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Steinmeiers Rechenkünste 31 plus 4 gleich 33

04.08.2009 ·  4 Millionen zusätzliche, politisch und ökologisch korrekte Arbeitsplätze bis zum Jahr 2020 will Kanzlerkandidat Steinmeier schaffen. Doch kennt er sich in seinem neuen Lieblingsgebiet wirklich aus? Peinliche Zahlenfehler in einem Fernsehinterview hinterlassen arge Zweifel.

Von Sven Astheimer
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Der Plan klingt zu gut: 4 Millionen zusätzliche, politisch und ökologisch korrekte Arbeitsplätze bis zum Jahr 2020 und damit in Deutschland Vollbeschäftigung schaffen. Das ist das Zeug, aus dem deutsche Bundeskanzler gemacht werden. Sein Auftritt im heute journal des ZDF am Montagabend wirft freilich die Frage auf, wie genau sich Frank-Walter Steinmeier in seinem neuen Lieblingsgebiet auskennen muss, will er aus der Rolle als Kanzlerkandidat der SPD herauswachsen.

Im Gespräch mit Moderatorin Marietta Slomka beackerte der Bundesaußenminister dort den Arbeitsmarkt. Den Blutdruck seiner Wahlkampfmanager dürfte Steinmeier mit seinen Schilderungen in die Höhe getrieben haben, wie er die neuen Arbeitsplätze schaffen will. Er sei ja nicht naiv und wisse auch, dass jeden Tag gleichsam Stellen abgebaut würden. Gegenwärtig zähle Deutschland 31 Millionen Erwerbstätige, und es gehe einfach darum, „deutlich über 33 Millionen zu kommen“, damit man von Vollbeschäftigung sprechen könne.

Eine Korrektur durch die Moderatorin erfolgte nicht, obwohl das Zahlenwerk dazu Anlass gegeben hätte. Schließlich liegt die Zahl der gemeldeten Erwerbstätigen in Deutschland bei gut 40 Millionen, die der angestellten Beschäftigten bei etwas mehr als 27 Millionen. Wen hat Steinmeier nun gemeint? Und warum sind 31 Millionen plus 4 Millionen plötzlich 33 Millionen?

Wir wissen es nicht, können aber mindestens zwei Varianten anbieten. Erstens könnte es sich um Wahlkampfstrategie handeln, nach der man einer undurchsichtigen Rechnung eine noch kompliziertere folgen lässt, auf dass der Beobachter an detaillierten Nachfragen irgendwann die Lust verliere (was in diesem Fall dann funktioniert hätte).

Oder zweitens: Vielleicht hat Steinmeier sich einfach im Zahlenwerk des Arbeitsmarktes verheddert, was einem vielbeschäftigten Kanzlerkandidaten und Außenminister mancher durchaus zugestehen mag. Der erste wäre er übrigens nicht, der den Überblick verliert. Als sein Parteikollege Rudolf Scharping 1994 ins Kanzleramt strebte, gerieten ihm in der Debatte um eine Zwangsabgabe für Besserverdiener Brutto und Netto durcheinander.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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