Home
http://www.faz.net/-gqe-74wky
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Straßenbau Tausende Brücken sind in schlechtem Zustand

Nicht nur die Rheinbrücke bei Leverkusen hat Risse im Beton. Unternehmer, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften schreiben Brandbriefe und fordern vom Bund neue Investitionen, und die gehen in die Hunderte Millionen Euro.

© dpa Vergrößern Eine von vielen: Die Rheinbrücke der Autobahn A 1 nahe Leverkusen

Seit gut einer Woche ist die Rheinbrücke auf der Autobahn 1 bei Leverkusen für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt. Zuvor waren gefährliche Risse im Bauwerk entdeckt worden; jetzt werden mehr als 500 Querträger auf Schäden geprüft. Bisher passierten täglich rund 14.000 Lkw die Brücke. Nun bilden sich lange Staus in einem der am dichtesten befahrenen Ballungsräume.

Kerstin Schwenn Folgen:    

Unternehmer, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften haben den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen in einem „Brandbrief“ aufgefordert, rasch Abhilfe zu schaffen. Die Grünen nennen die Sperrung den „Super-Gau der Infrastrukturpolitik“ und fordern mehr Geld für Erhalt statt Straßenneubau. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Stephan Kühn, ergänzt: „Leverkusen ist überall.“ Tatsächlich hat nicht nur die Brücke über den Rhein bei der Chemiemetropole Risse im Beton bekommen. Der schlechte Zustand vieler Brücken behindert zunehmend den Verkehr in Deutschland. Schon jetzt sind Brücken von Autobahnen und Bundesfernstraßen für schwere Lastwagen gesperrt, weil sie dem Gewicht nicht mehr standhalten. „Zahlreiche Brücken müssen in der nächsten Zeit konstruktiv verstärkt oder erneuert werden“, heißt es in einem Gutachten des Deutschen Beton- und Bautechnikvereins. Sanierungsbedürftig seien vor allem Brücken aus den sechziger und siebziger Jahren in den westlichen Bundesländern.

Unterfinanzierung der Infrastruktur

„Diese Brücken entsprechen nicht mehr dem heutigen technischen Standard“, warnen die Gutachter. Sie seien für viel weniger Verkehr bemessen. Unzureichende Erfahrungen mit Spannbeton hätten zudem dazu geführt, dass die Brücken nicht robust genug gebaut seien. Risse im Beton oder Rost an den Stahlträgern seien die Folge. Insgesamt muss sich der Bund um gut 38.800 der rund 120.000 Brücken im Land kümmern. Wegen der großen Zahl alter Brücken ist die Sanierung eine große Herausforderung. In Berlin kursieren Schätzungen, wonach der Investitionsbetrag für Brücken auf mindestens 700 Millionen Euro jährlich verdoppelt werden müsste, um den Investitionsstau abzubauen. Eine Runderneuerung würde zehn bis zwanzig Jahre dauern.

Der Zustand vor allem der Großbrücken mit mehr als 100 Metern Länge sei alarmierend, obwohl viele längst noch nicht die vorgesehene Lebensdauer erreicht hätten, schreibt Brücken-Fachmann Joachim Naumann in einem Gutachten für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sowie die Verbände der Bau- und Baustoffindustrie. Nach Einschätzung der Verbände, die immer wieder die Unterfinanzierung der Infrastruktur anprangern, müssen allein in die Sanierung maroder Brücken in den nächsten fünf Jahren rund sieben Milliarden Euro investiert werden. Rund 47 Prozent der Brücken seien ihrem Zustand nach nur noch „ausreichend“ oder schlechter.

Die Lkw-Fahrer sind wegen der maroden Brücken zu langen Umwegen gezwungen, etwa auf der Autobahn 45. Wegen der Umwege durch Brückensperrungen werden dort aus 450 inzwischen manchmal 700 Kilometer. Die A45 ist nur ein Beispiel für die enorme Verkehrsentwicklung. Bei der Freigabe vor 40 Jahren wurde hier täglich ein Verkehr von 22.000 Fahrzeugen gemessen, heute sind es 55.000 - bei einem Schwerlastanteil von 20 Prozent. Eine zusätzliche Schwierigkeit für die Brücken-Standhaftigkeit ergibt sich dadurch, dass die 40-Tonner oft überladen sind. Zudem hat die Zahl der Schwerlasttransporte mit bis zu 150 Tonnen stark zugenommen. Nach Schätzung des Branchenverbands BGL liegt der Anteil der Schwertransporte an den Frachten bei 5 bis 10 Prozent.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schiersteiner Brücke Hydraulische Pressen sollen Hängepartie beenden

Die abgesackte Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden soll jetzt mit Pressen wieder angehoben werden. Läuft alles nach Plan, könnte sie nach den Osterferien wieder für den Verkehr freigegeben werden. Scheitert der Versuch, bliebe nur ein Abriss. Mehr Von Markus Schug, Mainz

26.03.2015, 17:55 Uhr | Rhein-Main
Irak Irakische Armee erobert al Bagdadi zurück

Die irakische Armee hat die von der Terrormiliz Islamischer Staat gehaltene Stadt al Bagdadi zurück erobert. Neben der Sicherung einer wichtigen Militärbasis sei die Extremisten-Gruppe aus sieben Dörfern zurückgedrängt und drei Brücken über den Euphrat erobert worden, teilte das amerikanische Militär mit. Mehr

07.03.2015, 09:57 Uhr | Politik
Orkan über Deutschland Niklas zieht ab und hinterlässt viele Schäden

Am Dienstag wütete der Orkan Niklas über Deutschland. Wie ist die Lage am Tag darauf? Unsere Korrespondenten berichten aus ihren jeweiligen Bundesländern. Mehr

01.04.2015, 16:53 Uhr | Gesellschaft
Kraftwerk Retro-Elektropop: Autobahn

Die Elektronikgruppe Kraftwerk spielt ihren ersten großen Hit Autobahn aus dem Jahr 1974. Mehr

04.01.2015, 11:04 Uhr | Gesellschaft
Klimaschutz-Aktion Frankfurt schaltet Licht zur Earth Hour aus

Am nächsten Samstag beteiligen sich wieder zahlreiche Städte an einer symbolischen Aktion für mehr Klimaschutz. Zur Earth Hour wird auch die Stadt Frankfurt das Licht in ihren Gebäuden ausknipsen. Mehr

23.03.2015, 15:23 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.12.2012, 16:50 Uhr

Grünes Autoländle

Von Susanne Preuß

Der Verkehrsminister von Baden-Württemberg wünscht sich Autos ohne Emissionen - die Industrie arbeitet bereits daran. Grüne Zukunftsvisionen aus dem Autoländle. Mehr 2 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Arbeitskosten in Deutschland steigen

In Deutschland sind die Arbeitskosten im vergangenen Jahr moderat um 1,5 Prozent gestiegen. Das ist im EU-Mittelfeld. In einigen Ländern stiegen sie dagegen um knapp 7 Prozent. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden