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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2007, 21:10 Uhr

Tarifpolitik Metaller dringen auf deutliche Lohnerhöhung

Die gute Konjunkturentwicklung lässt die IG Metall für 2007 auf großzügige Lohnerhöhungen hoffen. Auch andere Gewerkschaften sehen keinen Grund zur Bescheidenheit. Sie halten den anstehenden Metallabschluss für richtungweisend.

© AP Die Metaller wollen mehr als fünf Prozent fordern

Die IG Metall sieht keinen Anlass zur Lohnzurückhaltung in der Tarifrunde 2007. „Die Situation der Unternehmen ist extraordinär gut, auch die Mittelständler haben keinen Grund zur Klage“, sagte der für die Tarifpolitik verantwortliche zweite Vorsitzende, Berthold Huber der Deutschen Presse-Agentur. Die Forderung der IG Metall für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche werde daher über den zuletzt verlangten fünf Prozent liegen.

Angesichts der guten Konjunkturentwicklung mit seit Jahren erheblich steigenden Unternehmensgewinnen gebe es „keinen Anlass, Zugeständnisse an die Arbeitgeber zu machen“, stellte Huber klar. „Niemand kann die wirtschaftliche Lage in irgendeiner Form schwarzmalen“, bekräftigte Gewerkschaftschef Jürgen Peters im Deutschlandfunk.

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Zur genauen Forderungshöhe äußerte sich Huber nicht, deutete erstmals aber indirekt eine mögliche Obergrenze von 6,5 Prozent an. So hoch liege der Verteilungsspielraum, sagte Huber, wenn sich die Gewerkschaft nicht wie traditionell üblich an der Summe aus gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsentwicklung und erwarteter Inflationsrate orientiere (4,1 Prozent), sondern zudem die besonders günstige Branchenkonjunktur berücksichtige, die auch in die Tarifforderung einfließen werde.

Berhold  Huber IG Metall © Wolfgang Eilmes Vergrößern Einmalbeträge können nur „die Sahne obendrauf” sein: Huber

„Die Sahne obendrauf“

Eine Zweiteilung des Abschlusses in eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte und eine zusätzliche prozentuale Einmalzahlung, wie sie den Arbeitgebern vorschwebt, lehnte Huber ab. Oberstes Anliegen der Gewerkschaft sei es, „dass die Menschen strukturwirksam ihre Löhne und Gehälter erhöht bekommen, weil ihre eigene Lebenssituation nicht von Einmalbeträgen abhängt“. Diese könnten immer nur „die Sahne obendrauf“ sein.

Peters stellte klar, dass die höhere Mehrwertsteuer indirekt über die Preisentwicklung in der Forderung berücksichtigt werde. Für eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank gebe es keinen Grund. Bei einem Lohnkostenanteil von 20 Prozent in der Metall- und Elektroindustrie treibe eine Tariferhöhung von 3 Prozent die Kosten nur um 0,8 Prozent nach oben. „Daraus eine Inflation abzuleiten halte ich für abenteuerlich.“

Einmischungen verbeten

Auch andere Gewerkschaften erwarten deutliche Lohnerhöhungen. „Die gute Branchensituation muss sich im Tarifvertrag widerspiegeln“, sagte der Vorsitzende der IG Bergbau-Chemie-Energie, Hubertus Schmoldt, der Nachrichtenagentur AP. Die Chemieindustrie wird als erste Branche im neuen Jahr mit Tarifverhandlungen beginnen. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, nannte den anstehenden Metallabschluss richtungweisend. „Klar ist, dass wir bei anziehender Konjunktur und den fulminanten Exporterfolgen deutliche Erwartungen an eine lohnorientierte Tarifrunde haben.“ Der Vorsitzende der IG Bau, Klaus Wiesehügel, sagte, angesichts der guten Konjunkturlage gebe es überhaupt keinen Grund zur Bescheidenheit. Er erwarte eine „anständige“ Lohnerhöhung.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) appellierte an die „Klugheit der Tarifpartner, die ihre Verantwortung in den letzten Jahren wahrgenommen haben. Löhne sind eben beides: Kosten und Kaufkraft.“

Huber nannte die Ermunterungen einzelner Politiker zu höheren Tarifabschlüssen scheinheilig. Die Politik könne den Leuten nicht erst die Kürzung der Pendlerpauschale und eine höhere Mehrwertsteuer zumuten und dann die Tarifparteien zu einer offensiven Tarifpolitik auffordern. Auch Schmoldt und Wiesehügel verbaten sich Einmischungen: Ratschläge von Politikern, die ständig ihre Meinung änderten, seien vollkommen überflüssig.

Quelle: nf. / F.A.Z., 02.01.2007, Nr. 1 / Seite 11

 

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