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Studie Freierer Handel könnte Afrikas Hungerproblem lindern

 ·  Eine Studie der Weltbank besagt, Afrika könne sich selbst ernähren, wenn es seine Märkte mehr öffnen würde. Gleichzeitig sagt die Studie eine Verdoppelung des Nahrungsmittelbedarfs in der Region bis 2020 an.

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© ddp images/dapd/Maja Hitij Vergrößern Maisanbau in Äthiopien: Noch immer reichen die Lebensmittel in Afrika nicht

Afrika kann sich selbst ernähren, wenn es die Handelsbarrieren zwischen den Ländern für Nahrungsmittel abbaut und seine Lebensmittelmärkte für mehr Wettbewerb öffnet. Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen der Weltbank in einer Studie. Danach kann der Kontinent rund 20 Milliarden Dollar zusätzliche Einkommen hervorbringen, wenn die Regierungen sich auf eine umfassende Marktöffnung einigen könnten. Ein wichtiger Grund für Mangelversorgung und Nahrungsmittelkrisen in Afrika ist nach Analyse der Entwicklungshilfebank, dass die Lebensmittel, vor allem Mais und Reis, aufgrund politischer und bürokratischer Hemmnisse nur eingeschränkt zwischen den Ländern und in Krisengebiete transportiert werden können.

Der Weltbank rät umso mehr zu einer Öffnung dieser Märkte, weil der Bedarf an Nahrungsmitteln in der Region sich bis 2020 in etwa verdoppeln werde. Neben dem Bevölkerungswachstum ist ein Grund dafür, dass immer mehr Menschen in Städte ziehen und das bäuerliche Land verlassen. Derzeit sind nach Schätzung der Weltbank rund 19 Millionen Menschen südlich der Sahelzone von Hunger und Unterernährung bedroht. Dabei sind rund 400 Millionen Hektor fruchtbaren Lands nicht bewirtschaftet oder liefern Erträge, die weit unter denen in anderen Entwicklungsländern blieben.

Politik verhindert Wachstum

Nur 5 Prozent der von afrikanischen Staaten eingeführten Nahrungsmittel kommen nach der Studie aus anderen afrikanischen Ländern. Der Anteil der Nahrungsmitteleinfuhr aus Ländern außerhalb der Region steigt. Afrika spielt damit eine Sonderrolle: Andere Entwicklungsländer in Süd- und Ostasien haben sich seit 1990 zu Nettoexporteuren von Nahrungsmitteln entwickelt, Afrika aber nicht. Die Weltbank widerspricht mit dem Vergleich dem Argument, dass allein der hoch subventionierte Nahrungsmittelexport aus entwickelten OECD-Staaten Afrikas Landwirtschaft hemme. Die Gründe für die Nahrungsmittelmisere sind nach Weltbank-Ansicht eher hausgemacht.

Die Ökonomen zitieren eine Vielzahl von Wettbewerbshemmnissen und Fälle von Politikversagen, die das Aufblühen der Landwirtschaft in Afrika behindern. Kartelle von Transportunternehmen seien weit verbreitet. Gerade in Westafrika könnten die Transportkosten innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte sinken, wenn die Regierungen diese Märkte für Wettbewerb öffneten. Ebenso sind die Handelsnetzwerke zur lokalen Verteilung von Lebensmitteln unterentwickelt. Slumbewohner in Kenias Hauptstadt Nairobi zahlten mehr für Lebensmittel als die wohlhabenderen Einwohner in Supermärkten.

Einheitliche Standards fehlen

Der Fokus der Studie aber liegt auf den Hemmnissen für den Außenhandel. Export- und Importverbote verhinderten den Austausch von Nahrungsmitteln und brächten zusätzliche Unsicherheit, weil sie oft kurzfristig erlassen und nicht hinreichend mitgeteilt würden. Bürokratische Hürden sind zudem zu überwinden, wenn etwa wie in Tansania Exportlizenzen nur in Daressalam erhältlich seien. Den Handel zwischen den afrikanischen Staaten behindert ferner, dass einheitliche Standards für Lebensmittel und für Dünger fehlten. Auch deswegen zahlen afrikanische Bauern mehr für Dünger als die Landwirte in anderen Entwicklungsländern. Ein Beleg für die zersplitterten Märkte sind die Preise für Mais, die in Afrika viel mehr schwanken als im Rest der Welt. Das deutet darauf hin, dass der Versuch der nationalen Selbstversorgung zu Instabilitäten an den Märkten führt und die Investitionen in agrarische Erzeugung behindert.

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12.11.2012, 10:12 Uhr

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