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Veröffentlicht: 10.03.2013, 16:53 Uhr

Studie der Bertelsmann-Stiftung Die Rente mit 69 wird bald nötig

Das Rentensystem ist nicht dafür gerüstet, dass 2015 der erste Babyboomer-Jahrgang in den Ruhestand geht. Die Rente mit 69 wird bald notwendig werden. Das zeigt eine Bertelsmann-Studie, die der F.A.Z. vorab vorliegt.

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© dpa Ermutigend: Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen

Mit dem Ruhestand des ersten Babyboomer-Jahrgangs beginnt 2015 die Belastungsprobe für das Rentensystem. Bis 2035 steigt die Zahl der Rentner je Beitragszahler stark an, bis 2060 werden die Rentenausgaben stark wachsen. Auf diesen Härtestest ist die gesetzliche Rentenversicherung trotz der zahlreichen Reformen der vergangenen Jahre nicht genügend vorbereitet. Das zeigt eine Studie, die die Bertelsmann-Stiftung an diesem Montag vorstellen wird. Sie empfiehlt rasch neue Eingriffe, um die Beitragszahler zu entlasten und das Absinken des Rentenniveaus zu dämpfen. Frühzeitig sollte vor allem die weitere Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 69 Jahre angekündigt werden. Vorgeschlagen werden auch höhere Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn.

Heike Göbel Folgen:

Zur Begründung heißt es: Die Lebenserwartung der Rentner dürfte sich bis 2060 kontinuierlich weiter erhöhen, die durchschnittliche Bezugszeit der Rente nehme damit wieder stark zu. Das spreche dafür, die Heraufsetzung der Regelaltersgrenze nach 2030 fortzusetzen. Denkbar sei eine Formel, die den Rentenbeginn mit der Entwicklung der Lebenserwartung verknüpfe. Damit sich die Bürger schon in der mittleren Lebensphase darauf einstellen könnten, müsse dieser Schritt rechtzeitig angekündigt und gesetzlich festgeschrieben werden.

Mehr Beschäftigung auf anderen Wegen

Als Ergänzung sollte der Abschlag von bisher 3,6 Prozent für jedes Jahr, in dem vorzeitig Rente bezogen wird, angehoben werden. Andere Länder verwendeten überwiegend versicherungsmathematisch „faire“ Abschläge von 5 bis 7 Prozent. Das neutralisiere Anreize zur Frühverrentung. Ermutigend seien die Fortschritte bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in den vergangenen zehn Jahren.

Neben der Verlängerung der Lebensarbeitszeit gehe es darum, auch auf anderen Wegen mehr Beschäftigung zu erreichen. Nicht ausgeschöpft sei das Erwerbspotential der Frauen. Auch bessere Qualifikation helfe, die Folgen des demographischen Wandels zu bewältigen. Durch eine Kombination der Effekte dieser Maßnahmen ließen sich die Aussichten für die Rentenfinanzierung zwar verbessern. „Wirklich gut können sie aber auch dann noch nicht genannt werden“, schreibt der Bochumer Ökonom Martin Werding, der Autor der Studie.

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Werding hat Daten zur langfristigen Entwicklung des Beitragssatzes und des Netto-Rentenniveaus vor Steuern bis 2060 zusammengetragen. Nach geltendem Recht steigt der Beitragssatz (der aktuell aufgrund der guten Konjunktur unerwartet auf 18,9 Prozent gesenkt wurde) bis 2030 auf 21,3 Prozent und bis 2060 auf 27,2 Prozent vom Bruttolohn. Das Rentenniveau sinkt von heute knapp 53 Prozent zunächst auf 45,2 und dann auf 41,2 Prozent. (Das Rentenniveau gibt an, wie hoch die Rente nach 45 Arbeitsjahren mit durchschnittlichem Verdienst im Verhältnis zum Durchschnittsentgelt der Beitragszahler ausfällt.) Kurzfristig entlasten die genannten Reformen kaum, aber sie verhindern eine durchaus mögliche schlechtere Entwicklung. Langfristig ergäben sich nennenswerte Effekte: Der Beitragssatz läge 2 Prozentpunkte niedriger, das Leistungsniveau 1 Punkt höher.

Verschieben des demographischen Problems

Werding sieht die ernsthafte Gefahr steigender Altersarmut aufgrund des sinkenden Rentenniveaus. Daher prüft er andere Vorschläge zum Umbau der Alterssicherung. Den Umstieg auf eine steuerfinanzierte Grundrente lehnt er ab. Da die gesetzliche Rente oft nur Teil des Alterseinkommens sei, seien zielgenaue, am tatsächlichen Bedarf orientierte Maßnahmen zur Eindämmung der Altersarmut sinnvoller. „Mit den finanziellen und administrativen Mitteln der Rentenversicherung“ sei dies nicht zu verwirklichen.

Eine Einbeziehung von Beamten und Selbständigen in das gesetzliche Rentensystem bringe vorübergehend Entlastung, letztlich verschiebe man die demographischen Probleme aber in die Zukunft. Sinnvoll sei stärkere ergänzende private Vorsorge, nachgedacht werden sollte über eine grundsätzliche Vorsorgepflicht. Ein Konstruktionsfehler des Rentensystems sei der mangelnde Anreiz, Kinder zu erziehen. „Existierende Leistungen dieser Art reichen bei weitem nicht aus, um die Belastung auszugleichen, die Familien bei der Erziehung und Ausbildung von Kindern übernehmen und mit denen sie zugleich das Rentensystem stabilisieren.“ Deswegen plädiert Werding für einen starken Ausbau kinderbezogener Rentenansprüche. Personen ohne Kinder müssten stärker ergänzend kapitalgedeckt vorsorgen.

Quelle: F.A.Z.

 

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