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Steuerparadiese Die strengen Finanzämter von Ouagadougou

 ·  Der Finanzminister hat Burkina Faso mit der Schweiz verglichen. Das kränkt beide. Um Burkina Faso als Steuerparadies zu bezeichnen, braucht es eine gehörige Portion Ahnungslosigkeit.

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War Finanzminister Peer Steinbrück wohl jemals in Burkina Faso? Der Vergleich des afrikanischen Landes mit Steuerparadiesen hinkt jedenfalls gewaltig, angefangen vom äußeren Erscheinungsbild: Gewiss, Luxemburg verfügt über eine alte Festung und hübsche Straßencafés, trotzdem wirkt die Stadt ein wenig langweilig im Wettstreit mit Ouagadougou. Die Hauptstadt Burkina Fasos hat die afrikanischen Filmfestspiele und Millionen von offenbar selbstmordsüchtigen Mopedfahrern, die mit ihren knatternden „Mobilettes“ den Straßen einen Anschein von Quirligkeit verleihen.

Um Burkina Faso als Steuerparadies zu bezeichnen, braucht es eine gehörige Portion Ahnungslosigkeit. Die ehemalige französische Kolonie Haute Volta hat wie fast alle alten Kolonien das Verwaltungssystem und damit das Steuersystem der „Grande Nation“ übernommen, dem sich nur besonders Mutige unvoreingenommen nähern.

Kein Wohlstand und daher kein Steueraufkommen

Dass trotzdem kaum einer zahlt, liegt schlicht daran, dass die Mehrheit der knapp 14 Millionen Burkiner bitterarm ist. Das burkinische Steueraufkommen für 2008 betrug ganze 824 Millionen Euro. Die Erträge aus staatlichen Kapitalbeteiligungen lagen bei 50 Millionen Euro. Das gibt die Stadtverwaltung von Luxemburg für ihre Müllabfuhr aus. Das Haushaltspaket von rund 1,3 Milliarden Euro konnte die burkinische Regierung nur schnüren, weil Burkina Faso am Tropf der Geberländer hängt: 500 Millionen Euro betrug die Summe der niedrig verzinsten Kredite und der Budgetbeihilfen im Jahr 2008.

Zudem ist die Landeswährung Franc CFA über die französische Zentralbank fest an den Euro gekoppelt. Das verschont die Exporte von Europa nach Burkina Faso von Wechselkursschwankungen, würgt aber die Exporte von Burkina Faso in die Welt ab, weil die Produkte zu teuer sind. Die einzige nennenswerte Einkommensquelle des westafrikanischen Landes ist die Baumwollproduktion. Ansonsten gibt es noch Erdnüsse. Der Rest ist Subsistenzwirtschaft.

Die Ostfriesen Afrikas

Diese Rückständigkeit war es wohl, auf die Steinbrücks Ouagadougou-Vergleich abzielte. Damit befindet sich der deutsche Finanzminister in bester Gesellschaft. Den Burkinern haftet der Ruf an, die Ostfriesen Westafrikas zu sein - wenn auch ohne Blick aufs Meer. Ein bisschen schusselig, nicht sonderlich sprachbegabt und vor allem hinterwäldlerisch seien die Leute aus Bobo Dioulasso, Ouagadougou und Fada N'Gourma, heißt es in den Nachbarländern.

Dieser Ruf hat wiederum damit zu tun, dass die Burkiner im eigenen Land keine Arbeit finden und stattdessen im Ausland suchen müssen - egal welche Arbeit zu gleich welchen Bedingungen. Das „Land der aufrechten Männer“, wie der Begriff „Burkina Faso“ übersetzt wird, ist Nettoexporteur von Arbeitskräften. Man findet sie überall: als Parkwächter in Lomé, als Gärtner in Conakry, als Hausangestellte in Abidjan. In Côte d'Ivoire leben geschätzt zwischen drei und vier Millionen Burkiner, in Ghana müssen es ähnlich viele sein. Ihre Überweisung an die Familien zu Hause halten Burkina Faso am Laufen.

Die Herablassung aber, mit der den Burkinern in den westafrikanischen Nachbarländern begegnet wird, ist fehl am Platz. Tatsächlich hätten die größten Kakaoplantagen der Welt, nämlich die in Côte d'Ivoire, ohne die Burkiner nie zu ihrer Blüte gefunden. Es waren die Männer aus dem Sahel, die wussten, wie man tiefe Brunnen bohrt, um die Kakaobäume mit ausreichend Wasser zu versorgen. Insofern gibt es doch eine Gemeinsamkeit zwischen Luxemburgern und Burkinern: beide werden ständig unterschätzt.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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