25.07.2006 · Die spanische Energieaufsicht wird Eon nach Einschätzung von Analysten hohe Hürden vor die Übernahme des Versorgers Endesa setzen. Mit einem Verbot rechnen die Experten allerdings nicht. Unterdessen rüstet sich Frankreich für einen „Energiekrieg“.
Die spanische Energieaufsicht CNE wird Eon nach Einschätzung von Analysten hohe Hürden vor die Übernahme des Versorgers Endesa setzen.
Mit einem Verbot sei nicht zu rechnen, durch die Auflagen werde die Übernahme aber weniger attraktiv, sagen Experten. Eon bietet 27 Milliarden Euro für Endesa und will mit dem Konzern an die Weltspitze der Strom- und Gasversorger rücken. Die CNE hat in den vergangenen Monaten von Eon tausende Seiten Unterlagen angefordert und wird voraussichtlich Ende dieser Woche eine Entscheidung fällen.
Branchenexperten rechnen damit, daß die Behörde von Eon die Abgabe von Atomkraftwerken und Kohle-Aktivitäten von Endesa fordert. Endesa liefert 42 Prozent des elektrischen Stroms in Spanien, ein zu großer Einfluß der Deutschen auf die heimische Energieversorgung könnte den Spaniern ein Dorn im Auge sein. 20 Prozent des Stroms in Spanien stammen aus Atomkraftwerken, die Anlagen von Endesa machen etwa die Hälfte davon aus.
Mit „Giftpillen“ ist zu rechnen
Die CNE werde Eon wohl ein paar Giftpillen präsentieren, sagt Analyst Stephan Wulf von Sal. Oppenheim in Frankfurt. Völlig inakzeptabel für Eon wäre nach seiner Einschätzung die Forderung, die 2003 übernommene Tochter Ruhrgas abzugeben. In spanischen Medien waren solche Spekulationen in den vergangenen Wochen immer wieder verbreitet worden. „Das ist natürlich etwas, was Eon nie akzeptieren würde“, sagte Wulf. Ruhrgas gehört zu den wichtigsten Führungsgesellschaften von Eon. Die Tochter sorgte im vergangenen Jahr mit Erlösen von 17,9 Milliarden Euro für fast ein Drittel des Konzernumsatzes und erzielte einen um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,5 Milliarden Euro.
Nach Ansicht von Analysten würde die CNE mit einer Forderung nach Abgabe von Ruhrgas ihre Kompetenzen überschreiten und dann von EON wohl vor Gericht gebracht. Überdies muß die Behörde befürchten, von der EU-Kommission an den Pranger gestellt zu werden. Die Brüsseler Wettbewerbshüter haben Eon im Juni grünes Licht für die Spanien-Pläne gegeben. Sie hatten die Entscheidung der spanischen Regierung von Anfang an kritisiert, die CNE mit Vetorechten auszustatten. Die Regierung im Madrid unterstützt die Pläne des spanischen Versorgers Gas Natural, Endesa zu übernehmen, obwohl dessen Gebot rund sieben Milliarden Euro weniger wert ist.
CNE-Entscheidung wohl Ende der Woche
Die CNE wird voraussichtlich am Donnerstag entscheiden, es könnte aber bis Freitag dauern, ehe der Beschluß bekannt wird. Dem Gremium gehören neun Mitglieder an. Je vier davon wurden auf Empfehlung der sozialistischen Partei von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero und der oppositionellen Volkspartei entsandt, einer von der linken katalanischen Partei ERC.
Das letzte Wort behält sich die Regierung vor, die sich kaum während der politischen Sommerpause äußern wird, die im September endet. Doch auch danach kann sich die Übernahme weiter verzögern. Akzeptiert Eon die Bedingungen der CNE nicht, landet der Fall vor Gericht. Sollte der Konzern die Auflagen hinnehmen, könnte es zu einem Bietergefecht zwischen Eon und Gas Natural kommen. Auf die Frage, wann die Zukunft von Endesa geklärt sein werde, sagte ein amerikanischer Investmentbanker: “Hier hält im Moment niemand den Atem an. Das kann sich noch lange hinziehen.“
Frankreich rüstet sich für „Energiekrieg“
Unterdessen will Frankreich im Kampf um immer knapper werdende Rohstoffe will Frankreich seinen Energiesektor reformieren und dabei die umstrittene Fusion des staatlich kontrollierten Versorgers Gaz de France mit dem privaten Anbieter Suez verteidigen.
„Wir befinden uns praktisch in einem Energiekrieg“, sagte der französische Finanzminister Thierry Breton dem Rundfunksender Europe 1 am Dienstag. Der Ölpreis habe sich in wenigen Jahren mehr als verdreifacht. Angesichts dieser Veränderungen auf dem Energiemarkt müsse Frankreich daher seinen eigenen Energiesektor reformieren. Vor diesem Hintergrund werde die französische Regierung an dem innen- wie außenpolitisch umstrittenen Zusammenschluß von Gaz de France und Suez festhalten. Die Fusion werde die beiden französischen Firmen vor Übernahmen aus den Ausland besser schützen, erklärte Breton.
Die konservative Regierung in Paris hat eine Debatte im Parlament über den geplanten Zusammenschluß wegen starker Kritik der sozialistischen Opposition und auch aus den eigenen Reihen in den September verschoben. Die Fusion wird aber auch in der Europäischen Union als protektionistischer Schachzug kritisiert.
| Name | Kurs | Prozent |
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