24.08.2006 · Dank Thomas Krupke ist das Berliner Photovoltaik-Unternehmen Solon seinem Markt voraus. Privat reist der Solon-Chef seiner im Auswärtigen Amt tätigen Ehefrau regelmäßig hinterher.
Von Christian GeinitzWer mit einer Diplomatin verheiratet ist, kommt viel herum. Thomas Krupke hat unter anderem zwei Jahre in Moskau und vier Jahre in Spanien gelebt, während seine Frau dort für das Auswärtige Amt arbeitete. „Wir haben eine klare Lebensvereinbarung: Im Ausland verdient sie das Geld, im Inland ich“, sagt der 44 Jahre alte Vater zweier Töchter mit einem Lächeln auf den Lippen.
Derzeit, in Berlin, ist er am Zug, und das sehr erfolgreich: Krupke übernimmt auf der Hauptversammlung des Solarzellenherstellers Solon den Posten des Vorstandsvorsitzenden, zusätzlich zu seinen Aufgaben als Finanzvorstand. Sein bisheriger Chef, Alexander Voigt, wechselt in den Aufsichtsrat.
„Männlein für alles“
Die Ämterfülle ist für Krupke nichts Neues, er selbst bezeichnet sich als „Männlein für alles“ im Unternehmen, wo er auch schon für das Personal und den Einkauf zuständig war. Ein Vorstandsamt anzunehmen, hat er sich lange geziert, weil er erst einmal das Unternehmen „auf Vordermann“ bringen wollte. Das hat er offenbar erreicht: Der Umsatz hat sich seit seinem Eintritt 2002 auf mehr als 200 Millionen Euro fast verzehnfacht, die Mitarbeiterzahl auf 500 verfünffacht. Für dieses Jahr erwartet er Erlöse von 350 bis 400 Millionen Euro, „bei einer entsprechenden Verbesserung des Ergebnisses“, wie er sagt. 2005 hatten das Betriebsergebnis (Ebit) 14,5 und der Überschuß 7,9 Millionen Euro betragen.
Auch wenn Krupke beteuert, der Erfolg sei nicht ihm allein, sondern „dem Team“ zu verdanken, bezweifelt doch niemand in der Branche seine großen persönlichen Verdienste. Wenn man ihn deshalb zuweilen den „Sonnenkönig“ nennt, bezieht sich das nicht auf seinen Führungsstil und sein gewichtiges Äußeres. Gemeint ist vielmehr seine positive Ausstrahlung auf und für das Solarunternehmen, das in den vergangenen Jahren noch schneller gewachsen ist als der ohnehin florierende Photovoltaikmarkt.
„Solar-Boom“ rettet vor Insolvenz
Als Krupke im April 2002 als externer Sanierungsberater ins Unternehmen kam, war man davon weit entfernt. Schlecht am Markt aufgestellt, unzulänglich geführt und personell ausgestattet, stand die „Kreuzberger Hinterhofgründung“, wie Krupke sie nennt, kurz vor der Insolvenz. Mit einer Roßkur, personellen Umstrukturierungen, neuen Marketing- und Kommunikationskonzepten riß Krupke das Steuer herum, wobei er zugibt, daß ihm der „Solar-Boom“ und die gezielte politische Bevorzugung der erneuerbaren Energien einigen Rückenwind bescherten. Als das 1998 an die Börse gegangene Unternehmen im ersten Quartal 2004 wieder schwarze Zahlen schrieb, nahm Krupke endlich das Angebot an, Finanzvorstand zu werden.
Jetzt, als Doppelvorstand, wartet weiter viel Arbeit auf ihn. Solon muß wie jedes Unternehmen der Branche seine Kosten jedes Jahr um mindestens 5 Prozent senken, um mit dem Abschmelzen der staatlichen Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Schritt zu halten. In acht bis zehn Jahren, so der frisch gekürte Chef, werde man mit den anderen Energieträgern konkurrenzfähig sein. „Der Kostendruck geht natürlich auf die Umsatzrendite: 3 Prozent sind ja nicht gerade luxuriös“, sagt Krupke, der nach einer Lehre in der Sparkasse seiner Heimatstadt Bonn ebendort und in München Jura studierte. Man wolle „irgendwann auch mal richtig Geld verdienen“, wobei die Gewinnspanne bei einem Wareneinsatz von mehr als 80 Prozent immer überschaubar bleiben werde, wie er einschränkt.
Jeder dritte Euro aus dem Auslandsgeschäft
Unklar ist, ob Krupke, der seine Karriere 1987 als Wertpapierhändler in der Paul Berwein Börsenmakler GmbH begann, die Wettbewerbsfähigkeit des Sonnenstroms an der Steckdose noch in Berlin erleben wird. Angesichts des Berufs seiner Ehefrau stehe irgendwann wieder ein Auslandseinsatz an, prognostiziert er. Sein Unternehmen müßte Krupke dennoch nicht verlassen, denn Solon ist zunehmend im Ausland aktiv: Schon jeden dritten Euro setzt die Gesellschaft außerhalb Deutschlands um, vor allem dort, wo die Sonne öfter scheint.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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