http://www.faz.net/-gqe-6yeoj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.03.2012, 17:30 Uhr

Steuern in Frankreich Hollandes Pläne schrecken Unternehmer ab

Im Präsidentenwahlkampf schlagen sich die französischen Arbeitgeber auf die Seite von Sarkozy. Von dem sozialistischen Kandidaten Hollande sind sie weniger begeistert.

von , Paris
© dpa Ringen um die Wählergunst: Hollande (l.) und Sarkozy

Rund fünf Wochen vor dem ersten Wahlgang zur französischen Präsidentschaft scheinen die Arbeitgeber des Landes ihre Wahl schon getroffen zu haben: Sie unterstützen mehrheitlich den Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Wie in Frankreich üblich, wollen die Unternehmenschefs zwar keine konkrete Wahlempfehlung aussprechen. Würden sie sich offen auf eine Seite schlagen, schreckte das erfahrungsgemäß viele Wähler ab. Dennoch tritt die Präferenz der Unternehmenslenker immer stärker hervor, je länger der sozialistische Gegenkandidat François Hollande die Wähler im linken Spektrum umwirbt.

Christian Schubert Folgen:

Auf einer Konferenz der Arbeitgebervereinigung Afep nannte die Arbeitgeberpräsidentin Laurence Parisot am Dienstag die Pläne von Hollande „beunruhigend“. Seine Ankündigungen einer höheren Besteuerung der großen Unternehmen seien ein „Thema der echten Konfrontation“. Sie bezifferte Hollandes Vorhaben auf eine Mehrbelastung von 45 Milliarden Euro. „Das ist eine vernichtende Last“, sagte Parisot.

Französische Manager zeigen sich zögerlich

Hollande hatte auf der gleichen Konferenz vergeblich versucht, die Arbeitgeber für sich einzunehmen. Den eklatanten Unterschied in der Außenhandelsbilanz im Vergleich mit Deutschland - Defizit von 70 Milliarden Euro in Frankreich, Überschuss von 150 Milliarden Euro auf deutscher Seite - erklärte er nicht mit höheren französischen Lohnkosten, sondern mit einer falschen Spezialisierung der französischen Unternehmen auf Waren mittlerer Qualität sowie mit geringen Forschungsinvestitionen. Hollande will steuerlich die Investitionen massiv fördern, wie er sagte, doch andere Ankündigungen stimmten sein Publikum eher skeptisch: So sollen Arbeitnehmervertreter in die Aufsichtsräte aller Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeiter einziehen.

Ermutigung zu diesem Schritt erhielt Hollande von Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp und Siemens. „Die Mitbestimmung in Deutschland hat in der Krise enorm geholfen“, sagte der deutsche Manager auf der gleichen Veranstaltung, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer pragmatische Lösungen gefunden hätten. Etliche französische Manager zeigten sich jedoch zögerlich, denn Frankreich habe nicht die gleiche Kultur der Kooperation gelernt wie Deutschland.

Mehr zum Thema

Hollandes Plan eines Spitzensteuersatzes von 75 Prozent auf Einkommen von einer Million Euro an stößt unter den Arbeitgebern ebenfalls auf Ablehnung. Selbst der Afep-Präsident und Chef der Werbeagentur Publicis, Maurice Lévy, der 2011 noch den Aufruf „Besteuert uns“ unterschrieben hatte, protestierte: Er habe als Bedingung immer Reformen wie Einschnitte in die Staatsausgaben gefordert. Davon könne bei Hollande keine Rede sein. Außerdem dachte er an eine zeitlich begrenzte Sondersteuer, nicht an die Einführung einer neuer Steuerklasse.

Freilich beunruhigt die Wirtschaft auch Nicolas Sarkozy mit seinen Steuerplänen. Seine jüngste Idee lautet, dass der französische Fiskus steuerflüchtige Franzosen auch im Ausland besteuert. Ansonsten verlören sie ihre Staatsbürgerschaft. In der vergangenen Woche hatte der Präsident bereits für große Unternehmen mit Auslandspräsenz eine Mindestbesteuerung gefordert. Die Konzernmanager beklagen, dass derzeit alle Kontrahenten wichtige Reformthemen wie staatliche Ausgabenkürzungen außer Acht ließen. Der Zentrumspolitiker François Bayrou brachte es auf den Punkt: „Ich erinnere mich an keinen Wahlkampf, in dem die wahre Lage des Landes und die Wahlkampfreden so weit auseinanderlagen“.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankreich So gewinnen die Terroristen

Der Sicherheitsfachmann François Heisbourg kritisiert die Anti-Terror-Politik der französischen Regierung. Das Land sei auf dem besten Wege zu zeigen, wie man den Krieg gegen den Terrorismus verliere. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

29.04.2016, 20:28 Uhr | Politik
Merkel und Hollande in Metz EU muss Flüchtlingskrise gemeinsam lösen

Die EU muss die Flüchtlingskrise nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande gemeinsam lösen. Nach einem Treffen beim deutsch-französischen Ministerrat in Metz bekräftigten sie zudem die Entschlossenheit ihrer Regierungen, in dieser Frage zusammen zu agieren. Mehr

07.04.2016, 19:13 Uhr | Politik
Hollande in Not Der Präsident redet sich die Welt schön

In einer Live-Sendung im Fernsehen vermittelt François Hollande den Eindruck, alles sei in bester Ordnung. Er sei sich sogar mit Angela Merkel einig. Jetzt muss Frankreich nur die EM gewinnen. Mehr Von Jürg Altwegg

03.05.2016, 17:21 Uhr | Feuilleton
Jacqueline Sauvage Gnade für eine Mörderin in Frankreich

Jacqueline Sauvage kam wegen Mordes an ihrem Mann in Haft. Er hatte sie zuvor jahrzehntelang misshandelt und missbraucht. Nun kommt sie frei – Frankreichs Präsident Hollande hat sie begnadigt. Mehr

07.04.2016, 14:45 Uhr | Gesellschaft
Demos gegen Arbeitsmarktreform Viele Verletzte nach Protesten in Frankreich

Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei sind in mehreren französischen Städten mehr als hundert Demonstranten festgenommen worden. Es ging gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Ein Polizist schwebt in Lebensgefahr. Mehr

28.04.2016, 22:24 Uhr | Politik

Grenzregime

Von Andreas Mihm, Berlin

Die deutsche Energiewende sorgt für Spannungen. Das Netz ist viel zu klein, die Nachbarn sind genervt. Es kommt auf den Netzausbau an - und den verzögern die Deutschen. Mehr 4 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

IWF-Ausblick Warum die Ungleichheit in Asien steigt

Die Ungleichheit der Einkommen steigt in Asien schneller und ist größer als im Rest der Welt. Das analysiert der Internationale Währungsfonds. Ist das ein Problem? Mehr Von Patrick Welter, Tokio 7 13

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden