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Steuervorteile Deutsche Hoteliers geraten unter Druck

18.01.2010 ·  Während ausländische Regierungen die Steuervorteile für Hoteliers als „vorbildlich“ loben, fallen die Reaktionen der Betroffenen in Deutschland höchst unterschiedlich aus: Die Hoteliers sind hoch erfreut, unter Reisemanagern herrscht Katerstimmung. Unternehmen befürchten eine neue Kostenlawine.

Von Ulrich Friese
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Gegensätzlicher könnte das Echo auf die unlängst beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer für das deutsche Hotelgewerbe kaum sein. Während ausländische Regierungen die Entscheidung der schwarz-gelben Koalition als „vorbildlich“ loben und zur Nachahmung empfehlen, fallen die Reaktionen der Betroffenen höchst unterschiedlich aus: Die Hoteliers sind hoch erfreut, unter Reisemanagern herrscht Katerstimmung. Unternehmen befürchten eine neue Kostenlawine und klagen über den bürokratischen Mehraufwand.

„Deutschlands führende Hotelbetreiber jubeln, dass zum Jahresauftakt die Mehrwertsteuer für Übernachtungen von 19 Prozent auf 7 Prozent gefallen ist“, resümiert die „Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ (AHGZ) den Tenor aktueller Umfragen. Darin geben die meisten Dienstleister zu Protokoll, dass sie den Löwenanteil des zu erwartenden Geldregens, der den deutschen Steuerzahler rund 1 Milliarde Euro kosten wird, in die eigene Infrastruktur investieren: Häuser werden renoviert, Arbeitsplätze gesichert oder Mitarbeiter geschult.

Nur wenige der befragten Betreiber erwägen indessen, die gewährten Steuervorteile an die Kundschaft weiterzugeben oder gar die Zimmerpreise auf breiter Front zu senken. „Mit den geplanten Investitionen in Gebäude und Personal verbessert sich der Service für die Gäste und damit auch das Preis-Leistungs-Verhältnis“, erklärt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des nationalen Hotelverbandes Dehoga, die Zurückhaltung ihrer Branche.

Heftiger Widerstand von Touristen und Geschäftsreisenden

Auf heftigen Widerstand stoßen solche Pläne jedoch bei Touristen und Geschäftsreisenden. „Wir erwarten, dass die Hoteliers ihr Steuergeschenk in großem Umfang an die Kunden weitergeben“, heißt es beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. In dasselbe Horn stößt auch der Verband des Deutschen Reisemanagements (VDR), der die Interessen von mehr als 500 Unternehmen vertritt. Er belegt das mit Modellrechnungen: „Einen Teil der Steuereinsparungen müssen die Betreiber über die Senkung der Bruttopreise für Hotelzimmer an uns weiterreichen“, fordert Dirk Gerdom. Der VDR-Präsident, der im Hauptberuf das Management von Geschäftsreisen im SAP-Konzern steuert, beklagt die steuerlichen Nachteile der neuen Regelung. Zudem steige für seine Branche der bürokratische Aufwand, um Spesen abzurechnen. Auf Basis der rund 160 Millionen Geschäftsreisen, die in Deutschland noch 2008 gezählt wurden, veranschlagt er den daraus resultierenden Kostenschub auf rund 400 Millionen Euro.

Dass sich Geschäftsreisen verteuern, wenn die Hoteliers ihren Steuernachlass nicht weiterreichen, geht aus folgender Beispielrechnung für Unternehmen hervor: Bisher bekamen gewerbliche Kunden, die aus dienstlichen Gründen für 119 Euro übernachteten, vom deutschen Finanzamt 19 Euro als „Vorsteuer“ erstattet. Bleibt der Bruttopreis für ein Hotelzimmer auch nach Senkung der Mehrwertsteuer unverändert, werden Außendienstlern oder Handwerkern in diesem Jahr nur noch 7,79 Euro vom Fiskus erstattet. Für Betriebe und Unternehmen erhöhen sich die Kosten für eine Übernachtung so von 100 Euro auf 111,21 Euro.

Ballast für Buchhalter

Weiterer Ballast für Buchhalter resultiert aus dem Umstand, dass seit Jahresbeginn „Nebenleistungen“ der Hotels anders besteuert werden als eine Übernachtung. So müssen etwa die Auslagen für ein Frühstück im Hotel ab einem Wert von 4,80 Euro vom Arbeitnehmer selbst bezahlt oder aber – wenn der Arbeitgeber die Kosten übernimmt – als geldwerter Vorteil versteuert werden. „Abrechnung und Kontrolle von Spesen komplizieren sich und ziehen hohe Zusatzkosten nach sich“, moniert VDR-Chef Gerdom. Wenn das Steuergeschenk der Regierung tatsächlich als Konjunkturhilfe konzipiert sei, müsse daher der Mehraufwand für die Unternehmen minimiert werden.

Der Druck der Großkunden zeigt Wirkung. Kleinere Hotelketten und mittelständische Betreiber lenken ein, doch ein „Erdrutsch in den Preisverhandlungen zwischen Hoteliers und Reisemanagern ist nicht zu erwarten“, dämpft ein Verbandsvertreter voreilige Erwartungen. Dabei halten sich gerade die Statthalter der internationalen Hotelketten zum heiklen Thema „Konditionen und Preise“ bedeckt. „Wir sollten nicht vergessen, dass sich das Niveau der Brutto-Preise im europäischen Branchenvergleich schon vor der Steuersenkung im unteren Drittel befand“, sagt Oliver Harnisch, der deutsche Geschäftsführer der Hilton-Hotels.

Hiltons nationale Konkurrenten scheinen indessen zu Konzessionen bereit. Einige Anbieter erwägen, die gewährten Steuervorteile an eine kleine Schar von Firmenkunden in voller Höhe weiterzureichen. Andere gewerbliche Stammkunden, die immerhin über nennenswerte Geschäftsvolumina verfügen, können in diesem Jahr wohl Rabatte auf die Übernachtungspreise von bis zu 5 Prozent erwarten, heißt es in der Branche.

Zusätzlicher Druck auf Preise und Konditionen sei vom deutschen Hotelgewerbe kaum zu verkraften, warnt der Branchenverband Dehoga. Die Folgen der Finanzkrise hätten der Branche im vergangenen Geschäftsjahr fast durchweg zweistellige Einbrüche im Umsatz und in der Auslastung beschert. Durch die jüngste Senkung der Mehrwertsteuer sei für deutsche Betreiber endlich „Chancengleichheit in Europa“ erreicht. Um das Überleben der heimischen Hoteliers zu sichern, hätten 21 der 27 EU-Mitgliedstaaten schon vor Jahren ihre Mehrwertsteuersätze drastisch reduziert. Die Gunst der Stunde will Italien nutzen und dem deutschen Vorbild möglichst rasch folgen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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