Home
http://www.faz.net/-gqg-u6yd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Tarifpolitik Metaller dringen auf deutliche Lohnerhöhung

 ·  Die gute Konjunkturentwicklung lässt die IG Metall für 2007 auf großzügige Lohnerhöhungen hoffen. Auch andere Gewerkschaften sehen keinen Grund zur Bescheidenheit. Sie halten den anstehenden Metallabschluss für richtungweisend.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (1)

Die IG Metall sieht keinen Anlass zur Lohnzurückhaltung in der Tarifrunde 2007. „Die Situation der Unternehmen ist extraordinär gut, auch die Mittelständler haben keinen Grund zur Klage“, sagte der für die Tarifpolitik verantwortliche zweite Vorsitzende, Berthold Huber der Deutschen Presse-Agentur. Die Forderung der IG Metall für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche werde daher über den zuletzt verlangten fünf Prozent liegen.

Angesichts der guten Konjunkturentwicklung mit seit Jahren erheblich steigenden Unternehmensgewinnen gebe es „keinen Anlass, Zugeständnisse an die Arbeitgeber zu machen“, stellte Huber klar. „Niemand kann die wirtschaftliche Lage in irgendeiner Form schwarzmalen“, bekräftigte Gewerkschaftschef Jürgen Peters im Deutschlandfunk.

Zur genauen Forderungshöhe äußerte sich Huber nicht, deutete erstmals aber indirekt eine mögliche Obergrenze von 6,5 Prozent an. So hoch liege der Verteilungsspielraum, sagte Huber, wenn sich die Gewerkschaft nicht wie traditionell üblich an der Summe aus gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsentwicklung und erwarteter Inflationsrate orientiere (4,1 Prozent), sondern zudem die besonders günstige Branchenkonjunktur berücksichtige, die auch in die Tarifforderung einfließen werde.

„Die Sahne obendrauf“

Eine Zweiteilung des Abschlusses in eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte und eine zusätzliche prozentuale Einmalzahlung, wie sie den Arbeitgebern vorschwebt, lehnte Huber ab. Oberstes Anliegen der Gewerkschaft sei es, „dass die Menschen strukturwirksam ihre Löhne und Gehälter erhöht bekommen, weil ihre eigene Lebenssituation nicht von Einmalbeträgen abhängt“. Diese könnten immer nur „die Sahne obendrauf“ sein.

Peters stellte klar, dass die höhere Mehrwertsteuer indirekt über die Preisentwicklung in der Forderung berücksichtigt werde. Für eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank gebe es keinen Grund. Bei einem Lohnkostenanteil von 20 Prozent in der Metall- und Elektroindustrie treibe eine Tariferhöhung von 3 Prozent die Kosten nur um 0,8 Prozent nach oben. „Daraus eine Inflation abzuleiten halte ich für abenteuerlich.“

Einmischungen verbeten

Auch andere Gewerkschaften erwarten deutliche Lohnerhöhungen. „Die gute Branchensituation muss sich im Tarifvertrag widerspiegeln“, sagte der Vorsitzende der IG Bergbau-Chemie-Energie, Hubertus Schmoldt, der Nachrichtenagentur AP. Die Chemieindustrie wird als erste Branche im neuen Jahr mit Tarifverhandlungen beginnen. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, nannte den anstehenden Metallabschluss richtungweisend. „Klar ist, dass wir bei anziehender Konjunktur und den fulminanten Exporterfolgen deutliche Erwartungen an eine lohnorientierte Tarifrunde haben.“ Der Vorsitzende der IG Bau, Klaus Wiesehügel, sagte, angesichts der guten Konjunkturlage gebe es überhaupt keinen Grund zur Bescheidenheit. Er erwarte eine „anständige“ Lohnerhöhung.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) appellierte an die „Klugheit der Tarifpartner, die ihre Verantwortung in den letzten Jahren wahrgenommen haben. Löhne sind eben beides: Kosten und Kaufkraft.“

Huber nannte die Ermunterungen einzelner Politiker zu höheren Tarifabschlüssen scheinheilig. Die Politik könne den Leuten nicht erst die Kürzung der Pendlerpauschale und eine höhere Mehrwertsteuer zumuten und dann die Tarifparteien zu einer offensiven Tarifpolitik auffordern. Auch Schmoldt und Wiesehügel verbaten sich Einmischungen: Ratschläge von Politikern, die ständig ihre Meinung änderten, seien vollkommen überflüssig.

Quelle: nf. / F.A.Z., 02.01.2007, Nr. 1 / Seite 11
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Arbeitszeit DIHK will 35-Stunden-Woche für Väter

Zu viele Frauen arbeiten nur in Teilzeit, findet der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Wenn Väter ihre Arbeitszeit etwas reduzieren, könnten Frauen besser aufstocken. Mehr

05.04.2014, 11:19 Uhr | Wirtschaft
Nach dem Piloten-Streik Tarifgleichschaltung

Der Volkszorn richtet sich gegen den Streik der Piloten. Das passt den Großgewerkschaften ins Konzept: Sie wollen die Vereinigung Cockpit entmachten. Mehr

05.04.2014, 17:12 Uhr | Wirtschaft
Weitere Nachrichten Italien will Manager von Staatskonzernen austauschen

Italien besetzt die Spitze mehrerer Staatskonzerne neu. Das Arbeitsministerium befürchtet hohe Beitragsausfälle bei einer flexibleren Gestaltung des Renteneintritts. Mehr

15.04.2014, 07:16 Uhr | Wirtschaft

01.01.2007, 21:10 Uhr

Weitersagen
 

Völkerrecht geht vor Profit

Von Henrike Roßbach

Für Sanktionen gegen Russland ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Der Westen muss seinen Worte Taten folgen lassen. Und auch die deutsche Wirtschaft muss einsehen, dass Putin die friedenspolitische Rendite verspielt. Mehr 149 43


Die Börse
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --