Home
http://www.faz.net/-gqg-77061
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Treffen in Moskau G 20 setzt Signal gegen Abwertungswettläufe

Die G-20-Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer erkennt die Sorge vor allem von Schwellenländern an, dass die expansive Geldpolitik in den großen Industriestaaten schädliche Nebeneffekte haben kann.

© AP Vergrößern Die Industrieländer verpflichten sich abermals zum Defizitabbau

Die G-20-Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer hat bei ihrem Treffen in Moskau ein deutliches Signal gegen Abwertungswettläufe gesetzt. Die Mitgliedsländer verpflichteten sich in der Abschlusserklärung, „wettbewerbliche Abwertungen“ zu unterlassen, dem Protektionismus zu entsagen und die Märkte offen zu halten. In der Diskussion um die hohe Staatsverschuldung bekräftigten die Industriestaaten im G-20-Kreis die 2010 in Toronto eingegangene Verpflichtung, nach der die Neuverschuldung bis zu diesem Jahr halbiert werden soll. Sie wollen zudem bis zum Herbst „glaubwürdige mittelfristige fiskalische Strategien erarbeiten“.

Patrick Welter Folgen:    

Die Erklärung der G20 zu Wechselkursen ging über die Erwartungen mancher Teilnehmer des Treffens hinaus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte, sie entspreche dem vorab veröffentlichten Kommuniqué der Siebenergruppe (G7) der großen Industriestaaten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte in einem Gespräch mit der F.A.Z., auch in Zukunft solle nicht mit Protektionismus und Währungsmanipulation auf die in manchen Ländern schwierige Lage reagiert werden. Auf Geldwertstabilität ausgerichtete Geldpolitik sei auch ein Beitrag zu stabilen Wechselkursen: „Mir macht allerdings Sorge, dass die Geldpolitik zunehmend als einziger handlungsfähiger Akteur gesehen wird und von ihr immer mehr erwartet wird.“

Die Vereinigten Staaten sehen einen ersten Schritt zu einer klaren Regelung zu Wechselkursen, wie sie in der G 7 schon lange existiert. Die G 7 hatte in ihrer Erklärung vergangene Woche sehr indirekt Japan kritisiert, weil die Regierung in Tokio zuvor oft über ein angemessenes Wechselkursniveau geredet hatte. In der G-20-Erklärung wurde Japan nicht herausgestellt, kommentierten die Währungsstrategen der Investmentbank Morgan Stanley am Sonntag.

Mehr zum Thema

Die G20 erkennen die Sorge vor allem von Schwellenländern an, dass die expansive Geldpolitik in den großen Industriestaaten schädliche Nebeneffekte haben kann. Der Internationale Währungsfonds soll diese Auswirkungen der lockeren Geldpolitik nun noch näher untersuchen. Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des IWF, erklärte: „Die gute Nachricht ist, dass die G20 mit Kooperation anstatt Konflikt reagiert haben.“ Im Fiskalstreit sicherten die Industriestaaten im G-20-Kreis zu, bis zum Gipfeltreffen in St. Petersburg „glaubwürdige mittelfristige fiskalische Strategien“ zu entwickeln. Die Verpflichtung wird relativiert dadurch, dass bei Umsetzung der Pläne die kurzfristige Wirtschaftslage und der fiskalpolitische Spielraum berücksichtigt werden sollen.

Schäuble betonte, die in Toronto vereinbarten Ziele zum Defizitabbau seien bestätigt worden. „In Petersburg werden Nachfolgeziele vereinbart. Das hat die amerikanische Delegation mitgetragen.“ Aus der amerikanischen Delegation verlautete, die Vereinigten Staaten würden die Vorgabe, das Defizit bis 2013 zu halbieren, erreichen. Dies gilt nach jetzigem Prognosestand indes nur, wenn allein das Defizit der Bundesebene berücksichtigt wird.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Euro verliert an Devisenmärkten Die umstrittene Abwertung

An den Devisenmärkten verliert der Euro an Wert. Während Frankreich und andere Länder begeistert sind, befürchten Ökonomen Schlimmes. Mehr

19.09.2014, 21:13 Uhr | Finanzen
Eintracht Frankfurt verpflichtet Thomas Schaaf

Der ehemalige Werder-Trainer kehrt damit zum Bundesliga-Fußball zurück. Mehr

21.05.2014, 23:38 Uhr | Sport
Bundesbankpräsident Weidmann: Zunehmend Risiken durch EZB-Krisenpolitik

Gerade erst hat die EZB ein weiteres Anti-Krisenpaket aufgelegt. Nun warnt Bundesbankpräsident Jens Weidmann, die Politik könnte in ihren Reformanstrengungen nachlassen. Und das ist noch nicht alles. Mehr

13.09.2014, 17:36 Uhr | Wirtschaft
Schwäne zählen für die Queen

Die Queen ist neben allen anderen Verpflichtungen auch noch Herrscherin über alle frei lebenden Schwäne in Großbritannien - eine Tradition, die bis ins zwölfte Jahrhundert zurückgeht. Deshalb müssen Schwan-Zähler jedes Jahr eine Bestandsaufnahme machen. Mehr

21.07.2014, 14:10 Uhr | Gesellschaft
Hessens Finanzminister kritisiert Schäuble Schuldenbremse nicht lockern

Heftiger Gegenwind aus Hessen: Mit einer Lockerung der Schuldenbremse mache sich die Politik unglaubwürdig, sagt Finanzminister Thomas Schäfer. Mehr

12.09.2014, 18:45 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 17:26 Uhr

Gabriels Kampf für den Freihandel

Von Ralph Bollmann

Das Freihandelsabkommen mit dem geheimnisvollen Namen TTIP wird zur größten Herausforderung für Sigmar Gabriel. Die Zukunft des SPD-Chefs Sigmar Gabriel hängt jetzt am Abkommen mit Amerika. Mehr 46 11


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Alibaba lässt Amazon und Ebay alt aussehen

Alibaba geht an die Börse. Die Erwartungen an den Internetriesen sind groß. Das ist nicht unberechtigt: Die Chinesen haben schon jetzt mehr aktive Nutzer und einen höheren Gewinn als Amazon und Ebay. Mehr Von Anne-Christin Sievers 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden