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Teil 8: Computer Umweltschutz mit dem Computer

10.09.2007 ·  Umweltschutz liegt auch in der IT-Branche voll im Trend. Von grünen PCs über energiesparende Servertechnologie bis hin zu modernster Gebäudetechnik werden viele Anstrengungen unternommen. Fujitsu Siemens Computers ist seinen Konkurrenten einen großen Schritt voraus.

Von Uta Bittner
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Am Ende eines Computerlebens bleibt meist nur ein Haufen Schrott. Der will umweltverträglich entsorgt sein. Etwa 11 Prozent des gesamten Elektroschrotts stammen von der Informationstechnologie (IT), also von Computern, Bildschirmen und dem breiten Feld an Zubehörteilen. Der Gesetzgeber hat entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen, damit die Überreste der altersschwachen Informationstechnologie umweltgerecht entsorgt werden.

Umsetzen müssen diese die Computerhersteller, allen voran der in Europa produzierende Computerkonzern Fujitsu Siemens Computers (FSC). FSC hat schon lange reagiert und die Verantwortung für Produkte aus dem eigenen Hause übernommen. Dabei setzt das Unternehmen, das in seinen Werken in Augsburg und Sömmerda 2400 Mitarbeiter beschäftigt, auf die gesamte Wertschöpfungskette. Nicht erst bei der Entsorgung, so die FSC-Unternehmensleitlinie, solle das Umweltengagement greifen. Vielmehr sei es wichtig, schon bei der Planung und insbesondere der Herstellung von Computern und ihren Komponenten darauf zu achten, dass keine gefährlichen Substanzen Mensch und Umwelt gefährden und das ökologische Gleichgewicht belasten.

„Wir wollen für Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen“

„Als führender europäischer IT-Hersteller sehen wir es als unsere Aufgabe an, verantwortungsbewusst für Umwelt und Gesellschaft einzutreten. Mit dem Green-PC-Portfolio und den neuen energieeffizienten Server-Produkten setzt FSC schon heute Maßstäbe in Sachen Umweltbewusstsein“, sagt Joseph Reger, der als Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer für die Technikbereiche beim Computerhersteller Fujitsu Siemens Computers zuständig ist. „Wir wollen für Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen“, erklärt Reger. Dabei gehe es um einen ganzheitlichen Ansatz von der ressourcenschonenden Fertigung umweltfreundlicher Produkte über die Wiedervermarktung bis zum Recycling.

Mit seiner Unternehmensrichtlinie „für die Entwicklung und Herstellung umweltbewusster Produkte“ liegt der Hersteller nach eigenen Angaben schon heute weit über den gesetzlich geforderten Auflagen. So habe FSC, noch bevor das Gesetz zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten in Kraft trat, seine Computer bleifrei zusammengelötet, heißt es von FSC-Seite. Doch von Zurücklehnen kann keine Rede sein: So rechnet der Computerhersteller damit, dass es von 2008 an neue Gesetze geben wird. „Grüne IT“ ist kein Einmalprojekt.

1,5 Kilogramm Abfall je Computer

Das Ende der Umweltbewegung in der IT dürfte noch nicht erreicht sein. Immer mehr Computer werden nachgefragt, denn das Datenvolumen steigt und mit ihm der Bedarf an Rechen- und Speicherkapazitäten. Um die immer leistungsfähigeren Computer und Netzwerkrechner (Server) am Laufen zu halten, benötigt man eine Menge Energie – nicht zuletzt auch, um die heißlaufenden Rechenmaschinen zu kühlen.

FSC wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass das Unternehmen schon seit Jahren die gesetzlichen Vorschriften übererfülle. Der Produktionsprozess sei ganz auf Umweltschonung getrimmt. So besitzt das 1999 von Siemens und dem japanischen Fujitsu-Konzern gegründete Gemeinschaftsunternehmen nach eigenen Angaben die „modernsten Computer-Fertigungsanlagen in Europa“. Und genau dort hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren seine Prozesse verbessert und auf eine umweltschonende Produktion umgestellt: In der Logistik und Materialbeschaffung reduzierte FSC das Verpackungsvolumen und versucht, die Produkte – „wenn möglich“ – mit Seefracht zu verschicken, der Umwelt zuliebe.

In der Produktion habe der Computerbauer den Energie- und Wasserverbrauch deutlich gesenkt, heißt es. Allein im Werk Augsburg führten verkürzte Prüfzeiten bei den Geräten dazu, dass nur noch 40 Prozent der zuvor benötigten Strommenge gebraucht wird. Und weil die Augsburger inzwischen auch darauf achten, dass die einzelnen Geräte nicht so viel Verpackungsmaterialien in Anspruch nehmen, ging das Abfallvolumen je Gerät seit 1993 bis heute um etwa 70 Prozent zurück. Heute fallen nur noch etwa 1,5 Kilogramm Abfall je Computer an. Keine kleine Einsparung, denn immerhin werden im Augsburger Werk jährlich 3,2 Millionen Server, Notebooks und Personal Computer produziert. In Sömmerda, wo Geräte für den Privatkundenmarkt hergestellt werden, liegt die Produktionskapazität bei etwa 830 000 Systemen im Jahr.

Vollständig kohlendioxidfreie Informationstechnologie

Auch die Produkte selbst werden immer „grüner“. Sie sind mit verschiedenen Umweltgütesiegeln ausgezeichnet, wie zum Beispiel dem Blauen Engel, dem Nordic Swan oder dem Energy Star. „Bereits 1992 haben wir die erste Richtlinie zum umweltfreundlichen Produktdesign verabschiedet“, sagt Reger. Im Jahr 1993 folgte dann der erste Green PC mit automatischer Stromsparfunktion. „Weitere Meilensteine waren 2005 der erste stromsparende Esprimo PC und im Mai 2006 der E5615, ein PC, mit dem sich bereits knapp ein Viertel der Stromkosten verglichen mit einem Standard PC einsparen ließen“, hebt Reger hervor. Und auch bei Großrechnern geht der Trend zum Energiesparen. „Im Juli 2007 haben wir den energieeffizientesten Standardserver der Welt vorgestellt: den Primergy TX120. Fujitsu Siemens Computers erfüllt damit bereits heute mehr als die vorgeschriebenen gesetzlichen und marktüblichen Umweltstandards“, sagt Reger.

Das dürfte vor allem Betreiber von großen Rechenzentren freuen, die durch energieeffizientere Server erhebliche Kosten einsparen können. Denn Stromsparen wird angesichts steigender Energiepreise immer wichtiger. „Strom ist im IT-Bereich der größte Kostenfaktor“, sagt Damian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Berliner Strato AG. Das Unternehmen ist mit mehr als drei Millionen Internetadressen („Domains“) und mehr als einer Million Kundenverträgen Europas zweitgrößter Anbieter von Internetspeicherplatz (von Fachleuten „Webhoster“ genannt). Die Datenmenge des Internet, die sich nach Strato-Angaben alle vier Monate verdoppelt, treibt auch den Stromverbrauch bei den Berlinern in die Höhe. Hier zu sparen und auf regenerativen Strom umzusatteln, ist Labsal für die Umwelt.

Die Strato AG hat erst kürzlich ihre Rechenzentren in Berlin und Karlsruhe komplett auf Öko-Strom umgestellt. „Ohne Aufpreis“, wie Schmidt betont. Strato bezieht nun nur noch Strom aus erneuerbaren Energien und senkt damit nach eigenen Angaben den Kohlendioxidausstoß um rund 15 000 Tonnen. „Die Datenmenge im Internet verdoppelt sich alle vier Monate. Dadurch steigt der Strombedarf der Rechenzentren und verursacht wachsende Kosten“, sagt Schmidt. Das Ziel der Strato AG ist eine vollständig kohlendioxidfreie Informationstechnologie. Weit davon entfernt sind die Berliner nicht mehr. „Alle Gerätekomponenten werden nach Energieeffizienz ausgesucht“, fügt Schmidt hinzu. Die Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland reagieren nicht nur, sie agieren: „In Kooperation mit der Technischen Universität Berlin entwickelt Strato eine Luftkühlung für die Rechenzentren, die auf der zukunftsweisenden Klimatechnik des A380 basiert“, sagt Schmidt.

Altruistische Umweltschutzgötter

Ein grünes Rechenzentrum fängt bei der Gebäudetechnik an. Hausbauer kennen das: Schon eine ausgeklügelte Wärmedämmung hilft, zukünftige Energiekosten für die Kühlung oder Beheizung zu reduzieren. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch der weltgrößte Finanzdienstleister, die amerikanische Citigroup. Sie baut in Frankfurt ein Rechenzentrum, das durch ökologische Bauweise und modernste Server-Technologien hervorstechen und einen 25 Prozent niedrigeren Energieverbrauch ausweisen soll, als dies bei herkömmlichen Rechenzentren vergleichbarer Größe derzeit der Fall ist.

So lobenswert das Umweltengagement der Computerhersteller und der Betreiber von Rechenzentren auch ist, altruistische Umweltschutzgötter sind sie deshalb nicht. Umwelttechnologien sind ein nicht zu unterschätzender Innovationsmotor, heißt es bei FSC. Und auch Strato betont, dass ökonomische Überlegungen eine wesentliche Rolle beim Umstieg spielen würden. „Effizienterer Energieeinsatz und klimaschonende Stromgewinnung sind eine Investition in die Zukunft“, sagt Schmidt. Grün zu denken und zu handeln zahlt sich aus.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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