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Amerikas Autobranche : Tesla first!

Tesla ist vor allem in Kalifornien gefragt. Bild: Reuters

Deutschland diskutiert die Zukunft seiner Autoindustrie, Frankreich und Großbritannien wollen den Verbrennungsmotor abschaffen. Und Amerika? Auch Washington fördert klammheimlich weiter Elektroautos – Trumps Gerede über Kohle und Öl zum Trotz.

          Während viele Länder das Verbot von Verbrennungsmotoren planen, ticken die Uhren in den Vereinigten Staaten anders. Hier haben die Antriebsarten, die auf der Verbrennung von Treibstoff basieren, noch eine Zukunft. Eine der frühen Entscheidungen des Präsidenten Donald Trump war es, die Auflage für CO2-Emmissionen von Autos einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Er wies unter Beifall führender Vertreter der amerikanischen Autoindustrie  das Bundesumweltschutzamt EPA an, die 2012 gemeinsam mit der Autoindustrie festgelegten Standards zu hinterfragen und im Zweifel aufzuweichen. Die Vereinbarung von 2012 sah vor, dass Autos 2025 nur noch 4,3 Liter je 100 Kilometer verbrauchen sollen. In seinem letzten Monat im Amt bestätigte Präsident Barack Obama das Ziel. 

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Doch die Autoindustrie kämpft mit dem Problem, dass in Amerika in den letzten Jahren angesichts der niedrigen Benzinpreise Treibstoffschlucker wie die Pick up-Flotten von Ford, General Motors und Toyota immer beliebter werden. Seit Ende 2013 steigen die Emissionen der Fahrzeugflotte wieder, nachdem sie jahrelang zurückgegangen waren. Die Leute fahren wieder längere Strecken und dickere Autos, belegen Untersuchungen der Universität von Michigan.

          Auf 200.000 Autos begrenzt - pro Konzern

          Trotz der Zuneigung zu Verbrennungsmotoren fördern sowohl Bundesregierung als auch viele Bundesstaaten amerikanische Elektroautos zum Teil mit großzügigen Subventionsprogrammen. Das Bundesprogramm  zur Absatzförderung, das pro verkauftem Elektroauto bis 7500 Dollar Subventionen gewährt, ist auf eine Stückzahl von 200.000 pro Hersteller begrenzt. Ist die erreicht, halbiert sich die Fördersumme und verschwindet schließlich. Beim Autokauf im richtigen Bundesland können noch einige 1000 Dollar hinzukommen. Allerdings streichen immer mehr Bundesstaaten ihre Förderprogramme zusammen. Die New York Times hat vorgerechnet, dass von einst 25 nur noch 16 Bundesstaaten die Anschaffung von Elektroautos fördern.

          Finanzielle Gründe spielen eine Rolle. Dazu kommt die Enttäuschung, dass die Programme nicht die erhoffte große Wirkung entfachte. Der Marktanteil pendelte sich trotzdem nur bei 1 Prozent ein. Ein Ausreißer bildet Kalifornien, wo sich dank eines umfangreichen Förderprogramms der Marktanteil auf knapp 3 Prozent erhöht hat. Damit endet die Ambitionen des Bundesstaates nicht. Die kalifornische Abgeordnetenkammer hat im Juli ein Subventionsprogramm verabschiedet, dass sich wie ein Förderprogramm für das Autounternehmen Tesla liest. Mit drei Milliarden Dollar will der Bundesstaat die Anschaffung von Elektroautos fördern. Der größte Profiteur dürfte Tesla sein. Es käme gerade rechtzeitig.

          Der Kultkonzern hat eine Herausforderung zu überwinden - das besagte Bundesprogramm zur Absatzförderung. Doch dann würde wohl Kalifornien einspringen, wo das Unternehmen ohnehin knapp die Hälfte seiner Autos verkauft.  Das Gesetz könnte Käufern zehntausende Dollar einsparen, sollte es Wirklichkeit werden. Im Moment stockt es im kalifornischen Senat, zudem ist die Finanzierung nicht gesichert. Es macht sich Widerstand breit. Wieso müsse man die Autofirma eines Milliardärs und die Autokäufe von Millionären subventionieren, fragt etwa ein republikanischer Abgeordneter.

          Tatsächlich fließt ein Großteil der Subventionen der oberen Mittelschicht zu. Tesla-Chef Musk hat in mehreren Analystengesprächen für eine Abschaffung der Subventionen geworben und Leute als Dummköpfe bezeichnet, die nahelegten, Tesla verdanke seine Existenz vor allem Subventionen. Sein Argument ist, dass andere Konzerne relativ stärker von der Staatshilfe profitieren. Seine Lobbyisten kämpfen allerdings für die Subventionen, berichten Landespolitiker aus Kalifornien. Kein Wunder: Überall, wo Subventionen wegfielen, fielen die Absätze, zum teil dramatisch.    

          Was den Elektroautos Auftrieb geben könnte, sind Kaliforniens Umweltgesetze, die auf Autos ohne Emissionen zielen. Die Gesetze sind von neun Ostküsten-Bundesstaaten übernommen. Die Null-Emissionsgesetz zwingt die Unternehmen, den Anteil ihrer Autos ohne Verbrennungsmotor zu erhöhen. Jedes verkaufte Elektroauto bringt Kreditpunkte. Jedes Autounternehmen muss eine bestimmte Anzahl von Kreditpunkten vorweisen. Die vorgeschriebene Anzahl steigt Jahr für Jahr. Kreditpunkte können auch von anderen Autofirmen erworben werden. Nur wenige Firmen setzen wie Tesla nur auf Autos ohne Verbrennungsantrieb und haben deshalb Kreditpunkte zum Weiterverkaufen übrig. Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass Kalifornien Tesla helfen wollte.

          Quelle: FAZ.NET

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