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Streik im Osten Jürgen Peters dürfte die Führungsdebatte gestärkt überstehen

 ·  Druck von außen schweißt die IG Metall zusammen / Huber-Mehrheit im Vorstand gefährdet

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Die Kritik am designierten Chef der IG Metall, Jürgen Peters, wächst. Daimler-Chrysler-Gesamtbetriebsrat Erich Klemm nennt den von Peters angezettelten Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland eine tarifpolitische Geisterfahrt. Opel-Gesamtbetriebsrat Klaus Franz wirft dem amtierenden Gewerkschaftsvize vor, ohne umfassende Strategie und ohne adäquates Risikomanagement, das auch eine Ausstiegsoption beinhaltet, in den Tarifkonflikt gegangen zu sein. Der Unmut unter den Betriebsräten ist inzwischen so groß, daß nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern laut und deutlich die Führungskompetenz Peters' in Zweifel gezogen und die Nachfolgedebatte neu eröffnet wird.

Wie dringend ein Konzept zum geordneten Rückzug nötig wäre, zeigt sich in diesen Tagen. Alle Kompromißangebote, die die IG Metall bisher ausgesendet hat, haben die Arbeitgeber ignoriert. Klaus Zwickel, der scheidende Gewerkschaftschef, der seine Organisation frühzeitig vor einem Arbeitskampf gewarnt hatte, mußte daher am Donnerstag mit Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser auf höchster Ebene sondieren, wie die festgefahrenen Verhandlungen an diesem Freitag wieder in Schwung gebracht werden können.

Einigungsversuch am Wochenende

Ist Peters' Wahl auf dem Gewerkschaftstag Anfang Oktober in Hannover gefährdet? "Das wird entscheidend davon abhängen, ob es an diesem Wochenende zu einer Einigung kommt und welchen Preis wir dafür zahlen müssen", heißt es in der IG Metall. Ist dieser Preis zu hoch oder gelingt es ihm nicht, noch vor den Sommerferien den Einstieg in die 35-Stunden-Woche zu verabreden, wäre er tarifpolitisch gescheitert.

Selbst dann aber würde es unter den Delegierten auf dem Kongreß noch nicht zur offenen Revolte kommen. Denn eine Rebellion braucht einen Anführer, und Zwickels Kronprinz, der baden-württembergische IG-Metall-Chef Berthold Huber, hat mehrfach betont, daß er gegen Peters, den der Vorstand im April knapp zu seinem Kandidaten machte, im Oktober keine Kampfkandidatur anstrengen wird.

Selbst wenn die Kritik an Peters in den kommenden Wochen noch wüchse, müßte der Vorstand also offen seine frühere Empfehlung revidieren, damit sich Huber überhaupt in die Pflicht nehmen ließe. Eine solche Vorstellung erscheint aber weltfremd. "Die IG Metall wird nicht im laufenden Rennen die Pferde wechseln", sagt ein Gewerkschaftsforscher. Solange sie mit Verdi um die Führungsrolle im Deutschen Gewerkschaftsbund wetteifere, werde die IG Metall kaum ihre Führung beschädigen. Wenn also derzeit die Pragmatiker öffentlich ihren Protest artikulieren dürfen, ist das nach Überzeugung aller Beobachter nicht mehr als ein Ventil für diejenigen, denen die Wahl von Peters noch immer im Magen liegt. Von Dauer aber werden solche Unmutsäußerungen kaum sein. Unter äußerem Druck, das hat die Erfahrung gezeigt, ist die IG Metall stets zusammengerückt und hat sich in die Organisationsdisziplin nehmen lassen.

Markige Worte

Doch nicht nur wegen dieser Disziplin dürfte Peters eher gestärkt als geschwächt aus dem Kongreß hervorgehen und seine Macht sogar noch konsolidieren. Anders als Peters, der designierte Vize Huber und Hauptkassierer Bertin Eichler, die in separaten Wahlgängen gewählt werden, müssen die Delegierten über die übrigen Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands in einem Wahlgang votieren. Die Posten im Vorstand, der von zehn auf sieben Mitglieder verkleinert werden soll, werden dann entsprechend dem Stimmenanteil verteilt. Hier könnten die eher blassen Huber-Anhänger gegenüber den meist mit markigen Worten auftretenden Peters-Befürwortern ins Hintertreffen geraten. Dann aber ginge selbst die knappe Mehrheit von sechs zu vier Stimmen, die Huber im April noch im geschäftsführenden Vorstand hatte, für die kommenden Jahre verloren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2003, Nr. 146 / Seite 12
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