27.09.2006 · Nach dem Erwerb von zehn Prozent der Endesa-Anteile durch den Baukonzern Acciona wird in Madrid spekuliert, daß Acciona dem Wunsch der Regierung gefolgt sein könnte, Eon die Übernahme zu erschweren. Die Düsseldorfer erhöhten im Gegenzug ihr Angebot um 10 Milliarden Euro.
Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon will sein Übernahmeangebot für den spanischen Versorger Endesa um fast 10 Milliarden Euro auf 35 Milliarden Euro aufstocken. Mit dieser Ankündigung vom Dienstag abend setzte die Eon AG einen Schlußpunkt unter einen ereignisreichen Tag.
Zunächst hatte der spanische Baukonzern Acciona angekündigt, er beabsichtige, sich bis zu 24,9 Prozent an Endesa zu beteiligen. Am Vortage hatte Acconia der spanischen Börsenaufsicht bereits den Erwerb von zehn Prozent des Endesa-Kapitals für insgesamt 3,4 Milliarden Euro gemeldet.
Unterstützung von Eon durch die EU
Später veröffentlichte die Europäische Kommission ihren Beschluß in Straßburg, dem zufolge die spanischen Auflagen für die von Eon geplante Endesa-Übernahme dem Europarecht widersprächen und aufgehoben werden müssen: Nach einer Analyse dieser Wendungen bekräftigte Eon das nachhaltige Interesse an einer erfolgreichen Transaktion. Deshalb sollen den Endesa-Aktionären nach Freigabe des Angebots 35 Euro statt bisher 25,40 Euro je Aktie bar gezahlt werden. Bei kompletter Übernahme wäre das ein Kaufpreis von 35 Milliarden Euro. Jedoch strebt das Düsseldorfer Unternehmen weiterhin nur eine Beteiligung von 50 Prozent und einer Aktie an. Die bisher bekannten Bedingungen, wie die zuvor erforderliche Satzungsänderung zur Aufhebung der Stimmrechtsbegrenzung, gelten weiterhin.
Acciona hatte mit seinem um 25 Prozent über der ursprünglichen Eon-Offerte liegenden Kauf bei der Endesa-Aktie am Dienstag einen Kurssprung um mehr als 11 Prozent auf 32,69 Euro bewirkt.
Rätselraten in Spanien
Über den Acciona-Vorstoß herrscht auch in Spanien großes Rätselraten. Bei der genannten Obergrenze meidet das Unternehmen die Schwelle von 25 Prozent, ab der es zu einem allgemeinen Barabfindungsangebot an alle Aktionäre verpflichtet wäre. Vertreter von Acciona beteuerten vor Analysten in Madrid, daß es sich um ein unternehmerisches Engagement handele, auch wenn man keine eigene Übernahmeofferte plane. Als inzwischen größter Endesa-Aktionär vor der spanischen Großsparkasse Caja Madrid (9,9 Prozent) wolle man in den Verwaltungsrat des Versorgungskonzerns einziehen. Die Beteiligung sei weder mit den beteiligten Unternehmen noch mit Behörden oder der Regierung abgesprochen worden.
Beobachter bestritten überwiegend, daß der Baukonzern nennenswerte Synergien aus einer Beteiligung an einem Stromversorger ziehen könnte, da es sich um ein relativ baufernes Geschäft handele. Als reines Finanzgeschäft wiederum sei die Beteiligung äußerst teuer, zumal nach einem Rückzug von Eon der stark erhöhte Kurs schnell wieder sinken dürfte.
Höherer Preis, geringere Stimmrechte
So blieb als Spekulation in Madrid, daß Acciona trotz aller gegenteiliger Beteuerungen dem Wunsch der Regierung entgegengekommen ist, Eon die Übernahme zu erschweren oder sie sogar zu verhindern. Hebel hierzu wären zum einen der deutlich höhere Preis, den Eon inzwischen wohl bezahlen müßte, und zum anderen eine Stimmrechtsbeschränkung bei Endesa auf 10 Prozent.
Eine der Bedingungen von Eon für das Übernahmeangebot ist die Abschaffung dieser Beschränkung auf der nächsten Hauptversammlung. Das könnte Acciona im Verein mit zwei weiteren Großaktionären durchkreuzen, da die drei Aktionäre dann eine Sperrminorität von 25 Prozent haben könnten. Einer dieser Aktionäre könnte Caja Madrid sein, ein weiterer müßte noch gefunden werden, wobei die Spekulationen bis hin zur Gas Natural reichen, die selbst 22 Milliarden Euro für Endesa geboten hat.
Unterstützung durch die Kommission
Unterdessen hat die Europäische Kommission am Dienstag beschlossen, daß die spanischen Auflagen für eine Übernahme des Energieversorgers Endesa durch Eon dem Europarecht widersprechen und deshalb sofort aufgehoben werden müssen. Die Entscheidung der spanischen Strom- und Gasregulierungsbehörde (CNE), die Übernahme an Auflagen zu knüpfen, sei illegal, erklärte die Kommission. Eon begrüßte diese Entscheidung. „Sie stärkt unsere Entschlossenheit, die Übernahme von Endesa weiter voranzutreiben“, wird Vorstandsvorsitzender Wulf Bernotat in einer Stellungnahme zitiert.
Die Kommissionsentscheidung gelte direkt und könne auch vor spanischen Gerichten durchgesetzt werden, sagte ein Kommissionssprecher. Zur Begründung hieß es, die CNE habe die Auflagen erlassen, ohne sich vorher mit der Kommission zu beraten. Zudem habe sie mehrere Auflagen erlassen, die gegen EU-Recht verstießen. So hatte die CNE den Verkauf mehrerer Kraftwerke verlangt, obwohl die EU-Kommission die Übernahme zuvor bereits genehmigt hatte. Spaniens Industrieminister Joan Clos hatte zu Wochenbeginn in Brüssel erklärt, die EU-Entscheidung zu akzeptieren.
Die Kommissare beschlossen am Dienstag auch die zweite Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens gegen die neuen Befugnisse für die CNE zu starten. Nach Ansicht der Brüsseler Hüter des EU-Binnenmarkts geht das zu Jahresbeginn von der spanischen Regierung eingeführte Verfahren der vorherigen Genehmigung über das Maß hinaus, das zur Gewährleistung der Mindestversorgung mit Energieprodukten und -dienstleistungen erforderlich sei.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.415,20 | −1,32% |
| EUR/USD | 1,2393 | −0,77% |
| Rohöl Brent Crude | 103,37 $ | −3,26% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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