13.03.2009 · In der Telekom-Spitzelaffäre hat es eine Razzia bei dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Zumwinkel und dem früheren Konzernchef Ricke gegeben. In der Affäre geht es darum, dass die Sicherheitsabteilung der Telekom Aufsichtsräte und Journalisten ausgespäht haben soll, um Informationslecks zu finden.
Von Helmut BünderDie Bonner Staatsanwaltschaft hat in der Telekom-Spitzelaffäre den Wohnsitz des ehemaligen Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel am Gardasee und das Haus des ehemaligen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke in der Schweiz durchsuchen lassen. Der Sprecher der Anklagebehörde, Fred Apostel, bestätigte am Freitagmorgen die Durchsuchungen. Im Fall Zumwinkels hätten die italienischen Behörden Rechtshilfe geleistet. Eine Razzia habe es nicht nur in Zumwinkels und Rickes Anwesen, sondern auch im Haus von Rickes Ehefrau am bayerischen Ammersee gegeben. Anlass der Durchsuchungen seien die „laufenden Ermittlungen“, sagte Apostel.
Am Mittwoch besuchten die Ermittler nach Informationen der F.A.Z. den Posttower in Bonn. Am frühen Morgen, noch vor der Pressekonferenz, auf der die Deutsche Post ihre Strategie 2015 vorstellte, haben Beamte der Bonner Staatsanwaltschaft das Büro von Vorstandsmitglied Hermann Ude durchsucht. Die Razzia galt Hinweisen auf die Spitzelaffäre. Ude war mehrere Jahre Büroleiter des früheren Vorstandschefs Zumwinkel, der vor gut einem Jahr über seine Steueraffäre gestolpert ist.
Keinerlei Unterlagen sichergestellt
Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den einstigen Konzernchef auch wegen einer möglichen Beteiligung an der Ausspähung von Journalisten und Aufsichtsmitgliedern. Zumwinkel soll die Konzernsicherheit angewiesen haben, Telefondaten abzugleichen, um herauszufinden, wer interne Informationen an die Presse weitergegeben hat. Die Vermutung, dass sich in Udes Büro Anhaltspunkte für diesen Verdacht finden ließen, hat sich nicht bestätigt. Wie der Bonner Oberstaatsanwalt Apostel sagte, wurden keinerlei Unterlagen sichergestellt. Weder die Post noch Ude sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Sie würden als „unbeteiligte Dritte“ behandelt, sagte Apostel.
Im Laufe der Woche hatte die Staatsanwaltschaft auch Zumwinkels Schloss in Italien sowie sein früheres Wohnhaus in Köln durchsucht. Dabei sollen unter anderem zwei Rechner beschlagnahmt worden sein. Apostel wollte das nicht bestätigen.
Früherer Mitarbeiter belastet Zumwinkel und Ricke
Ebenso wie Zumwinkel wird Ricke vor allem durch Aussagen eines früheren Mitarbeiters der Konzernsicherheit, Klaus T., belastet. T. sitzt seit einigen Monaten in Untersuchungshaft. Nach einer Haftbeschwerde stehe in Kürze ein neuer Haftprüfungstermin an, sagte Apostel. Er wollte sich nicht dazu äußern, ob es über die Aussagen von T. hinaus Material gibt, das den Verdacht gegen Zumwinkel und Ricke unterstützt. Die Staatsanwaltschaft strebe an, die Ermittlungen möglichst bis zum Frühsommer abzuschließen, sagte Apostel.
Die Telekom hatte im Mai vergangenen Jahres Strafanzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Ziel der Aktion soll es gewesen sein, die Weitergabe von Interna an die Öffentlichkeit zu verhindern. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richteten sich vor allem gegen acht Personen; darunter waren auch Zumwinkel und Ricke.
Zumwinkel hat eine Mitverantwortung zurückgewiesen. Er habe sich in dieser Sache nichts vorzuwerfen, sagte er im Januar der F.A.Z. (siehe dazu auch: Zumwinkel im F.A.Z.-Gespräch: „Auch Diebe und Hehler müssten vor die Justiz“ ). Als damaliger Aufsichtsrat, auch als Vorsitzender des Gremiums, habe er keine Weisungsbefugnis gehabt. Das operative Geschäft habe der Vorstand geführt.
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