22.05.2006 · Der Marburger Bund hat sich vom Tarifabschluß der Länder mit der Gewerkschaft Verdi unbeeindruckt gezeigt. Man werde ihn nicht übernehmen, so die Ärztegewerkschaft. Die Streiks an Kliniken gehen weiter.
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich vom Tarifabschluß der Länder mit der Gewerkschaft Verdi unbeeindruckt gezeigt. Man werde ihn nicht übernehmen, weil er noch hinter die als unzureichend erachteten Kompromißvorschläge der Länder zurückgefallen sei, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Frank Ulrich Montgomery, am Wochenende in Magdeburg.
Die Streiks der 22.000 Ärzte an Unikliniken und Landeskrankenhäusern würden nach einwöchiger Unterbrechung fortgesetzt, falls die Arbeitgeber bis dahin kein neues Angebot vorgelegt hätten. Die Streikpause soll nicht für Baden-Württemberg gelten. Dort hätten die Ärzte entschieden, die Arbeit auch kommende Woche ruhenzulassen. Die Ärzte streiken seit März für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Der Marburger Bund hatte die Verhandlungsgemeinschaft mit Verdi im September gekündigt.
Verdi hält Verdi-Kompromiß für gelungen
Die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) forderte den Marburger Bund auf, den Tarifabschluß mit Verdi zu übernehmen. "Die TdL ist bis an die Grenze des Finanzierbaren gegangen", sagte deren Geschäftsführer Ulrich Konstantin Rieger der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ein Streik für Beträge von 100 bis 200 Euro sei nicht nachvollziehbar.
Bei der Tarifeinigung für die 780.000 Landesbeschäftigten hatten Verdi und die Länder auch einen Konsens für die Ärzte der Landeskrankenhäuser gefunden, für die Verdi tarifvertraglich zuständig ist (F.A.Z. vom 20. Mai). Von November 2006 an sollen jüngere Mediziner 10 Prozent mehr Gehalt erhalten, ältere Kollegen 6 Prozent. Auch sollen die Bereitschaftsdienste verringert werden. Verdi-Chef Frank Bsirske wertete die Zustimmung der Bundestarifkommission mit 75 Ja- und 13 Neinstimmen bei fünf Enthaltungen als Zeichen dafür, daß man einen gelungenen Kompromiß erzielt habe. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft stimmte dem Verhandlungsergebnis zu und wird nun Urabstimmungen einleiten.
Positive Reaktionen aus der Politik
Die Tarifgemeinschaft der Länder und die Gewerkschaften hatten sich darauf geeinigt, daß die Beschäftigten aller westdeutschen Länder von Januar 2008 an 2,9 Prozent mehr Lohn erhalten sollen, in den ostdeutschen Ländern ab Mai 2008. Berlin und Hessen gehören der TdL nicht an und sind daher von der Einigung nicht betroffen. Für 2006 und 2007 wurden Einmalzahlungen vereinbart, die zugunsten der unteren Lohngruppen gestaffelt werden. Im Gegenzug soll die Arbeitszeit der Beschäftigten angehoben werden. Die Spanne reicht in Westdeutschland von 38,7 Stunden in Schleswig-Holstein bis zu 39,7 Stunden in Bayern. Im Osten bleibt es bei 40 Stunden.
Der SPD-Parteivorsitzende und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, sprach von einem tragfähigen Ergebnis. "In einer schwierigen Lage hat der Wille zur Einigung zum Erfolg geführt." Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) hieß den Abschluß gut. Für die Beamten bleibe es allerdings bei einer Arbeitszeit von 42 Stunden in der Woche.
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