Der Gouverneur der Bank von Israel, Stanley Fischer, kandidiert überraschend für die Spitzenposition im Internationalen Währungsfonds (IWF). Der hoch angesehene Ökonom fordert damit die französische Finanzministerin Christine Lagarde und den Gouverneur der mexikanischen Notenbank, Agustín Carstens, heraus.
Fischer rechnet sich mit seiner großen Erfahrung im internationalen Finanzwesen offenbar Außenseiterchancen aus, sollte es zwischen Lagarde und Carstens - und möglichen anderen Kandidaten - zu einer Pattsituation im Exekutivdirektorium des Fonds kommen. „Es hat sich eine außergewöhnliche und ungeplante Chance ergeben, die vielleicht nie wieder passieren wird“, erklärte Fischer gemäß einer Pressemitteilung der Bank von Israel. Fischer hat die Unterstützung der israelischen Regierung.
Der israelische Finanzminister Yuval Steinitz erklärte am Sonntag, Fischers Chancen seien klein, auch weil es eine politische Entscheidung des IWF sei. Wäre es eine rein professionelle Entscheidung, würde man schwerlich einen besseren Kandidaten als Fischer finden, sagte Steinitz.
Unterstützung aus Asien für Lagarde
Lagarde, der Kandidatin Europas, werden bislang die besten Chancen zugesprochen. Am Sonntag erhielt Lagarde erstmals die offizielle Unterstützung eines großen asiatischen Schwellenlands. Der Finanzminister von Indonesien sprach sich für sie aus. Üblicherweise wird der Posten des Geschäftsführenden Direktors des IWF von Europäern besetzt, im Gegenzug stellen die Vereinigten Staaten den Präsidenten der Weltbank. Die Schwellen- und Entwicklungsländer dringen seit langem auf eine Änderung dieser informellen Regel.
Die Notenbankgouverneure von Südafrika und Kasachstan, Trevor Manuel und Grigorij Marchenko, hatten sich am Freitag kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist aus dem Rennen genommen. Fischers Kandidatur dürfte in den Vereinigten Staaten auf Wohlwollen stoßen, aber nicht zwingend Unterstützung erhalten. Die Regierung in Washington hat schon einen Nachfolger für den IWF-Vize John Lipsky ausgeschaut, der im Herbst sein Amt verlässt. Bislang hatten die Vereinigten Staaten zudem keine Vorbehalte gegen Lagarde signalisiert.
Für Fischer müsste der IWF seine Regeln ändern
Der Kandidatur Fischers steht ein weiteres großes Hindernis entgegen. Nach den Regeln des IWF darf der Geschäftsführende Direktor bei seiner Erstberufung nicht älter als 65 Jahre sein. Fischer aber ist 67 Jahre alt. Das Exekutivdirektorium müsste demnach die Regeln ändern, um Fischer den Weg an die IWF-Spitze freizumachen.
Fischer ist ein allseits anerkannter Ökonom, der viel Erfahrung in der internationalen Finanzdiplomatie gesammelt hat. Er wurde in Nordrhodesien, dem heutigen Sambia geboren. Von 1988 bis 1990 war er Chefvolkswirt der Weltbank. Von 1994 bis 2001 steuerte er, mittlerweile mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, als Erster Stellvertreter des IWF-Chefs den Währungsfonds durch die Asien- und Russlandkrise. Die damals harte wirtschaftspolitische Haltung des Fonds wurde in Asien scharf kritisiert und führte dazu, dass unter anderem Korea sich durch den Aufbau von Währungsreserven vom Fonds emanzipierte.
Nach seinen Jahren beim IWF arbeitete Fischer als stellvertretender Vorstandsdirektor der Großbank Citigroup. 2005, nachdem er die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde er Gouverneur der Bank von Israel. Vor elf Jahren hatte Fischer schon einmal für die IWF-Spitzenposition kandidiert, damals als Kandidat einiger afrikanischer Staaten. Er zog seine Kandidatur aber zurück, nachdem eine Mehrheit für den Deutschen Horst Köhler absehbar war.
