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Stefan Homburg zur Erbschaftssteuer „Es wird mehr Adoptionen geben“

Das Bundeskabinett hat die neue Erbschaftsteuer beschlossen. Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg hält die Litanei vieler Wirtschaftsvertreter, dass die Steuer ihr Unternehmen zerstören wird, für nicht einleuchtend.

© F.A.Z./Daniel Pilar Vergrößern „Unternehmerische Fähigkeiten sind nicht vererbbar”

Erbschaften und Erwerbsarbeit sollten gleich besteuert werden. Familienangehörige dürften nicht bevorzugt werden. Die Positionen des Finanzexperten:

Die große Koalition beschließt, Betriebe im Generationenübergang zu entlasten. Gleichwohl ist der Unmut im Unternehmerlager groß. Was ist da schiefgelaufen?

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Da fragen sie den Falschen. Ich halte die Litanei der Wirtschaftsvertreter, dass die Erbschaftsteuer ihre Unternehmen zerstört, für nicht einleuchtend. Es hat mir auch noch niemand vorrechnen können, warum das so sein sollte.

Portrait Stefan Homburg, Universität Hannover © F.A.Z./Daniel Pilar Vergrößern „Der Erbanfall sollte als achte Einkunftsart besteuert werden”

Wenn ein großer Familienkonzern eine Milliarde wert ist und der Fiskus die Hälfte verlangt, dann fehlt das Geld für Investitionen in die Zukunft.

Das trifft nicht zu. Richtig ist nur, dass sich der Erbe verschulden muss. Am einfachsten sieht man dies an der Aktiengesellschaft. Wer Aktien erbt, kann ein Darlehen aufnehmen und damit die Erbschaftsteuer zahlen. Bei Personenunternehmen verhält es sich analog. Volkswirtschaftlich ist die Privilegierung Angehöriger schädlich. Unternehmen sollten von jenen geleitet werden, die dazu besonders befähigt sind. Das sind nicht unbedingt die nächsten Verwandten.

Hat Deutschland nicht gute Erfahrungen mit seinen Familienunternehmen gemacht?

Wie heißt es so schön: Der erste erstellt's, der zweite erhält's, dem dritten zerfällt's. Auf Dauer funktionieren Familienunternehmen meist nicht. Unternehmerische Fähigkeiten sind eben nicht vererbbar. Und wenn man Familienangehörige steuerlich privilegiert, müssen andere - etwa Arbeitnehmer - entsprechend mehr Steuern zahlen. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist die Erbschaftsteuer höher als in Deutschland, die Einkommensteuer ist geringer. Volkswirtschaftlich ist das angelsächsische Konzept klüger.

Man kann es aber andersherum drehen: Wenn wir schon eine hohe Einkommensteuer haben, sollte wenigstens die Erbschaftsteuer gering sein.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn man die Besteuerung von Erbschaften erhöht, indem man etwa den Erbanfall als achte Einkunftsart besteuert, dann kann der gesamte Tarif bei unverändertem Budget gesenkt werden.

Bisher bringt die Erbschaftsteuer den Ländern 4 Milliarden Euro, damit kann man die Einkommensteuer nicht groß senken.

Es gibt in unserem Land keinen politischen Willen, Erbschaften stärker zu besteuern, obwohl sich das Aufkommen leicht vervielfachen ließe.

Wenn man die Erbschaften in die Einkommensteuer integriert, hat man ganz schnell extreme Belastungen.

Warum sollte das der Fall sein?

Weil man dann sofort im Bereich landet, wo der Spitzensteuersatz gilt.

Der Spitzensteuersatz beginnt heute schon bei rund 50.000 Euro, also einem guten Arbeitnehmereinkommen. Zudem lassen sich Progressionssprünge leicht glätten, bei Erbschaften ebenso wie bei Veräußerungsgewinnen.

Dennoch landet dann knapp die Hälfte des Erbes beim Fiskus.

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