15.04.2006 · In den Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie kommt möglicherweise Bewegung: Die IG Metall schlug eine Verkürzung der Laufzeiten für Tarifverträge als „Entkrampfungsübung“ vor. Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser rechnet dennoch mit einem Streik.
Im festgefahrenen Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine kürzere Laufzeit des Tarifvertrages als „Entkrampfungsübung“ vorgeschlagen. Eine Verkürzung auf neun oder zehn Monate könnte bei den Verhandlungen hilfreich sein, sagte der für Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland zuständige Bezirksleiter Armin Schild am Samstag. Am Jahresende sei eher abzusehen, welchen Weg die Konjunktur nehme. Bei einer kürzeren Laufzeit des Tarifvertrages müsse auch über die Forderung der Gewerkschaft neu nachgedacht werden.
Schild sagte mit Blick auf die geplante Mehrwertsteuererhöhung im nächsten Jahr: „Es ist eine erhebliche Belastung für beide Seiten, in der jetzigen Situation einen lange laufenden Tarifvertrag abzuschließen.“ Auch die Arbeitgeber hätten ihre Unsicherheit zum Ausdruck gebracht, indem sie eine Einmalzahlung vorgeschlagen hätten. Dies lehne die IG Metall allerdings als einseitige Verlagerung der Risiken an die Arbeitnehmer ab.
Unternehmen stellen sich auf Streik ein
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser rechnet unterdessen mit einem Streik in der Metall- und Elektroindustrie. Es werde schwierig, noch vor einer möglichen Urabstimmung eine Verständigung zu erzielen,
sagte er der „Stuttgarter Zeitung“. „Wir können einen Arbeitskampf, wenn er uns aufgezwungen würde, nicht ausschließen - und wir scheuen ihn auch nicht. Das ist klar.“
Ein Teil der Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes „stellt sich darauf ein und wird seine Konsequenzen daraus ziehen“. Ein Arbeitskampf könne zu Störungen führen, die zu Lasten der Betriebe und Belegschaften gingen, warnte Kannegiesser. „Die internationalen Kundenbeziehungen, die für jedes Unternehmen unersetzlich sind, werden beschädigt.“
„Entscheidung muß fallen“
Kannegiesser monierte, die IG Metall beachte das Gesamtkonzept der Arbeitgeber nicht. Es lägen alle Bausteine auf dem Tisch. „Da darf die IG Metall nicht mit verschränkten Armen am Spielfeldrand stehen
bleiben und nur fordern, daß wir nachlegen sollen.“ Beide Seiten müßten sich jetzt aufeinander zubewegen.
Schild forderte die Arbeitgeber auf, ihre Vorstellungen über eine „Entkrampfung der Lage“ vorzulegen. „In den nächsten Tagen muß eine Entscheidung fallen.“ Wenn in der Woche nach Ostern keine Bewegung zu erkennen sei, müsse am 24. April eine Entscheidung über eine Urabstimmung im Vorstand getroffen werden.
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