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Steigende Energiepreise Gas ist seit 2005 um 40 Prozent teurer geworden

29.07.2008 ·  Auf Deutschlands Verbraucher kommt ab August die nächste - und mit Abstand teuerste - Gaspreisrunde in diesem Jahr zu: Rund 200 Gasversorger heben ihre Preise um durchschnittlich 15 Prozent an. Den Verbrauchern bleibt immerhin die Möglichkeit, ihren Gasversorger zu wechseln.

Von Holger Schmidt
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Auf Deutschlands Verbraucher kommt im August und September die sechste und mit Abstand teuerste Gaspreisrunde in diesem Jahr zu: Rund 200 Gasversorger heben ihre Preise um durchschnittlich 15 Prozent an. Besonders kräftig schlägt RWE auf: Die Regionalgesellschaft Westfalen-Weser-Ems erhöht ihren Tarif in der Lieferregion Emsland um 29 Prozent. In der Region Westfalen-Weser schlägt RWE 27 Prozent auf, ebenso stark wie RWE Rhein-Ruhr.

Für einen Durchschnittshaushalt bedeuten diese Aufschläge rund 360 Euro Mehrbelastung im Jahr, hat das Verbraucherportal Verivox errechnet. Das Ende der Preiswelle ist damit aber noch nicht erreicht: „Die gestiegenen Ölpreise werden in den kommenden Monaten weiterhin für drastisch steigende Gaspreise in Deutschland sorgen. Wir gehen davon aus, dass die Preise bis Jahresende bundesweit um durchschnittlich 20 Prozent erhöht werden“, sagt Peter Reese von Verivox.

Gestiegene Beschaffungskosten

Seit Januar 2005 sind die Gaspreise in den 20 größten Städten Deutschlands um 40 Prozent gestiegen. Rund 1460 Euro muss ein Durchschnittshaushalt mit 20 000 Kilowattstunden Jahresverbrauch und 15 Kilowatt Heizleistung im Jahr zahlen, 420 Euro mehr als vor zweieinhalb Jahren. Der Grund für den enormen Anstieg ist vorwiegend in den gestiegenen Beschaffungskosten zu finden. Seit 2004 hat sich der Erdgaspreis in Westeuropa fast verdoppelt, haben die Statistiker der Energiekonzerns BP in ihrem Statistischen Jahresbericht zur Weltenergie 2008 errechnet. Für Alexei Miller, den Chef des größten russischen Gaslieferanten Gasprom, ist der Höhepunkt aber noch nicht erreicht: Bis Januar könnte der Preis auf 500 Dollar je 1000 Kubikmeter steigen, 22 Prozent mehr als noch im Juni. Stiege der Preis für ein Fass Öl auf 250 Dollar, seien sogar 1000 Dollar je Kubikmeter möglich, sagte Miller vor kurzem.

Gasprom ist der wichtigste Gaslieferant Deutschlands. Mit der Fertigstellung der sogenannten Ostseepipeline im Jahr 2012 wird Gasprom seinen Anteil an der Gasversorgung Deutschlands weiter ausbauen. Zwar suchen die deutschen und europäischen Versorger händeringend nach anderen Lieferanten, vor allem in Nordafrika und Zentralasien. Doch wo immer die Europäer auch hinkommen – Gasprom war schon da, um sich den Zugriff auf die Gasvorkommen zu sichern. „Gasprom will den Europäern die Alternativen zu ihrem Gas nehmen“, sagte Florian Haslauer vom Beratungsunternehmen A. T. Kearney in einem Interview. Das unausgesprochene Ziel kann natürlich nur sein, die Preise hoch zu halten.

Es bleibt die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln

Den deutschen Verbrauchern bleibt immerhin die Möglichkeit, ihren Gasversorger zu wechseln. Denn die Preisunterschiede in Deutschland sind groß und wachsen: Während ein Haushalt in München im günstigsten Tarif der lokalen Stadtwerke nur 1323 Euro für die Gasmenge im Jahr zahlt und in diesem Zeitraum nur 26 Prozent Preisanstieg verkraften musste, haben die lokalen Anbieter in Leipzig und Dresden ihre Tarif um rund 57 Prozent erhöht und verlangen nun mehr als 1700 Euro für diese Gasmenge. Im Westen haben die Gasag in Berlin, Eon Hanse in Hamburg und die Stadtwerke Wuppertal mehr als 50 Prozent in diesem Zeitraum aufgeschlagen.

Mit steigenden Preisen nehmen aber auch die Sparpotentiale zu. Zum Beispiel lässt sich die Gasrechnung in Leipzig mit einem Wechsel von den Stadtwerken zum Anbieter Mitgas um 21 Prozent senken. Auch in Berlin (18 Prozent) sowie in Hamburg, Düsseldorf und Bremen (jeweils 15 Prozent) macht sich der Wechsel bemerkbar. Auf jeden Fall sollten Verbraucher ihren lokalen Versorger nach dem günstigsten verfügbaren Tarif fragen, denn nicht immer werden alle Kunden automatisch aus ihrem alten Tarif umgestellt. In München, Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum und Bielefeld haben die lokalen Stadtwerke Tarife im Angebot, mit denen sie alle anderen Anbieter unterbieten.

Der Staat wärmt dich: Was Arbeitslosen erstattet wird

„Allen Empfängern von Arbeitslosengeld II werden Heizkosten und Strom bezahlt, sie sind nicht von den Preissteigerungen betroffen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 20. Juni in dieser Zeitung.

Richtig ist, dass ALG-II-Empfängern nicht ihre tatsächlichen Kosten für Strom, Gas und Warmwasser erstattet werden. Der Gesetzgeber geht vielmehr davon aus, dass diese Kosten sich mit dem monatlichen Regelsatz von 351 Euro decken lassen. Vor der Hartz-Reform konnten die Empfänger von Sozialhilfe den Behörden noch ihre tatsächlichen Kosten einzeln nachweisen.

Mit der Reform kamen die Pauschalen, auch gedacht als Mittel zum Bürokratieabbau. „Aus Sicht des Steuerzahlers ist diese Methode die richtige. Man sollte die Energieverschwender nicht noch belohnen“, sagt Ronald Richter, Vorsitzender des Sozialrechtsausschusses im Deutschen Anwaltverein. „Andererseits muss man die Pauschalen auch regelmäßig prüfen und notfalls nach oben korrigieren.“

Die Summe, die Hartz-IV-Empfänger derzeit für eine „angemessene Lebensführung“ erhielten, basiere auf zwei Jahre alten Daten. Nach dem alten Bundessozialhilfegesetz seien die Regelsätze jedes Jahr zum 1. Juli geprüft und meist um ein paar Euro angepasst worden, sagt Richter. Jetzt sei eine Anpassung der allgemeinen politischen Lage überlassen. (ama.)

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