Home
http://www.faz.net/-gqg-756kr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Tabak-Richtlinie EU-Kommission will größere Warnhinweise auf Zigarettenpackungen

Brüssel will den Bürgern das Rauchen abgewöhnen. Schockbilder und großflächige Warnhinweise auf den Schachteln sollen dabei helfen. Diese Pläne hat die EU-Kommission nun offiziell vorgestellt.

© dapd Vergrößern Geschmacksstoffe sollen nicht mehr in Zigaretten stecken.

Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sollen größer werden: 75 Prozent der Vorder- und Rückseite will die Brüsseler EU-Kommission künftig für solche Botschaften und Schockbilder reservieren. Dies ist Teil eines neuen Gesetzesvorschlags zur Eindämmung des Rauchens, den EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg in Brüssel vorstellte. Derzeit müssen Warnhinweise auf den beiden großen Seiten nur etwa halb so groß sein. Auf allen Packungen sollen Fotos von Raucherlungen oder anderen abschreckenden gesundheitlichen Folgen zu sehen sein. Wenn Europaparlament und Staaten zustimmen, könnten die neuen Vorgaben von 2015 an gelten.

Borg will zudem Geschmacksstoffe wie Menthol weitgehend verbannen - sie dürften nur noch eingesetzt werden, wenn sie das Tabakaroma nicht verändern. „Die Verbraucher dürfen nicht in die Irre geführt werden“, erklärte Borg. „Tabakerzeugnisse müssen wie Tabakerzeugnisse aussehen und schmecken, und dieser Vorschlag stellt sicher, dass ansprechende Verpackungen und Aromen nicht als Marketingstrategie eingesetzt werden.“

Keine Werbebotschaften

Während Markenlogos erlaubt bleiben sollen, will Borg zusätzliche Werbebotschaften auf den Packungen für Zigaretten und losen Tabak zum Selberdrehen verbieten. Bereits jetzt sind Formulierungen wie „mild“ und „leicht“ tabu. Künftig sollen auch Formulierungen wie „natürlich“ oder „biologisch“ verboten sein. Die EU-Staaten sollen weiter frei entscheiden können, ob sie Einheitspackungen wie in Australien vorschreiben. Experten befürchten bei solchen Vorgaben aber mögliche Scherereien mit der Welthandelsorganisation WTO.

Mehr zum Thema

Weniger hart will die EU-Kommission bei Pfeifentabak, Zigarren und Zigarillos durchgreifen, da Einsteiger der Brüsseler Behörde zufolge selten zu diesen Produkten greifen. Schockfotos und ein Aromaverbot seien daher unnötig. Der Lutschtabak Snus soll außerhalb von Schweden verboten bleiben.

700.000 Rauchertote im Jahr

Jährlich 700.000 Menschen sterben nach Zahlen der EU-Kommission in Europa durch das Rauchen. Die Hälfte der Raucher sterbe im Schnitt vierzehn Jahre früher.

Die Tabak-Vorschläge der EU-Kommission hatten bereits über Monate hinweg politische Wellen geschlagen. Der Vorgänger von Gesundheitskommissar Borg, John Dalli, war im Oktober zum Rücktritt gezwungen worden, weil er angeblich von versuchter Einflussnahme der Branche auf die Vorschläge wusste, dies aber nicht meldete. Die deutsche Europaabgeordnete Inge Gräßle (CDU) klagte im Deutschlandradio, die ermittelnde Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf enthalte den Volksvertretern wichtige Dokumente zum Fall Dalli vor.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ukraine-Konflikt Separatistenführer droht mit „zweitem Stalingrad“

Die prorussischen Separatisten geraten gegenüber der ukrainischen Armee in die Defensive. Die Aufständischen verloren mehrere Panzer, etliche Kämpfer sind gefallen. Einer ihrer Führer droht nun mit einem Häuserkampf nach historischem Vorbild. Mehr

24.07.2014, 11:40 Uhr | Politik
Personalstreit EU-Gipfel scheitert bei Besetzung von Top-Posten

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich noch nicht auf einen neuen Ratspräsidenten und Außenbeauftragten geeinigt. Italiens Ministerpräsident Renzi sagte, das Treffen sei schlecht vorbereitet gewesen – vom amtierenden Ratspräsidenten. Mehr

17.07.2014, 03:54 Uhr | Politik
Geschacher um Posten Ein Defizitsünder als Währungskommissar?

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben noch kein Personalpaket für die Brüsseler Kommission vorgelegt. Nun muss es der künftige Präsident Juncker richten. Es wird eine heikle Auswahl. Mehr

18.07.2014, 08:56 Uhr | Wirtschaft

Gabriels Einladung

Von Andreas Mihm

Für die Energiewende sind neue Leitungen notwendig. Wo aber welche geplant sind, wird protestiert. Wie Wirtschaftsminister Gabriel dabei agiert, schadet der Energiewende Mehr 1 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Die Fernbus-Fans kommen aus Berlin

Die Fernbusse machen der Bahn ordentlich Konkurrenz. Doch das Interesse ist in Deutschland unterschiedlich stark ausgeprägt. Mehr