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Stromerzeugung Energiebranche macht Front gegen Solarstrom

 ·  Umweltminister Röttgen will den Solarstrom fördern - und künftig jede selbstverbrauchte Kilowattstunde mit acht Cent bezuschussen. Dagegen machen die Energieversorger mobil. Ihre Kritik: Dies mache die Versorgung zu teuer - und zu riskant.

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Die Energiewirtschaft hat erhebliche Vorbehalte gegen die von der Koalition geplante Ausdehnung der Förderung für selbstverbrauchten Solarstrom. „Die Stärkung des Eigenverbrauchs erhöht die Risiken und Kosten für die Stromversorgung“, heißt es in einem der F.A.Z. vorliegenden Papier des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zu den derzeit im Bundestag beratenen Gesetzesplänen. Grund seien die dadurch zu erwartenden Veränderungen im Stromverbrauch. Zudem würden die Stromnetze strapaziert und Kosten auf die Verbraucher verlagert, die keinen Solarstrom erzeugten. Der Verband nimmt damit Kritik auf, die auch aus Teilen der Solarwirtschaft laut wurde.

Nach Plänen von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sollen die Besitzer von Photovoltaikanlagen künftig neben der Einspeisevergütung von 31 Cent weitere 8 Cent für jede Kilowattstunde selbstgenutzten Stroms erhalten. „Wir geben einen wirtschaftlichen Anreiz, den Verbrauch nach der Erzeugung auszurichten“, hatte Röttgen bei der Einbringung des Gesetzes am 25. März im Bundestag argumentiert. Das sei „in hohem Maße sinnvoll, weil wir damit einen Anreiz für Verhaltensänderungen bieten“.

Stromnetze könnten unverhältnismäßig belastet werden

Gerade diese von Röttgen gewünschte Verhaltensänderung fürchtet die Energiebranche – und das weniger, weil ihr damit Umsätze entgehen könnten. Sie weist vielmehr darauf hin, dass Betreiber von Solaranlagen – darunter bald auch Erzeuger wie Hotels oder Gewerbebetriebe – ihren Nutzen dann maximieren würden, wenn sie ihren höchsten Verbrauch, etwa mit programmierten Wasch- oder Spülmaschinen, möglichst in die Zeit der besten Sonnenstromerzeugung legen. Dies ist naturgegeben dann der Fall, wenn die Sonne am höchsten steht. Zur Mittagszeit ist die Stromnachfrage allgemein hoch, es gehen mehr Kraftwerke ans Netz. Wenn die Sonne tatsächlich scheint, könnte die Zusatzstromnachfrage auch aus Sonnenenergie bedient werden.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn sich Wolken über den Sonnenstromanlagen breitmachen, argumentiert der BDEW. Fällt die Sonne als Energielieferant aus, müssen für die Zusatznachfrage, die „Spitzenlast“, zusätzliche Kraftwerke zugeschaltet werden. Das werde für Netzbetreiber (und Kunden) teuer, in deren Gebiet viel Solarstrom anfällt, warnt der Verband, der Konzerne und Stadtwerke vertritt: „Kommt es aufgrund der volatilen Erzeugung aus Photovoltaik-Anlagen zu Bezugsschwankungen, muss kurzfristig und zu deutlich höheren Preisen Energie beschafft oder zuvor zu viel beschaffte Energie veräußert werden.“

Deshalb sei es besser, vom weiteren Ausbau der Eigenförderung Abstand zu nehmen, meint der Verband. Das gelte um so mehr, als damit die bisherige Systematik der Förderung erneuerbarer Energien ausgehebelt werde. Die legt die Kosten für die garantierte Einspeisung „grünen“ Stroms auf beinahe alle Stromverbraucher um. Das sei bei der geplanten Änderung der Solareigenförderung nicht mehr der Fall. Auch würden die Stromnetze durch die Pläne belastet. Bei hoher Solarstromproduktion müsse der Strom abgeleitet, beim Ausfall die Versorgung aufwendig gesichert werden.

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