15.05.2006 · In den Unikliniken und Landeskrankenhäusern haben die Ärzte heute einen in Deutschland bisher beispiellosen Massenstreik begonnen, der eine Woche dauern soll. Es werden erhebliche Nachteile für die Patienten befürchtet.
Im Tarifstreit an den Unikliniken sind die Fronten zu Beginn des Massenstreiks in dieser Woche verhärtet. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund bekräftigten am Montag ihre Positionen.
„Irgendwo ist die Schmerzgrenze erreicht“, sagte TdL-Chef Hartmut Möllring am Morgen im ARD-Fernsehen. Höhere Löhne müßten die Kliniken und damit letztlich die Kassenmitglieder zahlen. Marburger-Bund-Chef Frank Montgomery bezeichnete dagegen das jüngste Angebot der Arbeitgeber als Mogelpackung. Möllring könne Stellen in der öffentlichen Verwaltung nicht mit dem Ärzteberuf vergleichen. „Wir arbeiten so wahnsinnig viel“, sagte er. Dies müsse endlich bezahlt werden. Möllring argumentierte, daß es beim letzten Gespräch in Dresden nur noch ums Geld gegangen sei. Mit 200 Euro mehr im Monat seien aber die Ärzte auch nicht ausgeruhter.
Beispielloser Massenstreik
In den Unikliniken und Landeskrankenhäusern beginnen die Ärzte an diesem Montag einen in Deutschland bisher beispiellosen Massenstreik. An 37 Kliniken wollen die Mediziner die gesamte Woche über die Arbeit niederlegen, um den Druck in der Vergütungsfrage auf die Bundesländer zu erhöhen. Weitere zwei Krankenhäuser sollen im Verlauf der Woche hinzukommen.
Bisher hatten die Ärzte in dem seit mehr als zwei Monaten andauernden Arbeitskampf stets nur für zwei bis drei Tage pro Woche die Arbeit ruhen lassen. Ausgefallene Operationen konnten so teilweise im Rest der Woche nachgeholt werden. Patienten-, Sozial- und Krankenhausverbände befürchten erhebliche Nachteile für die Patienten. Schon bisher hätten auch Operationen von Tumorkranken verschoben werden müssen. Die Kliniken beklagen Finanzausfälle in dreistelliger Millionenhöhe.
Die Uniklinik Düsseldorf zum Beispiel mußte bereits kurzzeitig Millionenkredite aufnehmen, um die Mai-Gehälter für die 6.000 Beschäftigten zahlen zu können. Das sagte der kaufmännische Direktor Roland Grabiak der „Rheinischen Post“. Demnach hat das Krankenhaus wegen der Streiks bisher über zehn Millionen Euro Einnahmen verloren.
Gesteigerte Wut
Betroffen sind von dem Ausstand in dieser Woche alle in die Zuständigkeit der TdL fallenden 25 Unikliniken sowie 14 Landeskrankenhäuser. Der bisherige Streikrekord lag bei 26 bestreikten Kliniken und 12.000 Ärzten. Nach Angaben von Gewerkschaftschef Frank Ulrich Montgomery hat das von der Länder-Tarifgemeinschaft Ende vergangener Woche bei einem gescheiterten Einigungsversuch vorgelegte Angebot die Streikbereitschaft und die Wut der 22.000 Ärzte an den Universitäts- und Landeskliniken nochmal erhöht. Die Gewerkschaft hatte die vorgeschlagenen Gehaltssteigerungen als zu gering abgelehnt.
Für Dienstag plant der Marburger Bund eine Großdemo in Münster. Der Verband der Universitätskliniken hat seine Vermittlung in dem Konflikt angeboten, wofür sich der Marburger Bund offen gezeigt hatte. Ein Termin für ein neues Gespräch steht noch nicht fest.
Sollen Kinderlose einen "Solidarzuschlag" zahlen?
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