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Übernahme Wenig Beifall für den Container-Coup von TUI

22.08.2005 ·  Die TUI-Tochter Hapag Lloyd will die Containerreederei CP Ships übernehmen und bietet dafür 1,7 Milliarden Euro. Doch die Börse goutiert die Übernahme nicht: Der Börsenkurs des Touristikkonzerns geht weiter zurück.

Von Petra Schlitt
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Die Börse goutiert die von der TUI AG geplante Übernahme von CP Ships vorerst nicht. Die TUI-Tochter Hapag Lloyd will die kanadische Containerreederei übernehmen und bietet dafür 1,7 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluß würde die fünftgrößte Containerschiffahrtsgesellschaft der Welt entstehen - mit einem gemeinsamen Umsatz von rund 5,7 Milliarden Euro. Bislang rangierte Hapag Llyod mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro nur auf Platz 13.

Auch nach der sonntäglichen Pressekonferenz des Konzerns, bei der TUI-Chef Michael Frenzel Hintergründe des Zukaufs erläuterte, gab der Börsenkurs des Touristikkonzerns am Montag erneut nach. Schon am Freitag, als erste Gerüchte über einen geplanten Zukauf durchsickerten, büßte die Aktie rund 5 Prozent ihres Wertes ein. Schiffahrtsexperten sehen den Zeitpunkt der Transaktion kritisch. Der weltweite Markt für Containerschiffahrt boome zwar durch die starke Nachfrage aus China. Die Frachtraten hätten aber ihre Spitze erreicht, heißt es.

Wettebewerbsdruck erhöht sich

Nach Einschätzung des Sprechers des Verbands deutscher Reeder (VDR), Hans-Heinrich Nöll, dürften diese wegen drohender Überkapazitäten bereits im nächsten Jahr zurückgehen. Die Wirtschaftsentwicklung führe dazu, daß viele Reedereien neue und größere Schiffe bestellt hätten. Damit werde sich der Wettbewerbsdruck in der internationalen Containerschiffahrt erhöhen.

Hapag Lloyd rechnet allenfalls mit einer kurzfristigen negativen Entwicklung. Insgesamt werde die Branche weiter wachsen, ist sich die Hamburger TUI-Tochter sicher. Nach Angaben von Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt soll die Anzahl der Container bis zum Jahr 2008 weltweit um 20 Millionen auf 100 Millionen Einheiten steigen. Das entspricht einem Wachstum von 25 Prozent. Behrendt hält diese Zahl sogar noch für „sehr konservativ gerechnet“.

Containerschiffahrt in Ausnahmezustand

In den vergangenen Jahren hat die Branche einen bislang nicht gekannten Aufwind erlebt. Seit 1967 fahren Containerschiffe über die Weltmeere. Jährlich wuchs die Branche um 6 bis 7 Prozent. Aber gerade durch den Wirtschaftsboom in China befindet sich die Containerschiffahrtindustrie derzeit in einer Art Ausnahmezustand. Alle Reedereien bestellen neue Schiffe, um der gestiegenen Nachfrage nachkommen zu können. Generell wird mehr in Containern verschifft, beispielsweise Kohle, was früher nicht der Fall war. Die Containerverschiffung sei einfach praktischer, sagen Branchenkenner.

Hapag Lloyd ist beim Verschiffen von Containern vor allem stark im Ost-West-Verkehr, also dem Gütertransport von Europa nach Asien, aber auch zwischen Asien und Amerika. Traditionell ist der Ost-West-Verkehr immer der volumenstärkste in der Containerschiffahrtbranche, deshalb auch „Rennstrecke“ genannt. Mit CP Ships wird Hapag Lloyd seine Präsenz in Fernost erhöhen. Der Verkehr innerhalb Asien gilt neben der Route Asien-Amerika schon heute als volumenstärkstes Geschäft.

Teure Präsenz auf den Weltmeeren

Außerdem wird Hapag Lloyd dank der Kanadier noch stärker auf den Transatlantik-Routen verkehren sowie auf den Strecken von Europa nach Australien und Südamerika. Auf der Route Europa-Südamerika ist die Tochter des Bielefelder Nahrungsmittelkonzerns Oetker, Hamburg Süd, Marktführer. Hapag Lloyd und Oetker werden damit stärker in Konkurrenz treten als bislang.

Hapag Lloyd läßt sich die stärkere Präsenz auf den Weltmeeren einiges kosten. Die TUI-Tochter wird 1,7 Milliarden Euro zahlen und die Schulden von CP Ships übernehmen. Im Mai hatte die weltweite Nummer 1 der Containerschiffahrt, die dänische Maersk, den Konkurrenten P&O Nedloyd für 2,3 Milliarden Euro übernommen. Den Kaufpreis sehen einige Analysten mit Skepsis. Andere Branchenkenner meinen, die Übernahme von CP Ships sei ein guter Deal. Die Hamburger seien die profitabelste Reederei und könnten sich den Zukauf leisten.

Gemeinsam noch profitabler

Bei einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro wurde zuletzt ein Gewinn vor Abschreibungen und Steuern von 388 Millionen Euro erzielt - fast doppelt so viel wie CP Ships. CP Ships galt lange Jahre als gut geführt. Vor drei Jahren geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen. Grund waren damals zu hoch ausgewiesene Gewinne. Zwischenzeitlich soll Vorstandschef Raymond R. Miles „aufgeräumt“ haben. Der Aktienkurs des Unternehmens erholte sich daraufhin. Auch durch Übernahmegerüchte hat er sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt.

Behrendt kündigt an, daß nach einer Gewinnverwässerung durch die Übernahme von CP Ships die Gewinne wieder steigen sollen. Hapag Lloyd verfüge über die Instrumentarien, um auch CP Ships auf das eigene Ertragsniveau zu heben. Gemeinsam sollen beide Unternehmen sogar noch profitabler werden. Wichtig bei der Verbesserung der Profitabilität ist die Begrenzung von Leerfahrten der Container. Weil beispielsweise mehr Waren von Asien nach Europa importiert und weniger nach Asien exportiert werden, muß versucht werden, die Leerfahrten zu optimieren. Das ist Hapag Lloyd in der Vergangenheit gut gelungen. Durch die Optimierung von Routen und das Einsetzen größerer Schiffe auf verschiedenen Strecken halten Branchenkenner eine Verbesserung der Rentabilität durchaus für möglich. Entscheidend wird dabei sein, ob der China-Boom weiter anhält. Hier wagt kein Experte eine genaue Prognose.

Quelle: F.A.Z., 23.08.2005, Nr. 195 / Seite 18
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