Home
http://www.faz.net/-gqg-1683w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Stromerzeugung Energiebranche macht Front gegen Solarstrom

Umweltminister Röttgen will den Solarstrom fördern - und künftig jede selbstverbrauchte Kilowattstunde mit acht Cent bezuschussen. Dagegen machen die Energieversorger mobil. Ihre Kritik: Dies mache die Versorgung zu teuer - und zu riskant.

© Tobias Schmitt Vergrößern Machen sich Wolken über den Solarstromanlagen breit, müssen für die Zusatznachfrage weitere Kraftwerke zugeschaltet werden, fürchtet die Energiebranche

Die Energiewirtschaft hat erhebliche Vorbehalte gegen die von der Koalition geplante Ausdehnung der Förderung für selbstverbrauchten Solarstrom. „Die Stärkung des Eigenverbrauchs erhöht die Risiken und Kosten für die Stromversorgung“, heißt es in einem der F.A.Z. vorliegenden Papier des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zu den derzeit im Bundestag beratenen Gesetzesplänen. Grund seien die dadurch zu erwartenden Veränderungen im Stromverbrauch. Zudem würden die Stromnetze strapaziert und Kosten auf die Verbraucher verlagert, die keinen Solarstrom erzeugten. Der Verband nimmt damit Kritik auf, die auch aus Teilen der Solarwirtschaft laut wurde.

Andreas Mihm Folgen:  

Nach Plänen von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sollen die Besitzer von Photovoltaikanlagen künftig neben der Einspeisevergütung von 31 Cent weitere 8 Cent für jede Kilowattstunde selbstgenutzten Stroms erhalten. „Wir geben einen wirtschaftlichen Anreiz, den Verbrauch nach der Erzeugung auszurichten“, hatte Röttgen bei der Einbringung des Gesetzes am 25. März im Bundestag argumentiert. Das sei „in hohem Maße sinnvoll, weil wir damit einen Anreiz für Verhaltensänderungen bieten“.

Mehr zum Thema

Stromnetze könnten unverhältnismäßig belastet werden

Gerade diese von Röttgen gewünschte Verhaltensänderung fürchtet die Energiebranche – und das weniger, weil ihr damit Umsätze entgehen könnten. Sie weist vielmehr darauf hin, dass Betreiber von Solaranlagen – darunter bald auch Erzeuger wie Hotels oder Gewerbebetriebe – ihren Nutzen dann maximieren würden, wenn sie ihren höchsten Verbrauch, etwa mit programmierten Wasch- oder Spülmaschinen, möglichst in die Zeit der besten Sonnenstromerzeugung legen. Dies ist naturgegeben dann der Fall, wenn die Sonne am höchsten steht. Zur Mittagszeit ist die Stromnachfrage allgemein hoch, es gehen mehr Kraftwerke ans Netz. Wenn die Sonne tatsächlich scheint, könnte die Zusatzstromnachfrage auch aus Sonnenenergie bedient werden.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn sich Wolken über den Sonnenstromanlagen breitmachen, argumentiert der BDEW. Fällt die Sonne als Energielieferant aus, müssen für die Zusatznachfrage, die „Spitzenlast“, zusätzliche Kraftwerke zugeschaltet werden. Das werde für Netzbetreiber (und Kunden) teuer, in deren Gebiet viel Solarstrom anfällt, warnt der Verband, der Konzerne und Stadtwerke vertritt: „Kommt es aufgrund der volatilen Erzeugung aus Photovoltaik-Anlagen zu Bezugsschwankungen, muss kurzfristig und zu deutlich höheren Preisen Energie beschafft oder zuvor zu viel beschaffte Energie veräußert werden.“

Deshalb sei es besser, vom weiteren Ausbau der Eigenförderung Abstand zu nehmen, meint der Verband. Das gelte um so mehr, als damit die bisherige Systematik der Förderung erneuerbarer Energien ausgehebelt werde. Die legt die Kosten für die garantierte Einspeisung „grünen“ Stroms auf beinahe alle Stromverbraucher um. Das sei bei der geplanten Änderung der Solareigenförderung nicht mehr der Fall. Auch würden die Stromnetze durch die Pläne belastet. Bei hoher Solarstromproduktion müsse der Strom abgeleitet, beim Ausfall die Versorgung aufwendig gesichert werden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Leitungsbau Noch 50 Milliarden Euro für das Stromnetz?

Der Bundeswirtschaftsminister hat rechnen lassen. Die Zahlen haben es in sich: Auf die Verbraucher kommen für den Leitungsbau Preisaufschläge von bis zu zwanzig Prozent zu. Mehr Von Andreas Mihm, Berlin/Stendal

23.09.2014, 06:59 Uhr | Wirtschaft
Miele vernetzt den Waschkeller

Miele will grüner werden. Ziel ist, Betreibern von Photovoltaikanlagen eine effizientere Nutzung ihres selbst erzeugten Stroms zu ermöglichen. Mehr

04.09.2014, 17:03 Uhr | Technik-Motor
Fehlende Vertragsklausel BGH prüft Gaspreiserhöhung

Wenn Energiepreise steigen, berufen sich die Versorger auf entsprechende Klauseln in den Verträgen. Doch was ist, wenn dieser Abschnitt im Vertrag aus Versehen fehlt? Das muss der BGH klären. Mehr

24.09.2014, 15:44 Uhr | Finanzen
Explosives Methangas soll in Ruanda zu Strom werden

Der Kivu-See in Ruanda enthält eine gefährliche Mixtur aus gelösten Gasen. Ein 200 Millionen Dollar schweres Projekt, finanziert aus privater Hand, soll nun diese Gase in Energie und damit in Profit umwandeln. Die Menschen hoffen auf Strom - und ein besseres Leben. Mehr

03.06.2014, 16:26 Uhr | Wissen
Energievertrag Russland soll Atomkraftwerke in Südafrika bauen

Bislang gibt es in Südafrika nur ein Atomkraftwerk. Doch nun hat das Land überraschend einen Vertrag geschlossen: Russland soll in den nächsten Jahren acht Atomreaktoren liefern. Mehr

22.09.2014, 20:00 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.04.2010, 13:02 Uhr

Wen die Portoerhöhung am meisten kostet

Von Helmut Bünder

Die Deutschen schreiben immer weniger Briefe, daher regt sie die verbraucherunfreundliche Portoerhöhung kaum auf. Aber für manche kostet sie auch Millionen. Mehr 11 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Maklerschwemme

Immobilienmakler haben’s auch nicht leicht. Es gibt immer mehr davon - ihre Anzahl hat sich verdoppelt. Ihre Blüte hat erstaunliche Parallelen zum Aufstieg der Immobilienportale im Internet. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden