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Studie Beten als Familienpolitik

27.03.2007 ·  Das Institut der deutschen Wirtschaft belegt in einer Studie den Zusammenhang von Glauben und Kindersegen. „Je religiöser Menschen sind, desto mehr Kinder haben sie“, heißt es dort.

Von Christian Geinitz, Berlin
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Deutschlands Bevölkerung schrumpft, weshalb die Politik spät, aber umtriebig alle Hebel in Bewegung setzt, um die Geburtenrate zu erhöhen. Eltern erhalten mehr Geld, die öffentliche Betreuung der Kleinen und ganz Kleinen wird ausgebaut, den Frauen will man die Vereinbarkeit von Erziehung und Karriere erleichtern. Eine wichtige Triebfeder für potentiellen Kinderreichtum wird dabei aber oft übersehen: der Glaube.

Einer neuen wirtschaftsethischen Untersuchung zufolge liegt in der Religion eine der wichtigsten Motivationen, um Nachwuchs großzuziehen. „Je religiöser Menschen sind, desto mehr Kinder haben sie“, heißt es in der noch unveröffentlichten Studie „Ora et Labora“ (Bete und arbeite) des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). „Im weltweiten Durchschnitt haben religiöse Menschen 2,1 und nichtreligiöse 1,6 Kinder. Überzeugte Atheisten begnügen sich mit nur 1,5 Kindern.“

Häufige Kirchenbesuche, großer Kindersegen

Auch für Deutschland gelte: Wer religiös erzogen werde, habe durchschnittlich ein Drittel mehr Nachwuchs als andere Personen. Das treffe auch auf das Beten zu. „Wer häufig betet, hat in Deutschland durchschnittlich zwei Kinder. Wer nie betet, hingegen nur 1,3 Kinder.“ Ähnlich seien die Zusammenhänge in anderen Ländern. Neben der Politik misst das Papier daher den Kirchen eine große Bedeutung für die Familienförderung bei. „Je häufiger die Kirchenbesuche, desto größer der Kindersegen“, schreibt der Autor Dominik Enste.

Er hat 260.000 Interviews aus 82 Ländern ausgewertet, die zwischen 1981 und 2004 für den World Value Survey geführt wurden. Regelmäßige Gottesdienstbesucher haben den Angaben zufolge durchschnittlich mehr als zwei Kinder, die Vergleichsgruppe nur 1,7. In Deutschland liegen beide Werte um 0,5 niedriger. Die Bindung an eine Glaubensgemeinschaft kann entscheidend sein: Muslime bekommen in der ganzen Welt im Durchschnitt 2,3 Kinder, Christen beider Konfessionen und Buddhisten zwei Kinder, Nichtgebundene nur 1,5 Kinder.

Mehr Möglichkeiten in modernen Gesellschaften

Das Papier geht nicht tiefer auf die Ursachen für den Zusammenhang von Religiosität und Kinderreichtum ein. Es erwähnt aber, dass „unterschiedliche Werteorientierungen“ zwischen gläubigen und nicht gläubigen Personen dafür verantwortlich seien.

Auch schreibt der Autor, dass oft in traditionellen Gesellschaften und Milieus mit weniger Gestaltungsräumen für die Frauen eine tiefere Religiosität herrsche. Andersherum seien in der modernen, weniger vom Glauben geprägten Umgebung die Wahlmöglichkeiten größer, so dass sich viele Frauen statt für die Geburt eines Kindes für einen Beruf entschieden.

Quelle: F.A.Z., 27.03.2007, Nr. 73 / Seite 12
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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