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Sündern auf der Spur : Ein Steuerfahnder bringt 1,85 Millionen Euro ein

Wenn die Steuerfahndung kommt, kann es teuer werden Bild: dpa

Ein Klassiker ist der Gastwirt, der mehr Bier einkauft, als er verkauft. Natürliche Personen aber machen nur etwa ein Fünftel der Arbeit der Steuerfahnder aus. Nun berichten Ermittler aus ihrer täglichen Praxis.

          Dass der betrogene Ehemann das Geschäftsgebaren seiner Ehefrau beim Finanzamt anschwärzt, kommt vor, aber diese Fälle sind in aller Regel nicht werthaltig. Das berichtete der rheinland-pfälzische Finanzstaatssekretär Salvatore Barbaro (SPD) diese Woche auf einer Veranstaltung mit dem Land Baden-Württemberg zur Arbeit der Steuerfahndung.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wie Wolfgang Leidig, Amtschef im Stuttgarter Ministerium, hervorhob, hat ein Steuerfahnder im Südwesten im vergangenen Jahr im Schnitt einen Mehrertrag von 1,85 Millionen Euro erwirtschaftet. „Jede Steuerhinterziehung ist ein Schlag ins Gesicht der ehrlichen Steuerzahler“, betonte er. Die Ländervertreter hoben hervor, die grenzüberschreitende Arbeit der Fahnder funktioniere, so dass es keinen Grund für den Aufbau einer Bundessteuerfahndung gebe.

          Die meisten Hinweise für die Fahnder kommen aus den Finanzbehörden selbst, entweder weil eine Steuererklärung Fragen aufwirft oder weil eine Betriebsprüfung Ungereimtheiten aufzeigt. Ein Klassiker ist der Gastwirt, der mehr Bier einkauft, als er verkauft. Zudem verstoßen Konzerne offenbar öfter gegen geltendes Recht als gemeinhin gedacht. Und der Einsatz gegen großangelegte Betrügereien mit der Umsatzsteuer gleicht dem Kampf gegen eine Hydra. Ist das eine Karussellgeschäft gestoppt, wachsen zwei andere nach: Die Warengruppe ändert sich, die Masche bleibt.

          Wie Alexander Scheidecker, Leiter der Steuerfahndung in Mannheim, mitteilte, machen natürliche Personen nur etwa ein Fünftel der Arbeit aus, auch wenn derzeit die Berichterstattung ein anderes Bild vermittele. Damit spielte er auf die Ermittlungen gegen Uli Hoeneß an, Präsident des Fußballvereins Bayern München, ohne diesen Fall beim Namen zu nennen. Fast die Hälfte der Arbeit entfällt nach seinen Angaben auf verheimlichte Einnahmen durch Unternehmer und illegale Praktiken von Konzernen. Das Vorgehen der Fahnder beschrieb er an dem Fall einer Fahrschule, bei der man vermute, dass sie nicht alle Einnahmen angegeben habe. Anhand der abgelegten Fahrprüfungen könne man Licht in so einen „hinterziehungsgeneigten Sachverhalt“ bringen.

          Kleine, wendige Minensuchboote

          Knapp ein Drittel der Ermittlungen entfällt auf Betrügereien mit der Umsatzsteuer. Die sogenannten Karussellgeschäfte sollen allein für Steuerausfälle von bis zu 15 Milliarden Euro verantwortlich sein. Dabei werden Waren über die Grenze steuerfrei eingekauft, aber gegenüber dem Fiskus wird gleichwohl so getan, als wenn Umsatzsteuer gezahlt wurde. So kassiert man nie gezahlte Vorsteuer. Damit das nicht auffliegt, versuchen die Täter ihre Spuren zu verwischen, indem die Ware immer weiter von einem Unternehmen zum nächsten verkauft wird. Es sei extrem schwierig, diese Lieferketten nachzuvollziehen, betonte Scheidecker.

          Der Fahnder verglich die Arbeit der Finanzämter mit einem Tanker. Sie wickeln das Massengeschäft ab, da sie sämtliche Steuererklärungen bearbeiteten. Die Fahnder seien dagegen kleine, wendige Minensuchboote. Sie haben nach seinen Angaben im vergangenen Jahr für Mehreinnahmen von 2,2 Milliarden Euro gesorgt.

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