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Steuerfahnder Die Jagd

Ein Steuerfahnder aus Wuppertal hat schon viele Banken das Fürchten gelehrt. Jetzt will die Schweiz ihn dingfest machen. Er nimmt’s sportlich.

© Archiv Vergrößern Die fesselnde Schweiz

Vor achtzehn Jahre lehrte Steuerfahnder Peter Beckhoff die Banken erstmals das Fürchten. Am 11. Januar 1994 marschierten Fahndungstrupps in die Dresdner Bank in Frankfurt und Düsseldorf. Zwei Tage lang durchforsteten sie Akten und Computer auf der Suche nach Steuerflüchtlingen. Ihr Verdacht (der sich bestätigte): Die Bank half Kunden dabei, ihr Erspartes nach Luxemburg zu verschieben. Über „Pipeline-Konten“ floss das Geld aus Theo Waigels Reich.

Rainer Hank Folgen:  

Die Steuerrazzia war ein Paukenschlag, die allererste Aktion dieser Art gegen eine deutsche Bank. Ein führender Kopf war der Fahnder Peter Beckhoff aus Düsseldorf. Volljurist, Mitte 40, hoch gewachsen, Vollbart, Kettenraucher. Seine Razzia ließ Bankkunden jammern, jetzt sei nichts mehr geheim vor dem Staat, und sie ließ Juristen streiten, ob Steuerfahnder in Banken einmarschieren und alles filzen dürfen, was ihnen in die Finger fällt. Das Verfassungsgericht stellte später klar: Sie dürfen.

Erfolglos ist jede Gegenwehr, bisher jedenfalls

So läuft es seit Jahren: Peter Beckhoff, heute Fahndungsleiter in Wuppertal-Barmen, erfüllt die Dienstpflichten, so wie er sie versteht: Er jagt Steuersünder mit allen bewährten Mitteln seiner Zunft, und den Mitteln, die ihm noch einfallen. Er war schon Steuer-Fluchthelfer Herbert Batliner auf der Spur, und er war dabei beim Kauf der allerersten Steuer-CD aus Liechtenstein - er ist, kurzum, sehr erfolgreich. Erfolglos ist jede Gegenwehr, bisher jedenfalls.

Aber jetzt wird nach dem Fahnder gefahndet. Der oberste Schweizer Strafverfolger hat Haftbefehle gegen Beckhoff und zwei Mitstreiter erlassen. Sie gelten den Schweizer Anklägern als Spione, weil die Beamten nicht nur den Kauf einer Steuerdaten-CD für 2,5 Millionen Euro einfädelten, sondern angeblich Informanten anstachelten, mehr Daten zu sammeln - Beweise, dass die Bank Credit Suisse Steuersündern systematisch Hilfe leistete.

Steuerstreit mit der Schweiz © dpa Vergrößern Peter Beckhoff und zwei Mitstreiter gelten den Schweizer Anklägern als Spione - weil die Beamten nicht nur den Kauf einer Steuerdaten-CD für 2,5 Millionen Euro einfädelten, sondern angeblich Informanten anstachelten, mehr Daten zu sammeln

„Einer wie Beckhoff dürfte diesen Haftbefehl sportlich nehmen“, sagt Frank Wehrheim, langjähriger Steuerfahnder, der einst mit zur Razzia in die Dresdner Bank marschierte. „Die Schweiz, Luxemburg oder Liechtenstein sind ohnehin keine beliebten Urlaubsziele für Steuerfahnder.“ Osterurlaub gibt es für sie heuer auch nicht: Zwei neue Datenpakete stehen zum Verkauf, meldete der „Spiegel“, über die Feiertage werde verhandelt.

„Für Steuerfahnder ist Beckhoff eine Lichtgestalt“, sagt Frank Wehrheim. Wohl jedem der 2600 Ermittler im Land sei der Mann, der nicht allzu weit von der Pensionierung entfernt ist, ein Begriff. Heute leitet er gut 70 Leute in dem Büroklotz Unterdörnen 96 in Wuppertal. Er lebt in Bochum, dort, „wo das Herz noch zählt / nicht das große Geld“ (Grönemeyer).

Fahnder in Nordrhein-Westfalens sind besonders rührig. Sie arbeiten selbständiger als anderswo: Steuerfahndung ist in diesem Land in zehn eigenen Behörden organisiert, nicht als Wurmfortsatz der Finanzbeamten und Betriebsprüfer. Steuerfahnder in Wuppertal oder Düsseldorf machen ihr eigenes Ding, mit eigenen Chefs, eigener Strategie und eigenem Korpsgeist.

Deutsche Fahnder seien „offen, cool und gut vorbereitet“

„Die abgeschotteten Treffen mit den Spezialisten der Steuerfahndung waren offen und cool“, schwärmt der Liechtensteiner Datendieb Heinrich Kieber in seinem Buch „Der Fürst. Der Dieb. Die Daten“. „Ich war perplex, wie gut sie sich vorbereitet hatten.“ Eine „dicke und akkurate Akte über Liechtenstein“ hätten sie gehabt.

Beckhoff ist umtriebiger als viele Beamte seiner Hierarchiestufe. „Fahndungsleiter geben die Linie der Dienststelle vor“, erklärt Manfred Lehmann, Chef der Steuergewerkschaft Nordrhein-Westfalen. „Beckhoff geht weiter: Er ist sehr engagiert und kreativ bei der Fall-Findung.“ Die Kundschaft kommt ja nicht freiwillig. „Gute Fahndungsleiter bauen Kontakte zu ausländischen Finanzverwaltungen auf, sie beobachten, welche Regeln sich wo ändern und mit welchen Folgen“, zählt Lehmann auf.

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Veröffentlicht: 07.04.2012, 15:58 Uhr

Fast wie im Roman

Von Carsten Knop

Smartphones werden zur digitalen Wunderwaffe. Dass wir ihnen viele Daten anvertrauen, macht uns ein mulmiges Gefühl. Aber die Bequemlichkeit siegt. Mehr 5

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