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Teure Gesundheit Begehrte Pharma-Pfründe

03.02.2010 ·  Die reiche Pharmaindustrie wird substantielle finanzielle Beiträge leisten müssen, um dem Gesundheitssystem auf die Beine zu helfen. In fast allen westlichen Ländern nehmen die Nöte zu, analysiert die F.A.Z. -Wirtschaftsredaktion - ein Überblick.

Von Michael Psotta
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Der Blick auf die wirtschaftliche Lage der forschenden Pharmaindustrie dürfte so manchen Neid erzeugen. Selbst im globalen Krisenjahr 2009 gelang es den Branchenvertretern ganz überwiegend, ihre Gewinne stabil zu halten. Auch deren Höhe sticht hervor: Zweistellige Nettoumsatzrenditen sind keineswegs Ausreißer. Der Schweizer Novartis-Konzern beispielsweise verbucht gleich ein Viertel seines Umsatzes als Nettogewinn. Bei den deutschen Pharmakonzernen ist die Rendite zwar etwas geringer. Doch das liegt im Wesentlichen daran, dass zwei der drei international bedeutenden Anbieter, Bayer und Merck, Mischkonzerne sind, deren Chemiezweige das Konzernergebnis verwässern. Der Dritte in dieser Runde, der Pharmaspezialist Boehringer Ingelheim, reiht sich mit seinen Ergebnissen nahtlos in die renditestarke internationale Branche ein.

Der Blick auf die Ergebnisse der Pharmabranche ruft indessen nicht nur Neid und Bewunderung hervor, sondern zunehmend auch Begehrlichkeiten. Immerhin sind die Konzerne einer der wenigen großen Gewinner am Gesundheitsmarkt neben der Medizintechnik und einigen Krankenhausbetreibern. In fast allen westlichen Gesundheitssystemen aber nehmen die finanziellen Nöte stark zu, nicht zuletzt, weil die Menschen immer älter werden und deshalb mehr medizinische Leistungen benötigen - wie die Artikel über die Gesundheitssysteme in ausgewählten Ländern zeigen. Da liegt der Gedanke nahe, die reiche Pharmaindustrie um substantielle finanzielle Beiträge zu bitten, um dem kränkelnden Gesundheitswesen auf die Beine zu helfen.

In einem Teil der Pharmaindustrie ist das in Deutschland schon gelungen. Die Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) haben durch neuartige Rabattverträge starke Preisnachlässe hinnehmen müssen. Für die wenigen Gewinner eines solchen Vertrages mit der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es einen Ausgleich in Form eines hohen Absatzes. Die Verlierer aber, die vor allem im Mittelstand zu finden sind, stehen vor existentiellen Bedrohungen. Hier hat die Gesundheitspolitik zwar ein wichtiges Ziel erreicht, die Verringerung der Medikamentenpreise, doch dies auf Kosten der Vielfalt unter den Anbietern.

Ein hochriskantes Geschäftsmodell

Mit den Herstellern selbsterforschter Medikamente tut sich die Politik erheblich schwerer. Diese Konzerne rechtfertigen ihre hohen Gewinne grundsätzlich damit, dass diese notwendig seien, um die aufwendige Forschung und Entwicklung zu finanzieren. Dieses Argument lohnt eine nähere Betrachtung. Es ist in der Tat höchst aufwendig, ein neues Medikament zu entwickeln. Von ersten Forschungsschritten bis zur Zulassung können mehr als 15 Jahre vergehen, der Aufwand kann dabei die Milliardenmarke übertreffen. Zugleich ist es ein hochriskantes Geschäftsmodell: So manches Medikament ist selbst kurz vor dem Abschluss der langjährigen klinischen Entwicklung noch gescheitert.

Andererseits bietet das Modell große Chancen: Wer ein Medikament auf den Markt gebracht hat, darf wegen des Patentschutzes für viele Jahre monopolartige Gewinne bei meist vernachlässigbaren Herstellkosten einfahren. Dies erklärt die hohe Rendite der Branche. Und diese Rendite ist offenbar branchenweit auch mehr als ausreichend, um die teure Forschung und Rückschläge in der Entwicklung zu tragen. Dem Argument jedenfalls, dass hohe Gewinne wegen der hohen Forschungskosten notwendig seien, darf man entgegenhalten, dass diese Aufwendungen bei der Gewinnermittlung schon berücksichtigt sind.

Hinzu kommt allerdings, dass der ertragreiche Patentschutz endlich ist. In der Tat ist es etwa dem Altana-Konzern nicht gelungen, einen Nachfolger für seinen einzigen Kassenschlager zu finden, so dass er letztlich zerschlagen werden musste. Das allerdings ist ein Risiko, das auch Volkswagen mit seinem Käfer hatte - und glücklich mit dem Nachfolger Golf bannen konnte.

Klugerweise scheint die Pharmaindustrie die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Jedenfalls bietet der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller der deutschen Gesundheitspolitik an, über Preise und Verträge neu zu verhandeln. Zu diesen Verhandlungen soll es nach den Ankündigungen des Gesundheitsministers Philipp Rösler demnächst kommen. Somit dürfte bald Schluss sein mit der merkwürdigen deutschen Regelung, dass die Pharmakonzerne die Preise ihrer Produkte nach der Zulassung selbst festlegen können.

Eine zentrale Rolle wird schließlich das relativ junge Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) spielen, dessen Spitze demnächst neu besetzt wird. Das Institut soll Nutzen und Kosten von Medikamenten abwägen und Erstattungsempfehlungen für die Kassen geben. Damit wird der künftige IQWiG-Chef zumindest indirekt den Druck auf die Pharmapreise erhöhen. In diesem Umfeld tut die Pharmaindustrie gut daran, selbst konstruktive Vorschläge zu machen - um nicht vom Gewinner zum Verlierer der anstehenden Reformen zu werden.

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