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Trotz Finanzkrise Fed hält Leitzins stabil

17.09.2008 ·  Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat trotz der dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise die Zinsen in den Vereinigten Staaten nicht weiter gesenkt. Die Währungshüter um Ben Bernanke beließen am Dienstag den für die Banken entscheidenden Schlüsselzins bei 2,0 Prozent.

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Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat trotz der dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise die Geldpolitik am Dienstag nicht gelockert. Die Währungshüter um Ben Bernanke ließen den Leitzins auf 2 Prozent, nachdem sie am Morgen zur Überwindung von Spannungen auf dem Geldmarkt den Marktakteuren zeitlich befristet zusätzliche Liquidität bereitgestellt hatten. Der effektive Tageszins, der zuvor 2,64 Prozent betragen hatte, pendelte sich daraufhin auf den von den Währungshütern anvisierten Zielzinssatz von 2 Prozent ein.

Wall Street reagierte zunächst enttäuscht auf den Beschluss. Der Dow Jones, der zuvor leicht im Plus gelegen hatte, drehte aber nur vorübergehend rund 100 Punkte oder knapp 1 Prozent ins Minus und wurde im späteren Handelsverlauf mit 11.005 Punkten berechnet, das waren 0,8 Prozent mehr als am Vortag.

Bush: Schmerzhafte Turbulenzen

In der Begründung zu ihrer Entscheidung verwiesen die Währungshüter auf die großen Turbulenzen an den Finanzmärkten, den schwachen Arbeitsmarkt, die Häuserkrise und eine schwächere Konsumnachfrage. Allerdings bleibe auch der Inflationsausblick ungewiss, und die bereits erfolgten Zinssenkungen förderten das Wachstum. „Sowohl die Wachstumsrisiken als auch die Gefahren für die Preisstabilität sind für den Rat von erheblicher Besorgnis“, hieß es.

Unterdessen bemühte sich die amerikanische Regierung darum, die Wogen der Finanzkrise zu glätten und zu verhindern, dass es zu einer allgemeinen Vertrauenskrise des Finanzsystems kommt. Präsident George Bush sagte, die Turbulenzen an den Märkten seien „schmerzhaft, sowohl für Investoren als auch für die Beschäftigten“ von Unternehmen wie der Investmentbank Lehman Brothers, die vor zwei Tagen Insolvenz angemeldet hat. „Aber ich bin zuversichtlich, dass unsere Kapitalmärkte langfristig flexibel und widerstandsfähig genug sind, um mit diesen Anpassungen fertig zu werden“, sagte Bush.

„Die Wurzel der Krise sind Übertreibungen“

Finanzminister Henry Paulson bekräftigte, dass die amerikanische Wirtschaft fundamental stark sei, dass es aber noch eine Weile dauern werde, bis die Schwierigkeiten überwunden seien. „Die Wurzel der Krise sind Übertreibungen, die sich über lange Zeit aufgebaut haben“, sagte Paulson mit Blick auf die Blasen auf dem Immobilienmarkt und die allzu bereitwillige Vergabe von Hypothekendarlehen in den vergangenen Jahren.

Gleichzeitig sagte Paulson, dass Banken und andere Marktakteure, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, nicht automatisch mit Hilfe der Regierung rechnen könnten. Eine staatliche Rettung des angeschlagenen Versicherungskonzerns AIG sei nicht geplant. Er forderte die Marktakteure auf, eine Lösung zu finden. Einem Bericht des Fernsehsenders CNBC zufolge soll die Regierung gleichwohl bereit sei, sich an einer Lösung zu beteiligen.

„Andere Umstände“ bei Lehman Brothers als bei Bear Stearns

Nach Darstellung Paulsons haben sich Finanzministerium und Notenbank dazu entschlossen, den Untergang von Lehman Brothers hinzunehmen, weil die „Umstände ganz andere sind“ als im März, als die Fed mit Zustimmung Paulsons die Investmentbank Bear Stearns durch einen Notkredit über 29 Milliarden Dollar rettete. Wie es aus dem Finanzministerium heißt, sei die Schieflage von Lehman Brothers seit Monaten bekannt gewesen.

Aktionäre und Anleihegläubiger hätten darum lange genug Zeit gehabt, sich auf eine mögliche Insolvenz einzustellen und entsprechend abzusichern. Das sei bei Bear Stearns nicht der Fall gewesen, deren Liquiditätsprobleme sich nahezu über Nacht zugespitzt hätten. Außerdem habe Lehman Brothers im Gegensatz zu Bear Stearns in den vergangenen Monaten Zugang zu den neu geschaffenen Kreditfazilitäten der Fed gehabt und sich dort zusätzliches Geld zur Überwindung von Zahlungsengpässen beschaffen können.

Finanzkrise als Wahlkampfthema

Derweil ist die Finanzkrise auch zum wichtigen Thema im Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft geworden. Beide Kandidaten, Barack Obama und John McCain, gaben gierigen Marktakteuren und Interessengruppen die Schuld an dem Debakel, das nun auch die finanzielle Sicherheit vieler Bürger bedrohe. „Wir erleben, wie Eigeninteresse, Gier, Unverantwortlichkeit und Korruption hart arbeitenden Amerikanern Schaden zufügen“, sagte McCain auf einer Veranstaltung in Florida. Der Republikaner versprach für den Fall seiner Wahl, dass „Wall Street nicht länger wie ein Spielcasino betrieben“ werde. Konkrete Vorschläge machte McCain nicht, sagte aber, dass er den millionenschweren Bonuszahlungen und Abfindungen für Manager ein Ende machen werde, die Unternehmen an den Abgrund und das Vertrauen der Öffentlichkeit enttäuscht hätten. Außerdem bedürfe es dringend einer Neuordnung der Finanzmarktaufsicht. Einige Aufseher hätten offenbar geschlafen, sagte McCain.

Der demokratische Kandidat Obama warf McCain vor, den Ernst der Lage zu verkennen, wenn er das Fundament der Wirtschaft als solide bezeichne. „Was ist wohl grundlegender als ein guter Job und die Fähigkeit, die eigene Familie zu ernähren?“ Amerika befinde sich in der schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, sagte er. Wie McCain hieß auch Obama die Entscheidung von Finanzministerium und Notenbank gut, die Investmentbank Lehman Brothers nicht vor der Insolvenz zu bewahren. Es bedürfe gleichwohl einer Kurskorrektur in der Wirtschaftspolitik, die mit McCain nicht zu machen sei. „Ich stimme seiner wirtschaftspolitischen Philosophie nicht zu, die den Reichen mehr und mehr gibt und nur darauf vertraut, dass davon auch etwas weiter unten ankommt“, sagte Obama.

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Von Werner Mussler, Brüssel

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