caja Madrid. Die Endesa-Verwaltung besitzt aber ein Druckmittel: Auf ihre Klage hin hat der spanische Gerichtshof den vorangegangenen, noch nicht abgebrochenen Übernahmeprozeß von Gas Natural erst einmal auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Nach Ansicht spanischer Experten kann damit auch Eon nicht zum Zuge kommen - es sei denn, Endesa zieht die Klage zurück.
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