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Risikoabsicherung

Straßenbau Tausende Brücken sind in schlechtem Zustand

Nicht nur die Rheinbrücke bei Leverkusen hat Risse im Beton. Unternehmer, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften schreiben Brandbriefe und fordern vom Bund neue Investitionen, und die gehen in die Hunderte Millionen Euro.

© dpa Vergrößern Eine von vielen: Die Rheinbrücke der Autobahn A 1 nahe Leverkusen

Seit gut einer Woche ist die Rheinbrücke auf der Autobahn 1 bei Leverkusen für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt. Zuvor waren gefährliche Risse im Bauwerk entdeckt worden; jetzt werden mehr als 500 Querträger auf Schäden geprüft. Bisher passierten täglich rund 14.000 Lkw die Brücke. Nun bilden sich lange Staus in einem der am dichtesten befahrenen Ballungsräume.

Kerstin Schwenn Folgen:

Unternehmer, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften haben den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen in einem „Brandbrief“ aufgefordert, rasch Abhilfe zu schaffen. Die Grünen nennen die Sperrung den „Super-Gau der Infrastrukturpolitik“ und fordern mehr Geld für Erhalt statt Straßenneubau. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Stephan Kühn, ergänzt: „Leverkusen ist überall.“ Tatsächlich hat nicht nur die Brücke über den Rhein bei der Chemiemetropole Risse im Beton bekommen. Der schlechte Zustand vieler Brücken behindert zunehmend den Verkehr in Deutschland. Schon jetzt sind Brücken von Autobahnen und Bundesfernstraßen für schwere Lastwagen gesperrt, weil sie dem Gewicht nicht mehr standhalten. „Zahlreiche Brücken müssen in der nächsten Zeit konstruktiv verstärkt oder erneuert werden“, heißt es in einem Gutachten des Deutschen Beton- und Bautechnikvereins. Sanierungsbedürftig seien vor allem Brücken aus den sechziger und siebziger Jahren in den westlichen Bundesländern.

Unterfinanzierung der Infrastruktur

„Diese Brücken entsprechen nicht mehr dem heutigen technischen Standard“, warnen die Gutachter. Sie seien für viel weniger Verkehr bemessen. Unzureichende Erfahrungen mit Spannbeton hätten zudem dazu geführt, dass die Brücken nicht robust genug gebaut seien. Risse im Beton oder Rost an den Stahlträgern seien die Folge. Insgesamt muss sich der Bund um gut 38.800 der rund 120.000 Brücken im Land kümmern. Wegen der großen Zahl alter Brücken ist die Sanierung eine große Herausforderung. In Berlin kursieren Schätzungen, wonach der Investitionsbetrag für Brücken auf mindestens 700 Millionen Euro jährlich verdoppelt werden müsste, um den Investitionsstau abzubauen. Eine Runderneuerung würde zehn bis zwanzig Jahre dauern.

Der Zustand vor allem der Großbrücken mit mehr als 100 Metern Länge sei alarmierend, obwohl viele längst noch nicht die vorgesehene Lebensdauer erreicht hätten, schreibt Brücken-Fachmann Joachim Naumann in einem Gutachten für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die Verbände der Bau- und Baustoffindustrie. Nach Einschätzung der Verbände, die immer wieder die Unterfinanzierung der Infrastruktur anprangern, müssen allein in die Sanierung maroder Brücken in den nächsten fünf Jahren rund sieben Milliarden Euro investiert werden. Rund 47 Prozent der Brücken seien ihrem Zustand nach nur noch „ausreichend“ oder schlechter.

Die Lkw-Fahrer sind wegen der maroden Brücken zu langen Umwegen gezwungen, etwa auf der Autobahn 45. Wegen der Umwege durch Brückensperrungen werden dort aus 450 inzwischen manchmal 700 Kilometer. Die A45 ist nur ein Beispiel für die enorme Verkehrsentwicklung. Bei der Freigabe vor 40 Jahren wurde hier täglich ein Verkehr von 22.000 Fahrzeugen gemessen, heute sind es 55.000 - bei einem Schwerlastanteil von 20 Prozent. Eine zusätzliche Schwierigkeit für die Brücken-Standhaftigkeit ergibt sich dadurch, dass die 40-Tonner oft überladen sind. Zudem hat die Zahl der Schwerlasttransporte mit bis zu 150 Tonnen stark zugenommen. Nach Schätzung des Branchenverbands BGL liegt der Anteil der Schwertransporte an den Frachten bei 5 bis 10 Prozent.

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Quelle: F.A.Z.

 
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