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Transparenz-Debatte : Ärzten misstrauen

Pharmakonzerne, die Ärzte begünstigen, wollen ihre Zahlungen ab 2016 offen legen Bild: dapd

Ärzte bekommen Geschenke, wenn sie bestimmte Medikamente verordnen. Diese Praxis soll transparenter werden. Die Folge ist paradox: Patienten müssen ihren Ärzten noch mehr misstrauen.

          Wenn gar nix hilft, hilft Transparenz. So klingt der neue Refrain ratloser Funktionäre. Dieses Mal singen sie ein Lied von den Ärzten. Kaum eine andere Berufsgruppe genießt mehr Vertrauen, mehr als 80 Prozent der Deutschen spricht ihnen ihr Vertrauen aus. Doch die Ärzte bekommen viel Geld von den Pharmafirmen.

          Ärzte fahren kostenlos zu Fortbildungen, sie bekommen Vortragshonorare, gelegentlich auch Geld für Arzneistudien. Und das sind nur die erlaubten Zahlungen. Da argwöhnen viele, dass der Arzt nicht mehr das Medikament verschreibt, das dem Patienten nutzt. Sondern das, von dem er selbst profitiert. Im Sommer hat der Bundesgerichtshof sogar entschieden: Ärzte können fürs Verordnen Geschenke von Pharmafirmen bekommen - Strafen gibt es nicht.

          Während die Politik neue Gesetze diskutiert, kündigen die Pharmafirmen an: Sie werden transparenter. Sie wollen alles veröffentlichen, was sie Ärzten zahlen, allerdings erst 2016.

          Überschätzte Transparenz

          Jetzt sollen auch die Ärzte transparenter werden, so wie es nach Peer Steinbrück auch Politiker werden sollen und nach der Finanzkrise die Bankberater. Doch darunter könnte die Moral leiden.

          Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass Transparenz gelegentlich ethische Fragen in den Hintergrund drängt. Wenn Bankberater ihre Provisionen offenlegen müssen, empfehlen sie oft umso ungehemmter das, was ihnen nützt. Schließlich kann der Kunde sich ja informieren.

          Auf die Ärzte übertragen, kann das bedeuten: Wo der intransparente Arzt oft nicht dem Geld nachgibt, sondern sich an seinen hippokratischen Eid erinnert, da sagt der transparente Arzt: „Mein Patient kann es ja wissen“ - und verschreibt locker das Medikament, für das er bezahlt wird.

          Wer Transparenz und Kontrolle haben möchte, muss auch die Verantwortung übernehmen. Wenn die Patienten mehr über die Ärzte wissen, müssen sie sie auch mehr kontrollieren. Sie müssen ihr Vertrauen durch Misstrauen ersetzen. Die Informationen dazu haben sie dann ja.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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          Quelle: FAZ.net

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